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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Brauer: Die Seychellen auf Grund eigener Anschauung, 
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yebauf, dann, als die Pflanzung des letzteren infolge der Konkurrenz durch den 
Rübenzucker sich nicht mehr lohnte, traten an seine Stelle Kakao, Vanille, 
Gewürznelken und neuerdings auch Kaffee, Auf dem guten Boden könnten noch 
viele andere tropische Pflanzen gedeihen, und die Ernten würden weit gröfser 
sein, wenn nur nicht der Kern der Pflanzer, die Kreolen, zum gröfsten Theil 
ungesund wäre. Den guten Eigenschaften, besonders seinem gastfreundlichen 
und liebenswürdigen Wesen, stehen zu viele schlechte gegenüber. Von einigen 
Ausnahmen abgesehen, ist der Kreole prahl- und klatschsüchtig, dem Trunk er- 
geben, ohne Energie, unzuverlässig, leichtsinnig, moralisch verkommen und 
besonders faul. Alle Pflanzen, die etwas Arbeit erfordern, passen nicht für den 
Kreolen. Daher kommt es, dafs Kokosöl und Vanille die Hauptausfuhrartikel 
sind und auch bleiben werden. Die anderen Pflanzen werden zwar auch gepflanzt, 
doch gehen dieselben infolge der geringen Pflege bald wieder zu Grunde. Wenn 
man gut unterhaltene grofse Pflanzungen trifft, so kann ınan sicher sein, dafs 
sie Europäern oder Mauritianern gehören, selten Kreolen der Seychellen. Oft 
genug sieht man selbst Kokospflanzungen, welche nicht allein nicht gereinigt, 
sondern auf welchem auch junge Bäume nicht nachgepflanzt worden, oder diese 
derart von Lianen und anderem Unkraut überwuchert sind, dafs man. die jungen 
Palmen nicht erkennen kann. Infolge dieser Milswirtheschaft sind denn auch die 
meisten Kreolen in Schulden und in die Hände von Wucherern gerathen, derart, 
daß ein sehr großer Theil der Besitzungen heute nicht mehr den Kreolen 
gehört. Viele einst wohlhabende Familien sind durch ihre eigene Schuld völlig 
verarmt. Das Leben der meisten Familien ist dementsprechend kümmerlich; die 
meisten ernähren sich, wie die Neger, von Fisch, Reis und Früchten. In den 
besseren Familien kommen aufserdem noch das Huhn, das Schwein und die See- 
schildkröte und bei festlichen Gelegenheiten, so bei Hochzeiten, die ILand- 
schildkröte in Betracht. Rindvieh und Schafe erliegen zwar nicht dem Klima, 
aber es herrscht. Mangel an gutem Futter, und außerdem sind den Thieren 
schädliche Pflanzen auf den Inseln vorhanden. 
Die Häuser sind mit ganz wenigen Ausnahmen, die aus Korallenkalk 
gebaut sind, von Holz mit Bedachung von Kokosblättern oder Blättern. der 
Raphiapalmen, die der Neger meist nur aus Bambus und Kokosblättern gefertigt. 
Die Neger sind, wenn man von ihrer grofsen Neigung zum Stehlen absieht, im, 
Allgemeinen gute Arbeiter. 
Da der Ueberschufs der Erträge, welcher für Strafsenbauten, Errichtung 
von Schulen etc. auf den Inseln verwandt werden mufs, nur gering ist, so 
schreiten diese Arbeiten sehr langsam fort; alle guten Absichten der Regierung, 
die Bevölkerung sittlich und die Inseln wirthschaftlich zu: heben, scheitern an 
dem Charakter der Kreolen. 
Obwohl die Inseln bereits fast 100 Jahre im englischen Besitz sind, ist 
die Gesinnung der Bevölkerung ganz französisch geblieben, und auch die Umgangs- 
sprache ist die französische oder bei den meisten das Kreol, ein verderbtes oder 
vereinfachtes Französisch. Auch.die Neger haben ihre eigene Sprache aufgegeben 
und sprechen nur Kreol. Da in den katholischen Schulen, welche die Mehrzahl 
bilden, nur französisch unterrichtet wird, so ist eine Aenderung in dieser Hinsicht 
nicht zu erwarten. .Der englischen Regierung sind dadurch die Hände gebunden, 
dafs sie bei der Uebernahme der Inseln die Erhaltung nicht nur der Religion 
und des französischen Rechtes, sondern auch der Sprache garantirt hat. 
In diesem Jahre ist den Inseln ein grofser Nachtheil dadurch widerfahren, 
dafs die „Messageries Maritimes“, die frühere direkte Fahrt zwischen Aden und 
Mahe und ebenso diejenigen zwischen Reunion und Mauritius und den Seychellen 
eingestellt haben; jetzt vermittelt nur eine Dampferlinie, die British India, welche 
von Bombay über Mahe nach Sansibar jeden Monat einen Dampfer und zurück 
fahren läfst, den Verkehr der Seychellen mit Europa. Dadurch ist nicht nur der 
Absatz der Produkte erschwert und theurer geworden, sondern vielen Bewohnern 
eine sichere Einnahmequelle verschlossen, indem sie früher durch Einladen der 
Kohlen und durch den Verkauf von Früchten und Kuriositäten viel verdienten. 
Neuerdings werden die Seychellen wegen des guten Klimas von den 
Bewohnern von Mauritius, welche ihren Ruf als gesunde Insel seit etwa 30 Jahren 
völlig verloren hat und jetzt in jenen Gebieten als die fieberreichste Insel gilt, 
und weiter von denen von Sansibar aufgesucht. Auch unsere Kriegsschiffe,
	        
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