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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1898,
„Der Wind frischte rechtsdrehend sehr schnell auf, hatte um 4 Uhr schon
Stärke 7 bis 10 erreicht und erlangte seine höchste Stärke (11) in einer schweren
Böe aus SW um 5" 45”a. Dieser Zeitpunkt bezeichnet auch den tiefsten Stand
des Barometers. Letzteres war in der Stunde von 5 bis 6 Uhr nur 6,7 mm ge-
fallen und blieb auf seinem niedrigsten Stande bis 6" 10“ stehen. Von da ab
stieg es mit aufserordentlicher Schnelligkeit in der ersten Stunde um 8,5 mm,
von da ab langsamer und erreichte im Laufe des Nachmittags seine normale
Höhe wieder, Sofort, nachdem das Barometer zu steigen begonnen hatte, flaute
der Wind, stetig werdend, beinahe plötzlich auf Stärke 8 ab, bereits um 8 Uhr
wehte nur noch Südwestwind in Stärke 5. Ebenso schnell besserte sich das
Aussehen des Himmels; schon um 7 Uhr konnte man den 45 Sm entfernten Fuji
in wolkenloser Klarheit sehen. Auch der Regen hatte gegen 6 Uhr bereits
aufgehört.“
„Im Hafen von Yokohama hat der Taifun vielen Schaden angerichtet, die
meisten Schiffe waren in dem sehr engen Hafen ins Treiben gerathen und hatten
sich zum Theil gegenseitig beschädigt. Nur mit Mühe entging S. M. S. „Kaiser“
einer Kollision mit einem grefsen englischen Handelsdampfer, welcher direkt auf
den Bug zugetrieben kam.“
„Weit bedeutender noch war der Schaden in Tokio, welches dem Centrum
erheblich näber lag als Yokohama. Es sollen dort viele Dschunken gekentert
und, Menschen ums Leben gekommen sein. Vor der Einfahrt zur Bucht von
Tokio, bei T’ateyama, lief die norwegische Bark „Alette“ auf und ging gänzlich
verloren, wobei die Hälfte der Besatzung ums Leben kam. Den gröfsten Schaden
hat der Taifun in den südöstlichen Provinzen von Nippon angerichtet, besonders
durch anhaltende Regengüsse und daraus folgende Ueberschwemmungen.“
„Aus den Wetterkarten geht hervor, dafs der Taifun sich erst bei der An-
näherung an Japan überhaupt gebildet hat, mithin nicht weit hergekommen ist;
dafs ferner das Centrum sich bei dem Fortschreiten nach NNO auffallend schnell
vertiefte, die Gradienten sich aufserordentlich schnell nach Nord zu verkürzten,
und dafs das Centrum durchschnittlich 32 Sm in der Stunde fortgeschritten ist,
am Morgen des 9. etwa 36 Sm. Er gehört mithin zu den schnellen japanischen
Taifunen und hat ungefähr die durchschnittliche Bahn der September - Taifune
eingehalten.“
„Auf eine große Bahngeschwindigkeit läßt auch das schnelle Auftreten
und besonders das ganz überraschend schnelle Erlöschen des Taifuns, sowie der
rapide Fall und das noch schnellere Steigen des Barometers zwischen 5" und
7" a schließen.“
„Der Windstärke nach gehört er zweifellos mit zu den stärksten Taifunen.
In Tokio, welches nur wenig südlich vom Centrum lag, wurde für die Stunde
5 bis 6a eine Windgeschwindigkeit von 47,5 m in der Sekunde (92 Sm in der
Stunde) im Durchschnitt und bis zu 59 m in der Sekunde (115 Sm in der Stunde)
in einzelnen Stöflsen gemessen. Sein Wirkungskreis war anfangs im Süden von
Kiushu ziemlich beschränkt, verbreiterte sich aber nach Norden zu immer mehr.
Zwischen Inuboye und Kinkasan trat das Centrum wieder in den Stillen Ozean
über; südlich von Inuboye traf der Japanische Dampfer »Yamaguchi Maru« noch
Windstärke 12, und in Yezo, auf der linken Bahnhälfte, etwa 200 Sm vom
Centrum entfernt, wehte es noch mit Stärke 6 bis 7. Es ergiebt sich daraus
ein Verbreitungsbezirk von mindestens 400 Sm.“
2. Taifun vom 27, bis 30. September 1897
nach dem Bericht des Kapts, M. von Freeden, Dampfer „Falkenburg“,!) den japanischen Wetter-
karten, dem Bericht des Kommandos S. M, S. „Prinzefs Wilhelm“, Kapt. z. S. Adolf Thiele und
des Kommandos der Kreuzerdivision, Divisionschef Kontre-Admiral von Diederichs.
Vor der Abfahrt des Dampfers „Falkenburg“ von Hongkong uach Kobe,
am 20. September, war eine Depression östlich von Luzon telegraphisch gemeldet
worden, über ihre fortschreitende Richtung nichts bekannt. Am 22, 6ha wurde
Hongkong verlassen.
1) Der Direktion der deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft „Hansa“ in Bremen verdankt
die Seewarte den Bericht des Kapts. M. von Freeden, Dampfer „Falkenburg“.