114 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1898.
tember. Das Fehlen jeder vorauslaufenden hohen Dünung erklärt sich aus der
schwachen Entwickelung des Taifuns und der geringen Windstärke im Westen.
Der Taifun vom 29. und 30. September ist anscheinend langsamer gewandert als
der vom. 9., denn das Barometer fiel erst bedeutend langsamer und stieg nach
dem Passiren des Wirbels ungewöhnlich langsam, auch wehte der westliche Wind
noch 12 Stunden lang hinter dem Centrum her.“
„Auch dieser Taifun hatte einen erheblichen Verbreitungsbezirk. Aus dem
ganzen südöstlichen Japan laufen Nachrichten von Windschäden und grofsen
Ueberschwemmungen ein, die der Taifun verursacht hat.“
„Nach den vom Observatorium Zikawei bei Shanghai soeben eingelaufenen
Wetterberichten hat sich der besprochene Taifun bereits am 24. September östlich
von Manila gebildet, ist dann westnordwestlich nach der Ostküste von Luzon
gelaufen, nach Nord umgebogen und an der Ostküste von Formosa vorbeigegangen.“
„Es ergiebt sich nach allen Nachrichten, dafs der Taifun ein Wirbel
pacifischen Ursprunges und von aufserordentlich grofsem Verbreitungsbezirk war.“
Zusatz der Redaktion. In Fig. 3 ist die Bahn der Depression vom
28. 9. G'a bis zum 30. 9. 6" a nach den japanischen Wetterkarten eingezeichnet.
Danach war die Geschwindigkeit der Fortpflanzung 18, 17, 22, 26, 35 und 26 Sm
mit 741 mm als tiefstem beobachteten Luftdruck. In den Wetterkarten (halbe
Beaufort - Skala) ist nur eine einzige Beobachtung mit Windstärke 10 angeführt,
und zwar aus dem Binnenlande bei der Owari-Bai, alle anderen blieben unter 10,
ebenso .wie an Bord der „Falkenburg“ auch nur eine Stunde lang Windstärke 9
beobachtet wurde. Die einzige Beobachtung mit Windstärke 11 wurde am 30.
2ha an Bord S. M. S. „Kaiser“, d. h. ganz im Osten, gemacht.
Wir haben hier also eine Depression vor uns, in der, soweit die Beob-
achtungen reichen, im Westen die höchste Windstärke nur 9 betrug. Was sie
auf den ersten Blick auch noch sonst von richtigen Taifunen mit Windstärke 11
und mehr unterscheidet, ist die Lage des geringsten Luftdruckes bei der Mitte,
7/41 mm, über Land. Es kommt bei eigentlichen Taifunen — und so viel
Beobachtungen wie hier — nicht vor; bei diesen liegt er immer in See. Ferner
unterscheidet sich diese Depression von Taifunen durch die Vertiefung über
Land: am 29. 2*p 744, 10" p 741. Das kommt bei Taifunen ebenfalls nicht vor,
Endlich ist eine Geschwindigkeit von 18 Sm unterhalb 25° N-Br östlich von
Formosa bei Taifanen ganz ungewöhnlich.
Man könnte noch vermuthen, dafs auf der Strecke Ishigaki — Kiushu die
dort nach Naha (751) und Oshima (750) eingetragenen Barometerstände viel zu
hoch seien. Etwas zu hoch sind sie natürlich, aber es ist unwahrscheinlich, dafs sie
hier unter 744 mm, wie in Kiushu beobachtet, gewesen sein sollten. Einen ziemlich
sicheren Anhalt gewähren für diese Annahme die Beobachtungen von Ishigaki
in 25° N-Br, 124° O-Lg, die hier nach den Wetterkarten folgen. Die Mitte der
Depression muß ziemlich dicht bei Ishigaki vorbei oder darüber hin gegangen
sein, da die Winde am 27. SO und NW waren.
Beobachtungen in Ishigaki vom 25. bis 30. September 1897
nach den japanischen Wetterkarten.
Gba
2hp
10hn
2.4. September
759,7 NA
25. September 26. September ' 27. September
28 September | 29. September
7590 NE 4'757,5 NE 4 750,7 SE 417491 N 2|752,1 NW 6
— — 8 _ 8 — "749,3 NW 6 — an
759,1 NE 6 752.8 NE BS 749,7 NW 2 7512 NW 4 7555 N 4
Vom 27.9. 10"p bis zum 28. 2"p, d.h. in 16 Stunden, in denen das Minimum
mit 749,1 mm eintrat, betrug die Schwankung in Ishigaki nur 0,6 mm. Nimmt
man für die Fortbewegung auch nur 15 Sm an, statt 18, wie oben gefunden
worden, so erhalten wir hier einen Schnitt durch die Depression von 240 Sm
oder vier Breitengraden, worin die Barometerunterschiede nicht 1 mm betrugen.
Offenbar war die Mitte der Depression hier nicht trichter-, sondern beckenförmig,
ebenso wie in Kiushu und weiter östlich in Südjapan. Es war also überhaupt
kein ausgebildeter Taifun, denn es fehlen gänzlich die steilen Gradienten bei
dem Centrum, mit einer Ausnahme auch Windstärken über 9 und 10.