L56 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1898,
dem Lande zunächst einen seitlichen Druck nach dem Meere zu am Boden ausüben
soll, theile ich vollkommen, und zwar aus den von Hann aufgeführten Gründen,
Hann schliefst sich meiner Ansicht an, die die Ursache des späteren Auftretens
des Seewindes auf dem Lande in der gröfseren Rauhigkeit des Letzteren sucht.
Wie dabei die oft so scharfe Begrenzung des Seewinds an seiner Vorderkante
zu Stande kommt, in der sich offenbar eine Diskontinuitätsfläche mit dem Meeres-
spiegel schneidet, ist allerdings noch nicht näher untersucht.
Auf S. 184—187 finden wir als neue Einfügung das kalte Küstenwasser
bei ablandiger Oberflächenbewegung des Wassers berücksichtigt, nach Dinklage,
Hoffmann, Krümmel, Murray u. s. w. Dem KEinflufs der Meeresströmungen
auf das Klima ist überhaupt der gebührende Platz zugewiesen. Es erscheint
Manchem seltsam, dals die Meeresströmungen gleichzeitig für ein direktes Produkt
der Luftbewegungen erklärt werden und ihnen ein mächtiger Einflufs — durch
Vermittelung ihres Wärmetransports — auf das Klima und auch auf die Luft-
bewegungen selbst zugeschrieben wird. Allein solches Ineinandergreifen von
„Ursache“ und „Wirkung“ finden wir in der Natur auf Schritt und Tritt, nur
nicht überall gleich auffällig.
Der ganze grofse Abschnitt über den Kinflufßs von Wasser und Land auf
das Klima ist an vielen Stellen neu bearbeitet. So finden wir die mittlere Tem-
peratur der Breitenkreise für eine Wasser- und eine Landhalbkugel nach den
neueren Arbeiten von Spitaler, Batchelder, Zenker, Tillo u, A. neu dis-
kutirt. Die lokalen Unterschiede der Temperatur über Wasser und Land sind
bei rubigem Wetter weit gröfser, als man früher geglaubt hat. Sie sind sehr
anschaulich auf S. 167—168 durch zwei Kärtchen von Dänemark vorgeführt;
auf der ersten, vom Dezember 1892, ist im Innern von Jütland die Mittel-
temperatur — 2° C, auf Horns Riff + 3,6° C; auf der zweiten, vom Mai 1802,
ist sie umgekehrt dort 10° C, hier nur 8°C; auf dieser Karte ist übrigens die
verzeichnete Isotherme 9'/2° C fortzulassen.
Durch die vorherrschenden Winde wird in unseren Breiten das Seeklima
weit landeinwärts in die westlichen Theile der Festländer und ebenso das Land-
klima auf die Westränder der Ozeane übertragen; daher der grofßse Gegensatz
zwischen dem Osten und dem Westen, im Atlantischen sowohl als im Stillen
Ozean.
Wir wünschen dem vortrefflichen Buche eine recht grofse Verbreitung
und bedauern lebhaft deren Erschwerung durch den hohen Preis, den der Ver-
leger für nöthig befunden hat. W. Köppen.
Antreffen von seltenen Landvögeln auf dem Meere.
Durch aus ablandiger Richtung wehende Stürme werden bekanntlich Jährlich
unzählige Landvögel auf das Meer hinaus verschlagen, um dort fast ausnahmslos
zu Grunde zu gehen. Wenn sich einzelne davon auf Schiffen niederlassen, so
sind sie in der Regel schon derart abgemattet, dafs sie sich nicht wieder erholen
können und bald sterben. Zuweilen gelingt es indessen der Schiffsmannschaft,
doch einen dieser verschlagenen und auf dem Schiffe eingefangenen Vögel am
Leben zu erhalten, und sind dadurch den Thiergärten schon nicht selten ganz
werthvolle Vögel zugeführt worden. In den meteorologischen Tagebüchern
deutscher Schiffe finden sich ganz häufig Bemerkungen über versehlagene Land-
vögel. Auch befinden sich darunter solche, deren Antreffen auf See im höchsten
Grade überraschend erscheint. So wurden vom Kapt. A. Behnert, Führer
der Hamburger Bark „Thalia“, am 1. Juni 1895 — also im südlichen Winter —
in Sicht von Staaten KEiland, in etwa 55° S-Br. und 64° W-Lg. vier grüne
Papageien an Bord beobachtet, von denen einer gefangen wurde. Es wehte zur
Zeit ganz schwacher Westwind, die Luftwärme war gleich 6° C. In einem
anderen Falle wurde sogar ein Kolibri auf See angetroffen. Dies berichtet
Kapt. Fr. Oltmanns yon der Braker Bark „Adonis“. Als sich dieses Schiff