Naranjo (Costa Rica),
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mufste „Dione“ einen Lotsen nehmen. Dies war ein mit der Oertlichkeit
bekannter Vorarbeiter der Holzarbeiter. Letztere machten den Hin- und Rück-
weg in Kanus.
Naranjo liegt etwa 65 Sm östlich von Punta Arenas und ist dadurch
kenntlich, dafs die Küste im Westen davon bedeutend höher ist wie im Osten,
Ansegelung. Bei Ansegelung des Landes von SW her bemerkt man
eine Reihe kleiner Inseln und Felsen (die Quepos-Gruppe. D.R.), die da zu
beginnen scheinen, wo die. hohe Küste im Westen von Naranjo aufhört. Es
macht den Eindruck, als ob sich diese Inseln und Felsen parallel mit der Küste
hinzögen, jedoch bemerkt man, wenn man den südöstlichsten der Felsen passirt
hat, dafs dies nicht der Fall ist, sondern dafs die Reihe ungefähr in einem
Winkel von 90° zur Küstenlinie in das Meer hinausläuft. Nachdem der südlichste
der Felsen passirt ist, wobei man sich vorzusehen hat, da noch blinde Klippen
von demselben in gleicher Richtung mit der Inselreihe 1 bis 2 Kblg.!) aus-
laufen, segelt man in nördlicher Richtung an der Inselreihe in einem Abstand
von 1 Sm entlang, bis man bei der innersten und gröfsten?) der Inseln, !/a Sm
von derselben und etwa 1 Sm von Land, in 11 bis 13 m (6 bis 7 Faden) Wasser-
tiefe ankern kann.
Der Ankerplatz lag in der Verbindungslinie der südöstlichsten Insel der
Quepos-Gruppe und eines auffallend hohen Baumes von starkem Umfange nahe
dem Strande südlich der Flufs-Mündung. Man konnte vom Ankerplatz aus
zwischen der vorerwähnten bewaldeten Insel und Naranjo-Spitze hindurch die
weiter nördlich liegenden Inseln der Quepos-Gruppe sehen.
Es ist nach unserer Erfahrung sehr gut, wenn man bei längerem Aufenthalt
hinten einen Wurfanker ausbringt und das Schiff vertäut und zwar mit dem Bug
nach Süd. Es wäre zu rathen, den grofsen Stromanker zu nehmen, den man
bequem mit einem der Holzflöfße ausbringen kann, da wir den Fall hatten, dafs
bei dem schlechten Ankergrund der kleine Wurfanker mitschleppte und somit
gezwungen waren, das Schiff von Neuem zu mooren. Man hat durch das Ver-
täuen einen doppelten Vortheil: einmal liegt das Schiff ruhig auf der stets süd-
lichen See, und dann braucht man nicht alle zwei Tage den Anker zu klaren,
welcher hier sehr leicht unklar wird. An Tagen mit hoher Dünung würde das
Laden von Cedernbalken, ohne gemoort zu haben, fast unmöglich sein, weil der
Strom 0—W und W—O setzt und die Dünung südlich läuft, wodurch ein nicht ver-
täutes Schiff dwars in der Dünung liegen und infolgedessen sehr rollen würde.
Quepos-Inseln. Die oben angegebene Inselreihe scheint überall durch
Riffe verbunden zu sein, da es überall in dem dazwischen liegenden Wasser stark
brandet; auch zwischen der innersten Insel und dem Festlande läuft beständig
Brandung.
Wasserplatz. Genau da, wo die hohe Küste im Westen aufhört und die
flache beginnt, ist die Einfahrt in den Naranjo-Flufs, welche Niemand zum
ersten Male ohne einen eingeborenen Führer passiren sollte, da dieselbe wegen
der Klippen und zuweilen starken Brandung gefährlich ist. Der Flufs ist ver-
hältnifsmäfsig tief und weit herauf schiffbar für Boote und hatte während unseres
Aufenthaltes ausgezeichnetes Trinkwasser, welches fast direkt innerhalb der
Brandung geniefsbar war.
Für Jagdfreunde ist die Umgegend von Naranjo sehr ergiebig, es giebt
dort viele Wildschweine, auch Affen und Papageien, und in den Urwäldern ist
meist angenehme, kühle Luft.
Proviant und Ausrüstung ist nicht zu beschaffen, da nur Leute dorthin
kommen, wenn ein Schiff dahingeht, sonst aber Niemand dort wohnt.
Wetter. ‘ Während unserer Anwesenheit in Naranjo war tagsüber ge-
wöhnlich schönes Wetter mit mäßiger Seebriese, während es abends meistens regnete
und gewitterte. Nachts. dagegen wehte flaue Landbriese mit schönem Wetter.
Der Wind überstieg nie Stärke 5 und schwankte meistens zwischen Stärke 1 und 3.
Gezeitenströmung. Die Ebb- und Fluthströmung läuft, wie schon
gesagt, W—O0 und O—W, ist aber nie sehr stark.
i) „Sailing Directions for the West Coast of America“ räth, über 1/2 Sm südlich von den
Inseln abzubleiben. D. R.
2%) Diese ist nach der Segelanweisung bewaldet. D. R.