Köppen: Einige Proben der täglichen Luftdruckschwankung anf See, 159
Dagegen wurde auf der Rückreise in der Nähe von 20° N-Br die Kurve IV
(27. bis 30. Oktober 1897) erhalten, in der das Vormittagsmaximum zugespitzt,
das Abendmaximum abgeflacht ist, und die Druckabnahme um Mittag mehr als
doppelt so grofs ist wie jene in der Nacht. ;
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Dieser letztere Typus ist es nun, der in den auf S. M. S. „Deutschland“
erhaltenen Barogrammen so stark entwickelt ist, dafs von 9* Abends bis 4" früh
das Barometer fast stationär bleibt und die tägliche Schwankung wesentlich in
einem Wellenberg zwischen 5" und 12" Vormittags und einem Wellenthal zwischen
Or und 8" Nachmittags besteht.
Am ausgeprägtesten war dieser Typus auf Sokotra in der Zeit vom
Morgen des 27. Januar bis zum Abend des 29. (Kurve V). Die Druckabnahme
in den Stunden von 9" bis 2 oder 3* betrug am Tage durchschnittlich 2,5, in
der Nacht nur 0,3 mm. Etwas geringer, etwa 3,1 gegen 0,9 mm, war die
Ungleichheit in den unmittelbar angrenzenden Tagen, Allein auch auf dem
ganzen Rest der Reise, soweit die Barogramme der Seewarte vorliegen, war
dieser Typus IV oder V beständig herrschend, seit nach dem Passiren von
Finisterre am Weihnachtsabend die tägliche Barometerschwankung begonnen
hatte, sich deutlich zu zeigen. Durch das ganze Mittelmeer und Rothe Meer
hindurch hat sich diese mittägliche Druckwelle gezeigt, nördlich vom Wendekreis,
der am 10. Januar passirt wurde, nur schwach, um Neujahr herum sogar fast
verwischt durch andere Barometerbewegungen, aber südlich vom Wendekreise
sehr kräftig, wie die nachfolgende Probe vom 14. bis 17. Januar auf der Strecke
Bab el Mandeb bis Aden zeigen möge (Kurve VI).
Durch die Untersuchungen mehrerer Forscher, vor Allem in neuerer Zeit
durch diejenigen von Hann, ist nachgewiesen, dafs die tägliche Luftdruck-
schwankung aus zwei deutlich zu trennenden Wellensystemen besteht, deren eines
balbtägige Dauer besitzt und fast nur von der geographischen Breite abhängig
ist, während das zweite, ganztägige, je nach Seehöhe und Natur der Unterlage
sich sehr verschieden verhält. Auf offenem Meere ist diese ganztägige Welle
nur unbedeutend, daher die reine Doppelwelle in Kurve I, oder sie hat sogar einen
(wenn auch geringen) umgekehrten Gang als im Tieflande, wie Kurve 11 zeigt,
Zu anderen Zeiten ist aber selbst auf dem offenen Ozean die ganztägige
Schwankung ebenso gerichtet wie auf dem Lande, nur schwächer (Kurven II, IV
und VI), und in der Nähe von Land, wo die Reise S. M. S. „Deutschland“ bis
Sokotra verlief, ist sie sogar stark genug, während der Nacht die entgegen-
gesetzte halbtägige Welle aufzuheben und den eigenthümlichen hinkenden Gang
der Barographenkurve hervorzurufen, den Kurve V vorführt.
Jenseits von 30° Breite Nord und Süd wird die halbtägige Schwankung
verdeckt von anderen gröfseren Bewegungen des Barometers, so dafs sie nur an
ruhigen, beiteren Tagen ohne Rechnung zu erkennen ist. Die polwärts abnehmende
Doppelwelle wird hier von den rasch zunehmenden unperiodischen Druck-
änderungen überdeckt, zu denen noch die bei schönem und bei schlechtem Wetter
sehr verschieden verlaufende ganztägige Schwankung kommt. Dafs bei Sturm
der Zeiger des Barographen rasch auf- und abschwingt, so dafs statt der Kurve