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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Ueber Häfen an der Nordküste von Java, 
: 
herumgeschlagen sein. Die Schiffe sollten eigentlich nicht tiefer als bis 5,5 m 
(18 Fuls) beladen werden, um die Gefahr zu vermeiden, auf der Barre festzu- 
gerathen. Wie es heifst, will die Regierung das westliche Fahrwasser (das West- 
yati) einengen und dadurch vertiefen lassen. Dieses wäre ein grofser Vortheil 
für die Segelschiffe, da dasselbe in beiden Monsunen bequem ein- und auszu- 
segeln ist, Die Barre vor der Ostpassage besteht aus weichem Mudd, so dafs 
dem Schiffe ein. Festgerathen auf derselben keinen Schaden thut. Die Schlepp- 
dampfer schleppen die Schiffe manchmal einen Fuls tief durch den Mudd, 
Von Surabaja bis durch die Bali-Strafse. Am 2. Mai nachmittags 
verliefs „Loreley“ die Aufsenrhede von Surabaja, um, beladen mit 1744 Tonnen 
(Netto) nassen Zucker in Säcken die Reise nach Montreal anzutreten, Wir 
hatten bis zur Bali-Straße leichte östliche Winde, unterbrochen von häufigen 
Stillen und Mallungen, so daß wir erst am 8. Mai bis vor den Eingang derselben 
gelangten. Zwischen Duiven- und Harten- (Hartebeest- oder Ziegen-) Eiland 
erhielten wir einen Lootsen und versuchten in die Strafse einzukreuzen. Dieses 
gelang aber nicht, da der Wind gegen Mittag bis zur Windstille abflaute und 
der Strom gleichzeitig aus der Stralse hinaussetzte. Bald nach Mittag wurde 
das Schiff von. einer Neerströmung erfafst, welche es hinter Harten-Eiland zurück- 
setzte und go dicht an den Klippen vorbeiführte, dafs man von seinem Heck auf 
dieselben hätte springen können. : Glücklicherweise sprang noch rechtzeitig ein 
leichter östlicher Zug auf, so dafs wir langsam vom Lande absegeln konnten, 
In der folgenden Nacht wehte ein leichter Landwind, und vor der Strafse war 
nur eine leichte günstige Strömung vorhanden, weshalb kein Fortschritt gemacht 
werden konnte. Das nächste Etmal verlief wie das vergangene. Meinen Vor- 
schlag, bei aufkommender Briese weiter nach der Javaseite hinüber zu segeln, 
um eine Strandung zu vermeiden, wies der Lootse mit der Begründung zurück; 
daß er dieses nicht dürfe, weil das Fahrwasser östlich von Duiven-Eiland sei. 
Wenn wir den Lootsen nicht an Bord gehabt hätten, so wären wir gleich nach der 
Lombok-Strafse gesegelt, doch jetzt konnten wir den Mann nicht wieder los werden, 
denn das Fahrzeug, welches ihn an Bord gebracht hatte, war nach Banjuwangi 
zurückgekehrt. Der dritte Tag verlief ebenso erfolglos; dabei gerieth das Schiff 
westlich von Hartebeest-Eiland in unmittelbare Nähe der Küste von Bali. 
Uebrigens ist diese Küste von der genannten Insel bis zum Kap Passier voll- 
ständig rein; dazu setzte die Strömung nach der Bali-Strafße, Der Lootse be- 
fürchtete zwar, dal sich vor der Strafse ein Gegensirom einstellen würde, der 
das Schiff nach Duiven-Eiland zurück und bei etwaiger Windstille dort an den 
Strand setzen könnte. Als wir mit Sonnenuntergang am 10. Mai bis dicht vor 
die Strafse gekommen waren, kam etwas Briese durch, welche es ermöglichte, 
das Schiff zu steuern. Entgegen der. Vermuthung des Looten setzte der Strom 
in die Straße hinein, und zwar mit einer Geschwindigkeit von zwei Knoten. 
Als derselbe um 8 Uhr abends kenterte, waren wir soweit gekommen, um ankern 
zu können. Der Strom setzte die ganze Nacht und bis 9 Uhr Vormittags mit 
einer Fahrt von zwei bis drei Knoten nach N, dann kenterte derselbe, und gleich 
darauf kam nördliche Briese durch. Wir lichteten daher den Anker, gingen unter 
Segel und passirten um 11 Uhr vormittags am 11. Mai Banjuwangi. Gleich nach 
Mittag flaute der Wind-fast bis zur Stille ab. Um 4 Uhr nachmittags peilte der 
Berg Ikan mw. SSW!/AW 3 Sm entfernt. Von hier aus benöthigten wir noch 
weitere zwei Tage, um bei Windstillen und Mallungen, die miteinander ab- 
wechselten, und wenig Strömung nach der einen oder der anderen Richtung 
durch die Straße zu kommen. Die ganze Reise von der Aufsenrhede von Surabaja 
bis klar von der Bali-Strafse betrug mithin 11 Tage. 
Die Schwierigkeit für ein Segelschiff, gegen den Westmonsun 
in der Java-See vorwärts zu kommen, beweist folgender Vorfall: Während 
unserer Anwesenheit auf der Rhede von Samarang wurde dort eines Tages durch 
einen englischen Frachtdampfer ein englisches Vollschiff eingeschleppt. Dasselbe 
hatte um die Mitte Januar Surabaja verlassen, mit der Bestimmung, seine für 
Australien bestimmte Zuckerladung in Samarang zu vervollständigen, Von einem 
Schleppdampfer war das Schiff durch das ‚Westgatt nach See geschleppt, von 
dort versuchte man weiter zu kreuzen. Nach 16tägiger mühevoller Arbeit war 
das Schiff östlich bis zum nördlichen Eingange der Sapudi-Strafse zurückgetrieben, 
Hier wurde es von dem erwähnten Frachtdampfer ins Schlepptau genommen nd 
Ann. d. Hydr. etc. 1898, Heft I.
	        
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