100 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1898.
Taxen für Schlepper, die Kosten werden bei Segelschiffen nach Registertonnen
berechnet, gewöhnlich aber kontraktlich abgemacht. Im Hafen kostet das Wenden
des Schiffes durch Schlepper 10 Dollars, das Verholen nach und vom Elevator
25 Dollars. „Dresden“ bezahlte für zwei Schlepper vom Baltimore & Ohio
Railroad Company Pier zum Elevator und zurück 40 Dollars.
Wassertiefen. Neuerdings ist der Kanal zwischen Sandy Point und
Baltimore-Hafen bei mittlerem Wasserstand für Schiffe mit 8,4 m (27' 6“) Tiefgang
passirbar.
Wasser. Einzelne Ladebrücken sind mit Wasserleitung versehen, außer-
dem giebt es Wasserboote — Segel-, Schleppfahrzeuge und Dampfer —, welche
mit Dampfpumpen versehen sind. Das Wasser kostet 55 cents die Tonne. Kapt.
Kuhlmann räth, von Mitte April bis Mitte Oktober das Trinkwasser nur gekocht
zu geniefsen, bei sehr heißen Tagen etwas Thee zuzusetzen, da es Durchfall
erzeugend ist.
Landmarken. Das Land ist niedrig, die Thürme hoch, die Peilungs-
objekte gut und die Kurse einfach; es wäre, führen Kapt. Gathemann und
O0. Grofs aus, wünschenswerth, wenn an Stelle der Glockenboje auf dem "Tail
of Horseshoe (S. 166 a. a. O.), die man in den meisten Fällen gar nicht hört,
ein Feuerschiff mit gut hörbarem Nebelsignal läge.
Bunkerkohlen kommen sofort nach Bestellung in Leichtern längsseits
und werden mit schwimmenden Dampfwinden in Tupps übergeheifst. „Oldenburg“
nahm mit Arbeitern von Land stündlich 40 t (360 t in 9 Stunden) zum Preise
von 8,4 Mk. ohne Arbeitslohn, „Dresden“ 100 t in 3 Stunden.
Frischproviant ist gut und billig.
Lade- und Löscheinrichtungen. „Oldenburg“ erhielt an einem Elevator
der Baltimore & Ohio Railroad Company in 6 Stunden 1950t Korn.
Gesundheitspolizei. Es wird ständig ein Gesundheitspalßs verlangt,
und der ärztliche Besuch mufs abgewartet werden, bevor man mit dem Lande in
Verkehr treten kann. Der Arzt kommt bei Fort Caroll an Bord, jedes Schiff,
das Passagiere bringt, zahlt für die Untersuchung 1 cent für netto Tonne.
Zollamtliche Behandlung. Es werden zwei Ladungsmanifeste mit
Konsulatsbeglaubigung und genauer Proviantliste und Gepäckliste verlangt.
Das deutsche Konsulat liegt No. 5 South Gay Street im Hause der
Agentur des Norddeutschen Lloyd, nahe beim Zollhaus.
Seemannskrankenhaus United States Marine-Hospital, Remington Avenue.
Der Zeitball ist von dem Liegeplatz, Pier No. 9 am Locust Point, nicht
sichtbar. Auch auf der Rhede häufig durch den Rauch der Fabrikschornsteine
verdeckt,
Nautische Instrumente untersucht und vergleicht das Branch Office des
Hydrographie Office im Zollhaus.
Die Strömung vor der Chesapeake Bay läuft gewöhnlich nach Süden
an der Küste entlang. „München“ fand, außerhalb Kap Henry zu Anker liegend,
bei NNO2 1,5 Sm Geschwindigkeit in der Stunde. „Dresden“ fand zwischen
37,7° N-Br und 72,9° W-Lg und Kap Henry bei NW7, 14 Sm Südversetzung,
Bei südlichen Winden schwächt der Strom jedoch ab, bei nördlichen bis östlichen
Winden wird er verstärkt und setzt von Kap Henry ab in die Bay hinein.
Segelanweisung. Kapt. Kuhlmann bemerkt: „Bei meinen vielen Reisen
nach Baltimore bin ich der Ansicht geworden, das Loth niemals aufser Acht zu
lassen. Von Osten kommend, habe ich stets rechtzeitig gelothet und versucht,
Grund zu bekommen und dann nach Verhältnissen 2, 1 bezw. halbstündlich
gelothet, wenn es auch klares Wetter war.“
Sonstige Bemerkungen. Kapt. H. Gathemann bemerkt über das
Lootsenwesen: Innerhalb der Bay ist auch bei nordöstlichen und östlichen
Stürmen ziemlich ruhige See, und es wäre wünschenswerth, wenn unter genannten
Umständen ein Lootsendampfer dort feste Station hätte. KEin- und ausgehenden
Schiffen würden dann wenigstens Reiseverzögerungen erspart bleiben.