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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1898.
Zollamtliche Behandlung. Es wird aufser dem Ladungsmanifest mit
Konsulats-Certifikat und der Proviantliste eine Passagier- und eine Mannschafts-
liste verlangt; Tabak und Cigarren werden unter Siegel gelegt.
Ankerplatz (Seite 101). Die anlaufenden Dampfer halten sich gewöhnlich
nur kurze Zeit auf, um Kohlen und Proviant einzunehmen. Sie ankern zwischen
Loo Rock und der Linie Kohlenhulk — Kabelhaus bei Fort S. Jago, den Stein-
damm vor Entrada da Cidade etwa in NzO, so nahe dem Lande, als ihr Tief-
gang gestattet. Die 5 Faden- (9 m-) Linie läuft in etwa 1 Kblg. Abstand
parallel der Küste; der Grund ist Sand,
Die Rhede ist gegen Winde von West über Nord bis Ost geschützt, da-
gegen ist sie den Winden von WSW über Süd bis OSO ausgesetzt; bei starken
südlichen Winden kommt es häufig vor, dafs Schiffe in See gehen müssen, da
dann eine hohe Dünung in die Bucht hineinsteht.
Kapt. Schweer bemerkt: „Eine eigenthümliche Erscheinung, die ich zu
beobachten des Oefteren Gelegenheit hatte, ist folgende: Wenn es draulsen aus
WSW oder SW mehr oder weniger heftig weht, so pflegt es auf der Rhede von
Funchal meistens ruhig und still zu sein. Im Februar 1896 war dies sogar der
Fall, als draufsen SO 6 wehte, nur lief bei dieser Gelegenheit eine unangenehme
Dünung aus OSO und SO direkt auf die Rhede; übrigens konnte unbehindert
gearbeitet werden.“
Sämmtliche Berichterstatter bezeichnen den Ankerplatz als gut unter den
obwaltenden Umständen, wobei zu berücksichtigen ist, dafßs die Berichte von
Dezember bis Februar sich erstrecken, allerdings meist nordwestlicher leichter
Wind herrschte, einmal 050 5.
Anweisung für Dampfer (Seite 104). Wenn Kap Garajaö in etwa 1,5 Sm
Abstand passirt ist, bringe man das Feuer auf Loo Rock in NW und steuere
dann direkt auf dieses zu. Mit diesem Kurs passirt man die auf der Rhede
verankerte Kohlenhulk in !/s Sm Abstand. Der Steindamm vor Entrada da
Cidade hebt sich durch die auf derselben angebrachten Gaslaternen gut ab, so
dafs er als Peilobjekt benutzt werden kann. Wenn man den Damm NzO peilt,
steuere man direkt auf diesen zu und bringe Loo Rock in W'/N, so hat man
den besten Ankerplatz in etwa 2,5 Kblg. Abstand von dem Steindamm vor
Entrada da Cidade in 20 bis 22m (11 bis 12 Faden) Wasser; Grund Sand.
Da der Ankerplatz auf Funchal-Rhede sehr beschränkt ist, so mufs man
beim Einsteuern nachts, um Kollisionen mit zu Anker liegenden Schiffen zu
vermeiden, sehr vorsichtig sein. Diese werden nämlich, da sie nur 2 bis 3 Kblg.
vom Lande liegen, durch das hohe Land so beschattet, dafs man nichts von
ihnen sieht, außer den Ankerlaternen, welche sich aber stark mit den blendend
wirkenden Gaslaternen der Stadt vermischen, so dafs ein genaues Ausmachen
erst bei grofser Annäherung möglich ist.
Man kann zwar zur Nachtzeit vor Funchal ankern, wird aber schwerlich
nach 10 Uhr abends noch den ärztlichen Besuch erhalten. Es ist daher rathsam,
wenn man voraussichtlich nachts dort eintreffen wird, vom Abgangshafen aus
dies telegraphisch zu melden, da andernfalls die Arbeiter nicht immer sogleich
zur Stelle sind.
Laden und Löschen geschieht in offenen Leichtern mit eigenem Geschirr;
das Risiko und die Kosten trägt der Verschiffer.
. Wasser. Das Trinkwasser ist sehr gut; es wird in Leichtern, von denen
es solche bis 100 t grofse giebt, längseit gebracht und mit den Pumpen der
Wasserfahrzeuge übergepumpt; 1 t kostet 4,40 Mk.
Bunkerkohlen (Seite 103) kommen sofort nach dem ärztlichen Besuch in
Leichtern längseit. Die gesackten Kohlen werden mit den Dampfwinden des
Schiffes übergenommen. In der Stunde werden 40 bis 50 t übergenommen, die
nach dem Kap fahrenden Postdampfer nehmen 400 t in 4 Stunden. Die Be-
schaffenheit der Kohle und auch das Gewicht läfst bei genügender Aufsicht bei
der Uebernahme nichts zu wünschen übrig; 1t kostet 188 6d.
Proviant.. Frisches Fleisch ist wohlfeil, auch Jlebendes Schlachtvieh ist
zu haben; Gemüse ist verhältnilsmäßsig theuer.
Landestelle (Seite 100). Bei ruhiger See landen die Schiffsboote an den
Treppen des Steindammes vor Entrada da Cidade, bei hoher Dünung drehen die
Boote vor derselben auf, und die Insassen steigen in die Landboote über,