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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1898,
große, von Kapt. W. Rasch geführte Hamburger Bark „Bertha“, die auf einer
Reise von Barry nach der Kapstadt begriffen war. Am Mittage des 13. Juni, als
„Bertha“ sich in Sicht von Lundy- Eiland befand, stand „Nereus“ in 49° N-Br
und 6,3° W-Lg und „Pestalozzi“ in 45,2° N-Br und 11,1° W-Lg. Ueber Mittel-
europa hatte an den vorhergegangenen Tagen ein Hochdruckgebiet gelegen,
dessen schwache Winde dem Fortgange der Schiffe so wenig günstig gewesen
waren, dafs „Pestalozzi“, welcher sich schon am 9, Juni in Sicht von Lizard
befunden, in vier Tagen nur bis zum. vorerwähnten Punkte hatte vorrücken
können. Am 13. Juni wurden die Verhältnisse günstiger. Kin frischer, bei
steigendem Luftdruck einsetzender Nordwestwind, der sich später nach Nordost
veränderte, bewirkte, dafs ein befriedigend rascher Fortgang nach Süden erzielt
werden konnte. Am 23. Juni, an welchem Tage mittags sich „Pestalozzi“ in
24,4° N-Br und 20,4° W-Leg, „Nereus® in 27,8° N-Br und 19,4° W-Lg und „Bertha“
in 29,6° N-Br und 19,3° W-Lg befanden, wurde der Wind bei allen drei Mit-
seglern zum Passat. Bei diesem in mäfsiger Stärke wehenden Winde verfolgten
sie einen Ost von den Kap Verden nach Süden führenden Kurs. Der Passat
endete, als sich „Pestalozzi“ am 29. Juni in 9,7° N-Br und 22,6° W-Lg, „Nereus“
am 1. Juli in 8° N-Br und 225° W-Lg und „Bertha“ am 2. Juli in 8,1° N-Br
und 21,6° W-Lg befand. Bevor der später bei allen drei Schiffen ziemlich frisch
wehende Südwestmonsun einsetzte, wurde „Pestalozzi“ fast drei Tage lang durch
leichte Mallung zurückgehalten, was bei den Mitseglern nicht in dem Maße der
Fall war. Die Folge davon war, dafs am Mittage des 2, Juli „Pestalozzi“ in
6,8° N-Br und 20,8° W-Lg und „Nereus“ in 7,2° N-Br und 22,3° W-Lg an Breite
nicht weit voneinander entfernt standen. Beim Segeln über St. B.-Halsen erreichten
als östlichsten Punkt: „Pestalozzi“ 5,7° N-Br in 18,3° W-Lg, „Nereus“ 6° N-Br in
20,4° W-Lg und „Bertha“ 7° N-Br in 20° W-Lg. Fast gleichzeitig, mit nur
wenigen Stunden Unterschied, wurden hier die drei Schiffe am 3. Juli über
B. B.-Halsen gelegt und wurde südwestwärts gesegelt. Fünf Stunden früher, als
„Pestalozzi“ es in 23° W-Lg that, ging „Nereus“ am 6. Juli in 25,5° W-Lg von
nördlicher in südliche Breite über. „Bertha“ überschritt den Aequator in 25° W-Lg
am 7. Juli. Die Strecke Lizard — Aequator war von „Pestalozzi“ in 27 und von
„Nereus“ in 23 Tagen durchsegelt worden. Für „Bertha“ waren, um von 50° N-Br
ab die Linie zu erreichen, 24 Tage erforderlich gewesen.
In südlicher Breite wehte anfänglich, wie es zu dieser Jahreszeit häufig
der Fall ist, der Südostpassat aus solch raumer Richtung, dafs ein Südkurs ein-
gehalten werden konnte, Mit der Annäherung an die brasilianische Küste
machte sich der Einflufs des Landes aber in der Weise geltend, dafs die Wind-
richtung eine schralere wurde. Die Küste konnte indessen von allen drei Mit-
seglern frei gesegelt werden, und südlich von 10° S-Br wurde der Wind auch
wieder raumer. Am 15. Juli erreichten „Pestalozzi“ und „Nereus“ mit nur
wenig Stunden Unterschied, jenes Schiff in 22° S-Br und 38,87 W-Lg und dieses
in 21,7° S-Br und 38,3° W-Lg die polare Passatgrenze. Die sich östlicher haltende
„Bertha“ wurde länger vom Passat begünstigt. Sie verlor ihn erst, als sie sich
am Nachmittage des 17. Juli in 28,6° S-Br und 29° W-Lg befand. Der Passat
endete bei allen drei Schiffen in normaler Weise, indem sich der frische Wind
unter gewitterhaften Erscheinungen nach NE und bald darauf durch Nord nach
NW veränderte. Am Mittage des 17. Juli beobachtete „Pestalozzi“ in 25,7° S-Br
und 404° W-Lg Westwind, Stärke 7, und Luftdruck von 765,5 mm, „Nereus“ in
25,1° S-Br und 405° W-Lg Westnordwestwind, Stärke 5, bei einem Barometer-
stande von 765mm und „Bertha“ in 28° S-Br und 30,5° W-Lg Ostwind, Stärke 5,
und Luftdruck von 771,0 mm. „Bertha“ befand sich zur Zeit noch unter dem
Einflufs des großen Hochdruckgebietes mittlerer südlicher Breite; während bei
den anderen, nordwestlicher stehenden Mitseglern sich die Anzeichen eines von
Westen her nahenden, rasch vorüberziehenden Tiefdruckgebietes, wie solche hier
an der polaren Passatgrenze häufig vorkommen und die so eigenthümlichen Rund-
läufe des Windes verursachen, geltend machten.
Am 17. Juli kamen „Pestalozzi“ und „Nereus“, die sich nach Ausweis
des Tagebuches in südlicher Breite mehrfach in Sicht voneinander befunden
haben müssen, so nahe, daß Signale gewechselt werden konnten. „Pestalozzi“
zeigte sich dann an Schnelligkeit dem „Nereus“ bedeutend überlegen. Er konnte
während der Zeit von 8a bis 4" p 72 Sm zurücklegen, während „Nereus“ gleich-