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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

uf 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1898, 
in Sicht. Wir behielten unseren Kurs bei, bis der Leuchtmast SSW peilte, 
nahmen hier einen Lootsen und steuerten der Einfahrt zu. Um 12%4 Uhr liefen 
wir in die Flufsmündung ein, segelten flufsaufwärts und ankerten auf 3,6 m 
(12 Full) Wassertiefe unter der Stadt. 
Die Einsegelung in die Flufsmündung ist, obwohl die letztere sehr eng 
ist, völlig ungefährlich bei Tage, da man die Klippen und Bänke leicht und 
deutlich an der Farbe des Wassers erkennen kann. Die Lootsen passen gut auf, 
kennen das Fahrwasser genau, wissen auch vortrefflich mit einem größeren 
Segelschiff zu manövriren. Mit dem meist günstigen Winde (Passat) geht 
Jas Einsegeln leicht und schnell von statten; aber von der Stadt zurück nach 
See zu kommen ist verhältnismäßig schwierig, besonders mit einem beladenen 
Schiffe. Unser Aufenthalt in Nuevitas dauerte nur zwei Tage, da wir hier blofs 
einzuklariren und in Ballast weiter nach Manati, etwa 22 Sm südostwärts gelegen, 
zu segeln hatten, um dort zu laden. Mit einem Tiefgange von 3,2 m (10 Fufs 
6 Zoll) konnten wir, von Nuevitas aus kreuzend, stellenweise ziemlich lange 
Schläge machen, da die das eigentliche Fahrwasser begrenzenden Bänke eben 
sind und ganz allmählich ansteigen. Ein 45 bis 49m (15 bis 16 Fufs) tief- 
gehendes Schiff wird indefs den gröfsten Theil des Weges mit der Ebbe hinunter- 
treiben müssen. Im Flusse wird sich auf diese Weise auch ein recht guter 
Fortschritt machen lassen, weil die Gezeiten (Fluth und Ebbe) hier eine Ge- 
schwindigkeit von 3 bis 3'/a Knoten erreichen; in der Lagune aber ist der Strom 
nur sehr schwach, und in der Nähe der Stadt hört er ganz auf. 
Wenn ein Schiff auf der Bank dicht unter der Stadt bis zu einem Tief- 
gange von 3,7 m (12 Fuß) beladen ist, muß es um Guanjay Point herum ver- 
holen, woselbst in einer Entfernung von 2 Sm von der Stadt die Wassertiefe 
5,4 m (3 Faden) beträgt. Die Zollbehörde ist nicht sehr strenge. Der Leichter- 
lohn für das Anlandbringen des Ballastes beträgt !/2 Doll. für jede Tonne. Eine 
Postverbindung ist alle fünf bis sieben Tage sowohl nach Osten wie nach Westen 
vorhanden, und aufserdem sind Nuevitas und Havanna telegraphisch miteinander 
verbunden, 
Im Besitz einer amerikanischen Specialkarte kann man ganz gut ohne 
einen Lootsen nach der Stadt Nuevitas hinaufsegeln, im Falle man draufsen 
keinen Lootsen bekommen konnte. Ein solcher Fall kann aber sehr leicht ein- 
ireten, da für die einkommenden Schiffe nur zwei Lootsen auf der Spitze Barlo- 
vento stationirt sind. Die Karten sind durchaus richtig; es kommt vor Allem 
nur darauf an, bei den Flufsbiegungen genau die Richtung, wohin der Strom 
setzt, zu beachten. Im Flusse und meistens auch in der Lagune kann man, wie 
schon gesagt, die Untiefen an der veränderten Wasserfarbe erkennen. 
Da am Flusse Manati keine Landmarken vorhanden sind, so muß man 
einen Küstenlootsen von Nuevitas mitnehmen. Wir gingen nachmittags von 
Nuevitas in See und liefen am anderen Morgen wieder in Manati binnen, Das Fahr- 
wasser — der Kanal, der von der See nach Manati führt — ist sehr eng, so 
dafs man selbst mit einem nur 3,1 m (10 Fufs) tiefgehenden Schiffe nicht in dem- 
selben kreuzen kann, sondern bei einem ungünstigen Winde die Gezeitenströme 
zum Treiben benutzen muß. Der Ort Manati liegt an dem „Esterro“ (dem 
Flusse Naranjo), der sich von Südost bei Punta de la Trinidad in die Lagune 
ergiefst, etwa 2 Sm oberhalb seiner Mündung. Ersterer besteht (1893) aus zwei 
Häusern und zehn Hütten mit etwa 30 Einwohnern. Aufserdem ist hier eine 
Militärstation vorhanden, welche mit einem Kommando von 1 Lieutenant, 
i Sergeanten und 40 Mann besetzt ist. KErfrischungen sind fast gar nicht zu 
haben, frisches Fleisch etwa alle zehn Tage, Grünwaaren gar nicht und Kartoffeln 
nur zu dem ungeheuren Preise von 22 Pfg. das Pfund. KEin Huhn kostet 2 Mk., 
ein kleines Schwein 4 bis 6 Mk. und ein Fafs Trinkwasser von der gewöhnlichen 
Gröfse 8 Mk. Eine Ortsbehörde giebt es nicht, doch ist ein Hafenmeister an- 
gestellt. Der Ballast kann hier an einem angewiesenen Platz über Bord geworfen 
werden, man mufs aber Vorsicht gebrauchen, dafs das Schiff beim Verlegen 
dorthin nicht auf einen der vielen vorhandenen Ballasthaufen festgeräth. Das 
Wasser steigt und fällt hier 2!/ bis 3 Fufßs (0,8 bis 0,9 m); es ist Hochwasser 
bei Nen- und Vollmond um 8 Uhr 45 Minuten. 
Das Laden geht ganz gut in Manati, nur mufßs das Holz (Mahagoni und 
Ceder) ziemlich weit den Flufs herunter geflöfst werden, da das Schiff nur mit
	        
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