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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 26 (1898)

J6 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1898. 
Nachdem am 1, und 2. Januar an der Küste leichte südöstliche Winde 
bei niedrigem Luftdruck über Westeuropa und einem Maximum über Russland 
bestanden hatten, breitete sich dieses am 3. ostwärts über dem kontinentalen 
Europa aus, so dafs die Winde nach SW drehten und diese Richtung zunächst 
am 4. bis 6. beibehielten, da im hohen Nordwesten Depressionen nordostwärts 
vorüberschritten, die die Küste durch flache, ostwärts ziehende Ausläufer beein- 
flußsten. Am 7. entwickelte sich aus einem Ausläufer ein Theilminimum über der 
südlichen Ostsee, das nach Russland fortschritt und infolge starken Steigens des 
Luftdruckes auf seiner Rückseite am 8, an der östlichen Ostsee von stürmischen 
Winden aus Nord bis NE, meist Stärke 8, begleitet war. 
Nur kurze Dauer hatte ein zur Ausbildung gelangter breiter, Nord—Süd 
gestreckter Rücken hohen Luftdruckes, der am 9. südöstliche Winde bedingte, 
da er rasch von der Mitte Europas ostwärts fortschritt. Es bildete sich nun 
eine vom 10. bis 21. anhaltende, Südwest- bis Westwinde herbeiführende Wetter- 
lage heraus, gekennzeichnet durch ein über dem kontinentalen Europa gelegenes 
und meist bis Mittelskandinavien reichendes Hochdruckgebiet mit einem theils 
im Osten, theils im Westen gelegenen Kern höchsten Druckes, und ihren Einflufs 
im hohen Norden äufsernde Depressionen mit mehrfachen ostwärts fortschreiten- 
den, aber die Küste wenig beeinflussenden Ausläufern auf ihrer Südseite, Krst 
ein tieferes, über Lappland ostwärts ziehendes Minimum hatte an der Küste 
Stürme im Gefolge, aus SW bis West, Stärke 8, am 19. ostwärts bis zur Oder 
und am 20. an der östlichen Ostsee. Eine weitere, von der nördlichen Nordsee 
nach Russland fortschreitende Ausbuchtung der Depression rief in der Nacht 
vom 21. zum 22, und am 22, an der östlichen Ostsee wieder Stürme aus West 
bis NW, Stärke 8 bis 10, hervor, während eine kleine, von der Nordsee südost- 
wärts ziehende Ausbuchtung am 22. an der Nordsee stürmische Winde aus SW 
bis NW, Stärke 8, im Gefolge hatte. 
Am 22, und 23, lag hoher Druck über Südwest-, niedriger Luftdruck über 
Nordosteuropa, Nordwestwind bedingend; eine Ausbuchtung, auf der Rückseite 
der Depression von Mittelskandinavien südostwärts schreitend, verursachte am 
23. an der Ostsee Sturm aus SW — Nord, Stärke 8 bis 10, sowie am 24. aus 
Nord—NE an der östlichen Ostsee infolge starken Steigens des Luftdruckes über 
dem Ostseegebiet. 
Ein am 24. über Europa SW-—NE gestrecktes Hochdruckgebiet hatte nur 
kurze Dauer, da bereits am 25, eine neue Depression im Nordwesten herannahte. 
Die an diesen Tagen veränderlichen Winde drehten wieder nach Südwest, 
als ein tiefes Minimum am 26. bis 28. ostwärts über Lappland zog, das bei 
steigendem Druck auf seiner Südwestseite stürmische, rechtsdrehende westliche 
Winde aus SW —NW am 26. und 27,, Stärke 8 bis 9 (auch 10), und am 28, aus 
NW-— Nord, Stärke 8, an der ostpreufsischen Küste hervorrief. 
Nachdem am 328. und 29. ein Hochdruckgebiet mit einem Kern höchsten 
Druckes über Frankreich vorübergehend fast ganz Europa bedeckt hatte, breitete 
sich abermals eine neue Depression, von Nordwesten kommend, über Nordeuropa 
aus, und es erhielt sich der niedrige Luftdruck gegenüber hohem Luftdruck über 
Süd- und späterhin Südwesteuropa bis Ende des Monats. Bei den vorhandenen 
starken Luftdruckunterschieden riefen über Skandinavien fortschreitende Ausläufer 
schwere Stürme, die schwersten des Monats, an der Küste hervor, und zwar 
eine erste Ausbuchtung am 29. Stürme aus SW—NW, Stärke 8 bis 9, an der 
östlichen Ostsee, eine zweite in der folgenden Nacht an der Nordsee und zum 
Theil auch westlichen und mittleren Ostsee und am 30. an der ganzen Küste 
aus SW—NW, pommersche und preufsische Küste, Stärke 9 bis 11, im Uebrigen 
meist Stärke 8, eine dritte Ausbuchtung am 31. an der Nordsee, westlichen und 
mittleren Ostsee Stürme aus West—NW. die fast überall die Stärke 9 bis 10 
erreichten. 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW, Kochstralse 68—71
	        
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