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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

1992 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1898. 
Ostseeküste westlich, doch nur vorübergehend, da eine neue tiefe Depression 
über dem westlichen Mittelmeer ihren Wirkungkreis rasch über das kontinentale 
Kuropa ausdehnte und wieder allgemein östliche Windrichtungen herbeiführte. 
Diese erhielten sich auch am 8. bis 12., während der Druck im Süden zunahm 
und ein am 10. bis 12. über die Mitte Europas West—Ost gestreckter Rücken 
hohen Druckes bestand. 
Als eine am 13, bis 18. im Nordwesten liegende Depression ihren Einflufs 
über den Norden Europas ausdehnte und das Maximum nach Nordost zurück- 
drängte, während hoher Druck von der Biscaya-See über Südwesteuropa vordrang, 
wehten an der westdeutschen Küste südwestliche, im Osten meist südliche und süd- 
östliche Winde. Allgemein traten westliche rechtdrehende Winde ein, als sich am 19. 
bis 22, die Depression über Skandinavien nach Nordosteuropa verlagerte; indem das 
Maximum im Südwesten seinen Kern dabei nordwärts verlagerte und über die 
Mitte des kontinentalen Europas nach der Balkan-Halbinsel einen Ausläufer hohen 
Druckes entwickelte, wurden starke Luftdruckunterschiede hervorgerufen, die 
stürmische Winde zur Folge hatten; diese setzten schon vielfach längs der Küste 
in der Nacht vom 18. zum 19, aus WSW—-West, Stärke 8, ein und wehten am 
19. längs der ganzen Küste, an der östlichen Ostsee vielfach mit der Stärke 9 
and 10 und noch am 20. und 21. aus West—NW an der Ostsee mit der Stärke 8 
und vereinzelt 9. 
Die folgenden Tage brachten schnelle unvermuthete Wandlungen der 
Wetterlage. Eine neue im Nordwesten erschienene Depression schritt rasch nach 
der Nordsee und wurde, mit dem über Nordosteuropa gelegenen Depressions- 
gebiet vereinigt, rasch nach dem kontinentalen Europa gedrängt infolge schneller 
Druckzunahme im Westen, Norden und Osten von Europa, so dafs die Winde 
an der Küste wieder nach NE — Ost drehten. Am 24. bis 27. bedeckte eine 
Depression das kontinentale und Südeuropa, während ein intensives Maximum 
über Nordeuropa zur Entwickelung gelangte mit einem Kern höcHsten Druckes 
über Finnland. Starke und sich nur langsam ausgleichende Luftdruckunterschiede 
riefen theilweise äufserst heftige und lang andauernde Stürme an der Küste 
hervor; diese setzten meist am Nachmittag des 24. ein und wehten an diesem 
Tage vorwiegend aus NE mit der Stärke 8 bis 9, bestanden am 25. in wenig ver- 
änderter Richtung und Stärke, nur an der westlichen Ostsee vielfach bis Stärke 10 
anschwellend, an der Küste fort, hielten am 26. an der Nordsee aus NE — Ost, 
Stärke 8 bis 9, an der Ostsee aus NE — SE, Stärke 8 bis 10, am stärksten an 
der westlichen und der östlichen Ostsee, an und wehten noch am 27. in der 
Ostsee aus wenig veränderten Richtungen, in ihren westlichen Theilen an Stärke 
etwas vermindert. Im Gefolge dieser außergewöhnlich anhaltenden starken Ost- 
stürme traten im Westen der südlichen Ostsee sehr hohe Wasserstände ein. 
Am 27. flauten die stürmischen Winde rasch ab. Das Maximum im Norden 
zog sich an den folgenden Tagen ostwärts zurück, und die Depression über dem 
kontinentalen Europa verlagerte sich nach den britischen Inseln, während ein 
neues Minimum vom westlichen Mittelmeer her über Süddeutschland und die 
Oder-Mündung nordwärts schritt, so dafs bei hohem Luftdruck im Osten die 
Winde aus östlichen Richtungen anhielten und erst am letzten Monatstage an 
der westdeutschen Küste unter dem Einflufs des über der Ostsee nordwärts 
dringenden angegebenen Minimums nach Westen drehten. 
Gedruckt und in Vertrieb bei E, S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW, Koechstraßlse 68—71.
	        
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