Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1898.
Wassertemperatur im Tunghai (Ostchinesisches Meer).
S. M. S. „Kaiserin Augusta“, Kapt. z. S. Koellner, beobachtete am 28. De-
zember 1897 8" a. m. etwa 10 Sm von Tung-yung eine plötzliche Erhöhung der
Wassertemperatur von 10,4° auf 17,6° C. Die Temperatur fiel dann wieder
langsam und war um 8" p. m. 20 Sm östlich von Pe-shan auf den früheren Stand
zurückgekommen.
Wassertiefen im Gelben Meer,
Dasselbe Schiff fand im Gegensatz zur Br. Adm.-Karte No. 1262 — Tit. XI, 23
— die Wassertiefen, welche in Tafel 2 die aufrechtstehenden Zahlen angeben, an-
yegeben (vgl. „Nachr. f. Seef.“ 1898, No. 687).
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Segelanweisung für die Küste von Angriffshafen bis zum
Neumayer-Flufs,
S. M.S. „Möwe“, Korv.-Kapt. MERTEN,
Die östliche Grenze des Angriffsbhafens bildet das Kap Concordia, ein
abgerundeter Vorsprung von eiwa birnenförmiger Gestalt. Ein kleiner isolirter
und dachförmiger Hügelrücken auf demselben markirt das Kap namentlich nach
Ost hin auf weite Entfernung.
Die Breite des Vorsprunges beträgt an der schmalsten Stelle, der Südost-
scke des Angriffshafens nur 150 m, da die Küste hier gänzlich zurücktritt, um die
Däumlingsbucht zu bilden. Letztere wurde so benannt nach den Däumlingen,
zwei kleinen bewaldeten Felsen, welche die Bucht im Osten abschliefsen.
Von der Däumlings-Bucht läuft die Küste dann fast geradlinig erst in
Richtung 0’/2S, dann 0S0’40 bis zum Neumayer-Flufs, Der Strand besteht aus
einem etwa 10 bis 20 m breiten Sandstreifen, welchem meist ein schmales Korallenriff
vorgelagert ist. Nach Land zu steht überall dichter Busch unmittelbar an den
Sand anschliefsend, nur kurz vor dem Neumayer-Flufs tritt der Busch mehr
zurück, um Platz zu lassen für eine sumpfige Lagune.
Die den Angriffshafen auf der Südseite umschlielsenden Berge setzen sich
nach Ost zu in gleicher Höhe fort. Sie treten jedoch immer mehr von der
Küste zurück und lassen hier eine gewaltige Ebene frei, welche durch einen
anderen, in der Prittwitz-Spitze auslaufenden Bergzug die Gestalt eines großen
Dreiecks erhält. Der westliche Theil dieses Dreiecks wird von dem Neumayer-
Flufs durchflossen, einem an der Mündung etwa 120 m breiten Strom, der jedoch
durch eine Barre verschlossen ist.
Ankerplätze. Ein sehr guter, gegen Nord und NW geschützter Anker-
platz ist die inunerste südwestliche Kcke der Däumlings- Bucht bis Kap
Uoncordia-Bucht.
Die Wassertiefe beträgt hier in etwa 200m Abstand von Land überall
noch 10 m, und man kann ruhig bis auf die erstere Entfernung an Land heran-
gehen und dann mit dem Bug nach See zu eine Heckleine an Land festmachen.
Bei der grofsen Nähe des Angriffshafens kommt dieser Ankerplatz jedoch wenig
in Betracht.
5. M. S. „Möwe“ hat ferner an folgenden Stellen geankert:
I. Etwa 2 Sm östlich der Däumlinge vor der Mündung eines kleinen Flusses.
Die Wassertiefe beträgt in etwa 300 m Abstand von dem Riff zwischen 10 und
20 m. Der Grund ist Schlick. Vor der Flufsmündung liegt ein bei Niedrigwasser
sichtbares flaches Korallenriff. Zwischen diesem und dem Strand ist eine 20 bis
30 m breite, freie Fahrrinne, in welche man mit Ruderbooten bequem einlaufen
and Schutz finden kann. Der Eingang zu dieser Rinne ist etwa S00 m östlich der
Flufsmündung.
2. Vor der Mündung des Neumayer-Flusses. Der Ankerplatz liegt nicht
unmittelbar vor der Mündung, sondern etwa 900m WNW von derselben. Die
Wassertiefe, die nach der Flufsseite und nach See zu rasch zunimmt, betrug
24 m. Der Grund war Schlick. Kin Landen ist nur an der Westseite des
Flusses hart an demselben bei ganz ruhigem Wetter möglich. Irgend welchen
Schutz gegen Winde bietet weder dieser noch der vorherige Ankerplatz.