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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

Matthieu: Die Sonnenhöhe bef photographischen Aufnahmen, 
platte nur die Hälfte der Belichtungszeit nöthig. Die Portraitplatte (22° W) 
braucht die doppelte Zeit. Vier- bis sechsfach ist bei Anwendung von im Handel 
befindlichen farbenempfindlichen Platten (17 bis 18° W), zwölffach bei Anwendung 
von Landschaftsplatten (16° W), 63fach bei Benutzung von nassen Collodium- 
platten zu belichten. (Näheres siehe E. Vogels „Taschenbuch für Amateure“, 
Pitziphellis „Handbuch“ und die ausführlicheren Werke von Professor 
Dr. J. M. Eder und Prof. H. W. Vogel.) 
-Es liegt mir ferne, behaupten zu wollen, dafs bei Befolgung aller oben 
erwähnten Vorschriften alle Aufnahmen auch wirklich gelingen müfsten. Die 
aufgestellten Belichtungszahlen sollen nur einen Anhalt geben, Uebung und 
praktische Erfahrung mufs das Uebrige thun. 
Mehr noch als eine schlecht getroffene Belichtungszeit, welche, wenn 
nicht allzu grofse und grobe Fehler gemacht worden sind, sich durch gröfsere 
Vorsicht bei der Entwickelung ausgleichen läfst, stört und entmuthigt den 
Amateur das Weglaufen der Plattenschicht nach der Entwickelung. Mit welchen 
Gefühlen man eine sonst gut gelungene Platte betrachtet, welche man vielleicht 
nie wieder Gelegenheit hat aufzunehmen, wenn die Aufnahme sich plötzlich 
auflöst, verwischt und wegschwimmt, kann nur der ermessen, der es erlebt bat. 
Ich habe die bittersten Erfahrungen mit Platten von sonst bewährten belgischen 
and deutschen Firmen gemacht, die Gelatine war zu weich, ein Fehler, welcher 
schon in den verschiedensten Fachblättern gerügt worden ist. Mit Lumiere- und 
Elliotplatten habe ich bei Weitem bessere Resultate erzielt, Bei Weitem besser 
bewähren sich die neuerdings von Oswald Moh in Görlitz in den Handel ge- 
brachten Rapid-Negativpapiere. Von gröfster Empfindlichkeit (25° W), nicht 
zerbrechlich, leicht zu verschicken, nur */2 bis %/s so theuer wie die Rapidplatte, 
leicht zu retouchiren und von beiden Seiten zu drucken, liefert das Papier 
vorzügliche Abdrücke und ist gegen höhere Temperatur weniger empfindlich als 
die Platte. 
Dasselbe gilt von den Eastman Bromsilberpapieren, doch sind dieselben 
fast ebenso theuer wie die Platten und sechs- bis zwöllmal weniger empfindlich 
als die Mohschen Papiere und kommen daher nur für Abzüge in Betracht. 
Man achte beim Entwickeln von Platten in den Tropen darauf, dafs alle 
Geräthe und Lösungen kühl sind, und wende stets alkalifreie Entwickler, Amidol 
und saure Entwickler an. Der Entwickler sollte stets Formalinlösung zum 
Härten der Gelatine enthalten. Das Fixirbad soll ein saures sein, und mufßs 
auf ein gutes Ausfixiren geachtet werden. Eine gut fıxirte Platte braucht nur 
ganz kurze Zeit zum Waschen. Man trockne möglichst schnell dadurch, dafs 
man die Platte (bezw. Papiernegativ) etwa 10 Minuten in Spiritus legt, 
Letzteren kühlt man ab, indem man ein wenig Spiritus in der anzuwendenden 
Schale verdunsten läßt. 
Was die Apparate zur Küstenaufnahme anbetrifft, so möchte ich vor- 
schlagen, in die Kassetten für 13><18 cm Platteneinlagen 6'/2 ><18 herstellen zu 
lassen und Stereoskopplatten für diese Größe zu verwenden, Ganze Platten 
halte ich für überflüssig, da das Bild einer aufzunehmenden Küstenpartie selten 
1% bis 2 cm übersteigen wird. Für Negativpapiere ließen sich Einlagen von 
Satinirpappe leicht selbst anfertigen. 
Schliefslich möchte ich an die seefahrenden Amateure noch die Auf 
forderung richten, alle Aufnahmen wichtiger Küstenpunkte, Hafeneinfahrten, 
Leuchtfeuer etc. mit Angabe von Peilung und Abstand recht zahlreich an die 
Seewarte einzusenden und dadurch recht reichliches Material für die Herstellung 
neuer Seekarten, Küstenprofile oder Specialfeuerbücher nach Muster der nord- 
amerikanischen Küstenfeuerbücher an die Hand zu bekommen. 
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1L. Der Rechenschieber, 
Nachdem in I die einzelnen Faktoren aufgezählt worden sind, welche man 
zur Bestimmung einer annähernd richtigen Belichtungszeit für photographische 
Aufnahmen nöthig hat, sind im Folgenden dem Seemanne die nöthigen Anleitungen 
gegeben, sich einen Rechenschieber herzustellen und unnützes Kopfrechnen ganz 
zu vermeiden, Wollte man vor jeder Aufnahme erst lange Berechnungen anstellen, 
so könnte es leicht vorkommen, dafs man über dem Rechnen den günstigsten
	        
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