Matthieu: Die Sonnenhöhe bef photographischen Aufnahmen,
platte nur die Hälfte der Belichtungszeit nöthig. Die Portraitplatte (22° W)
braucht die doppelte Zeit. Vier- bis sechsfach ist bei Anwendung von im Handel
befindlichen farbenempfindlichen Platten (17 bis 18° W), zwölffach bei Anwendung
von Landschaftsplatten (16° W), 63fach bei Benutzung von nassen Collodium-
platten zu belichten. (Näheres siehe E. Vogels „Taschenbuch für Amateure“,
Pitziphellis „Handbuch“ und die ausführlicheren Werke von Professor
Dr. J. M. Eder und Prof. H. W. Vogel.)
-Es liegt mir ferne, behaupten zu wollen, dafs bei Befolgung aller oben
erwähnten Vorschriften alle Aufnahmen auch wirklich gelingen müfsten. Die
aufgestellten Belichtungszahlen sollen nur einen Anhalt geben, Uebung und
praktische Erfahrung mufs das Uebrige thun.
Mehr noch als eine schlecht getroffene Belichtungszeit, welche, wenn
nicht allzu grofse und grobe Fehler gemacht worden sind, sich durch gröfsere
Vorsicht bei der Entwickelung ausgleichen läfst, stört und entmuthigt den
Amateur das Weglaufen der Plattenschicht nach der Entwickelung. Mit welchen
Gefühlen man eine sonst gut gelungene Platte betrachtet, welche man vielleicht
nie wieder Gelegenheit hat aufzunehmen, wenn die Aufnahme sich plötzlich
auflöst, verwischt und wegschwimmt, kann nur der ermessen, der es erlebt bat.
Ich habe die bittersten Erfahrungen mit Platten von sonst bewährten belgischen
and deutschen Firmen gemacht, die Gelatine war zu weich, ein Fehler, welcher
schon in den verschiedensten Fachblättern gerügt worden ist. Mit Lumiere- und
Elliotplatten habe ich bei Weitem bessere Resultate erzielt, Bei Weitem besser
bewähren sich die neuerdings von Oswald Moh in Görlitz in den Handel ge-
brachten Rapid-Negativpapiere. Von gröfster Empfindlichkeit (25° W), nicht
zerbrechlich, leicht zu verschicken, nur */2 bis %/s so theuer wie die Rapidplatte,
leicht zu retouchiren und von beiden Seiten zu drucken, liefert das Papier
vorzügliche Abdrücke und ist gegen höhere Temperatur weniger empfindlich als
die Platte.
Dasselbe gilt von den Eastman Bromsilberpapieren, doch sind dieselben
fast ebenso theuer wie die Platten und sechs- bis zwöllmal weniger empfindlich
als die Mohschen Papiere und kommen daher nur für Abzüge in Betracht.
Man achte beim Entwickeln von Platten in den Tropen darauf, dafs alle
Geräthe und Lösungen kühl sind, und wende stets alkalifreie Entwickler, Amidol
und saure Entwickler an. Der Entwickler sollte stets Formalinlösung zum
Härten der Gelatine enthalten. Das Fixirbad soll ein saures sein, und mufßs
auf ein gutes Ausfixiren geachtet werden. Eine gut fıxirte Platte braucht nur
ganz kurze Zeit zum Waschen. Man trockne möglichst schnell dadurch, dafs
man die Platte (bezw. Papiernegativ) etwa 10 Minuten in Spiritus legt,
Letzteren kühlt man ab, indem man ein wenig Spiritus in der anzuwendenden
Schale verdunsten läßt.
Was die Apparate zur Küstenaufnahme anbetrifft, so möchte ich vor-
schlagen, in die Kassetten für 13><18 cm Platteneinlagen 6'/2 ><18 herstellen zu
lassen und Stereoskopplatten für diese Größe zu verwenden, Ganze Platten
halte ich für überflüssig, da das Bild einer aufzunehmenden Küstenpartie selten
1% bis 2 cm übersteigen wird. Für Negativpapiere ließen sich Einlagen von
Satinirpappe leicht selbst anfertigen.
Schliefslich möchte ich an die seefahrenden Amateure noch die Auf
forderung richten, alle Aufnahmen wichtiger Küstenpunkte, Hafeneinfahrten,
Leuchtfeuer etc. mit Angabe von Peilung und Abstand recht zahlreich an die
Seewarte einzusenden und dadurch recht reichliches Material für die Herstellung
neuer Seekarten, Küstenprofile oder Specialfeuerbücher nach Muster der nord-
amerikanischen Küstenfeuerbücher an die Hand zu bekommen.
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1L. Der Rechenschieber,
Nachdem in I die einzelnen Faktoren aufgezählt worden sind, welche man
zur Bestimmung einer annähernd richtigen Belichtungszeit für photographische
Aufnahmen nöthig hat, sind im Folgenden dem Seemanne die nöthigen Anleitungen
gegeben, sich einen Rechenschieber herzustellen und unnützes Kopfrechnen ganz
zu vermeiden, Wollte man vor jeder Aufnahme erst lange Berechnungen anstellen,
so könnte es leicht vorkommen, dafs man über dem Rechnen den günstigsten