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Annalen der Hydrographie und Marititen Meteorologie, Mai 1898,
Augenblick zur Aufnahme unbenutzt vorüber gehen läfst und das denkbar un-
günstigste Resultat erzielt, ein Fehler, den auch die chemischen Belichtungsmesser
an sich haben.
Nachdenkende Leser des vorigen Artikels könnten sich für die einzelnen
Sonnenhöhen, Abblendungen und Witterungsverhältnisse Tabellen herstellen, aber
da bei Berücksichtigung aller Fälle aus einer kleinen Tabelle, welche man leicht
übersehen kann, ein dickes Buch werden würde, halte ich es für gerathener, sich
selbst nach meinen Angaben einen Belichtungsmesser anzufertigen.!) Die dazu
nöthigen Tabellen und Skalen sind in einer besonderen Tafel im Anhange ge-
geben und zwar in der Gröfse, in welcher sie zur Verwendung kommen sollen,
Die Anleitung zur Anfertigung der einzelnen Schieber ist in verkleinertem Mafs-
stabe gegeben, und müssen die Schieber der Gröfse der Gesichtsfläche des
Rechenschiebers entsprechend angefertigt werden.
Als Material zu den Schiebern kann Satinirpappe oder dünnes Blech Ver-
wendung finden. Die Gesichtsfläche und die Halter des Rechenschiebers sollten,
um widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit zu werden, mit einer Schellacklösung
überzogen sein. Den Rechenschieber zu verbessern, soweit er verbesserungsfähig
ist, stelle ich in Jedermanns Belieben. Es würde zu weit führen, wenn ich hier
angeben wollte, auf welcher Voraussetzung das Instrument begründet ist. Das
herauszußnden, überlasse ich dem Nachdenken des Amateurs, nur so viel diene
zur Erklärung, dafs, um die Belichtungstabelle aufstellen zu können, einige Auf-
nahmeobjekte, welche im vorigen Artikel aufgeführt sind, wegbleiben mufsten;
man’ hat für diese Gegenstände das Mittel aus den ihnen zunächst liegenden zwei
Belichtungszeiten zu nehmen. Für Gruppen-Portraits im Zimmer „und Atelier,
helle und dunkle Interieurs, habe ich die Mittel aus den längsten und kürzesten
Belichtungszeiten gebildet.
Die auf der Gesichtsfläche des Schiebers stehende Gebrauchsanweisung ent-
bindet mich von allen weiteren Erklärungen.
Ausführung. Auf starker Pappe oder dünnem Holz, oben und unten
mit Führungsleisten versehen (Form Fig. 1), läuft ein Schieber (Fig. 2), welcher
genau zwischen die Leisten hineinpafst. Das untere Anhängsel wird übergeklappt
und dient als Träger der Beleuchtungsskala. Genau in der Mitte dieses Schiebers
ist ein Ausschnitt a angebracht, durch welchen die Zugbänder des Höhenschiebers
hindurchgeführt werden. Unter dem Ganzen liegt die Gesichtsfläche des Rechen-
schiebers. Die Zugbänder des Höhenschiebers kehren durch die Schlitze b, ©
und d auf die Oberfläche des Beleuchtungsschiebers zurück. Der Höhenschieber
ist mit zwei Schlitzen zu versehen, durch welche die Belichtungstabelle hindurch
geht. Beit ist die Höhenskala zu befestigen. Ueber dem Ganzen liegt die Ge-
sichtsfläche des Rechenschiebers. Fig. 4 zeigt die Anordnung sämmtlicher Schieber
übereinander. Für die Anfertigung des Schiebers (Fig. 3) ist noch zu bemerken,
dafs Zugband g bei g,, h bei h,, am Schieber befestigt sein mufs. Am unteren
Theile des Schiebergesichts ist auf der Rückseite ein Streifen festes Pergament-
papier so anzukleben, dafs es den Beleuchtungsschieber schützt und die Bewegung
des Höhenschiebers nicht hindert. In der Gebrauchsanweisung bezeichnet A den
Höhenschieber, C den Beleuchtungsschieber, B den Belichtungsschieber.
Die Angaben des Instrumentes genügen vollständig für den Gebrauch des
Amateurs und eine geringe Unter- oder Ueberbelichtung kann ja leicht bei der
Entwickelung ausgeglichen werden.
Ich wünsche den Benutzern des nach obigen Angaben hergestellten In-
strumentes besten Kıfolg und hoffe, dafs recht viel Gebrauch davon zum Nutz
und Frommen der Seefahrt gemacht wird.
Hamburg, den 9. März 1898.
Paul Matthieu.
1) Herr Chr. Harbers in Leipzig bringt neuerdings einen von mir konstruirten Belichtungs-
messer in den Handel, welcher gestattet, auf jeder beliebigen Breite für einen gegebenen Augenblick
lie Sonnenhöhe abzulesen, sich also für solche seefahrenden Liebhaberphotographen eignet, welche
nicht die nöthige Uebung im Schätzen der Somnenhöühe haben oder dieselbe weder berechnen noch
messen können. Der Preis ist ein mäfsiger (etwa 3 bis 4 Mark) im Vergleich mit den übrigen im
Handel betindlichen Belichtungsmessern.