Aus den Fragebogen der Deutschen Seewarte, betreffend Häfen,
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beachten, dafs auf der Karte „Western Europe“ von R. H. Laurie die Insel-
gruppe falsch liegt; sie liegt thatsächlich 4‘ bis 5‘ westlicher. Die gleiche
falsche Lage zeigt die Karte „Chart of the Canary Islands with Madeira, Porto
Santo etc.“ from the Surveys of Capt. A. T. E. Vidal von R. H.. Laurie,
London 1892. ;
Die Insel Porto Santo ist bei einigermafsen sichtigem Wetter ‚leicht an
ihren Piks und kleinen felsigen Nebeninseln zu erkennen, da sich auf den
anderen Inseln in der Nähe von Madeira keine derartigen Erhöhungen und
Nebeninseln befinden. (Siehe die Vertonung auf der Brit. Adm.-Karte No..1831
— Tit. VI, 625 —.) |
Der Kurs sollte so gewählt werden, daßs man östlich. von Porto Santo
passirt. Auf der Insel befindet sich kein Feuer. (die Errichtung: eines ‚solchen
wäre sehr wünschenswerth), eine Versetzung durch die vorherrschende. Nord-
west- und Westdünung nach Osten ist beinahe immer vorhanden, und so
können in einer .dunklen regnerischen Nacht die Untiefen im NW von Porto
Santo einem Schiff verhängnifsvoll werden, welches die Insel an ihrer Westseite
zu passiren gedenkt. Bei stürmischem Wetter aus dem Westen mufs jedenfalls
Porto Santo an der Ostseite passirt werden, da auf dem flachen Wasser westlich
der Insel, wo der Falcon Rock mit 8,2 m (4!/2 Faden) Wasser 5,5 Sm von. Land
liegt, eine sehr hohe brechende See läuft.
Im Osten dagegen ist Porto Santo rein; man kann sich dieser Seite auch
in dunkler Nacht ziemlich dicht nähern, ;
Von Porto Santo setzt man den Kurs auf Fora; zwischen Porto Santo
und Madeira trifft man bei nördlichen und nordwestlichen Winden starken süd-
lichen Strom. Die Strömungen werden hier von den Winden stark beeinflulst.
So beobachtete „Porto Alegre“.hier in 12 Stunden 12 Sm Versetzung nach SSW,
nachdem der Wind von SO auf NO, 2 bis 3, gegangen war. Nachdem Fora
gerundet ist, steuert man Kap Garajaö in 1,5 Sm Abstand an, wo man dann
bald die Rhede und die Stadt offen sieht. Das steil ins Meer fallende Kap
Garajaö ist auch nachts gut auszumachen,
Landmarken. Loo Rock ist die beste Ansteuerungsmarke für die Rhede.
Die hochgelegenen‘ Häuser der Stadt sind weithin sichtbar. Eine gute Marke
ist auch der braune Signalthurm Östlich des von der Mitte der Stadt aus-
laufenden Steindammes (Entrada‘ da Cidade). An der Flaggenstange dieses
Thurmes werden auch Schiffsmeldungssignale gemacht. -
Das rothe feste Feuer von L00 Rock ist. nur in der Nähe auszumachen,
die Gaslaternen auf dem Ende des Steindammes vor der Entrada da Cidade sind
zu Peilungen gut zu benutzen.
. Die Kohlenhulk dient als. schwimmendes Seezeichen; mit. dem Kabel-
haus östlich vom Fort S. Jago, das- eine schwarze Tafel mit.der weilsen Auf-
schrift „not allowed to anchor in this line“ trägt, in Eins giebt .sie die Lage
der Telegraphenkabel; in und östlich dieser Linie darf man nicht ankern.
Lootsenwesen. Das Lootsenboot ist ein Ruderboot, welches bei Tage
die Flagge P, nachts eine Laterne mit weilsem Licht mit grünem und rothem
Schieber führt und Blaufeuer zeigt. Der grüne bezw. rothe Schieber wird vor
das Licht gebracht, um dem Schiffe anzuzeigen, dafs es nach St. B. bezw. nach
B. B. halten soll. Es liegt gewöhnlich hinter Loo Rock und kommt heraus,
wenn ansteuernde Schiffe .1 bis 2 Sm von der Rhede entfernt sind...Das Boot
begiebt sich nach der Stelle hin, welche der Lootse als Ankerplatz geeignet
findet, wohin dann der Schiffsführer nach seinem Ermessen- das Schiff führen
kann. Neulinge werden gut thun, sich nach.dem Lootsenboot zu richten, da die
Wassertiefen in geringer Entfernung vom Lande noch recht bedeutend sind.
Segelschiffe sollten sich einkommend immer eines Lootsen bedienen
wegen des .einzunehmenden Ankerplatzes. Ortskundige: werden nach eigenem
Ermessen sich den geeigneten Ankerplatz suchen. Das Lootsenboot wird. von
den Schiffsagenten und Kohlenhändlern Blandy Brothers unterhalten. „Rio“
(2054 £. netto) zahlte 10 Mk., „Asuncion“ (3034 t netto) 20 Mk. Lootsgeld ein-
gehend. Ausgehend ist ein Lootse nicht nöthig. .
Gesundheitspolizei. Ein Gesundheitspals wird ständig verlangt, und der
ärztliche Besuch mufßs abgewartet werden, ehe der Verkehr mit dem Lande er-
öffnet werden darf.