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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1897,
auf Praslin nur in zwei kleinen Thälern im nordöstlichen Theil der Insel und
auf Curieuse fast nur auf der Nordseite. In jenen kleinen Thälern, die von
kleinen Bächen durchflossen werden, findet sie sich gemischt mit anderen Palmen
und anderen Bäumen, und gerade dieser Umstand, dafs sie nicht, wie z.B. die
gewöhnliche Kokospalme, geschlossene Bestände bildet, läfst ihre Schönheit und
Kraft hervortreten. Wenn man diese Thäler betritt, dann mul man im Zweifel
sein, ob man der jungen Palme, welche noch keinen Stamm gebildet hat, sondern
direkt aus dem Boden ihre acht bis zehn 5 bis 6 m langen Blätter in die Höhe
sendet, den Vorzug geben soll, oder dem alten Baum, der auf geradem, oft bis
40 m hohem Stamm die gewaltige Krone über alle anderen Bäume ausbreitet.
Und nicht minder wie ihr Habitus, sind andere Eigenschaften beachtenswerth.
Ein Jahr dauert es, bis der Keim aus dem Boden dringt, 35 Jahre, bis die erste
Blüte sich bildet, und 7 Jahre hat jede Frucht zu ihrer Reife nöthig. Man
findet übrigens manchmal nicht nur eine Doppelfrucht, sondern zwei und selbst
drei und vier in einer und derselben Hülle. Infolge dieser Eigenschaften, und
da weiter die Palme getrennt geschlechtlich ist und dadurch der Pflanzung weitere
Schwierigkeit bereitet, tritt der Werth als nutzbarer Baum ganz zurück. Heute
werden die Früchte nur als Kuriositäten — das Stück je nach der Gröfse zu
4 bis 10 Mark — verkauft, die Fasern werden zu Strohhüten, die auf Praslin
auch von den Frauen getragen werden, zu Körbchen, Tassen und dergleichen
verarbeitet. Dieser Wunderbaum, den Gordon als den Baum des Paradieses
bezeichnet hat, wäre sicher schon längst von den Inseln und damit von der
Erde verschwunden, wenn nicht besonders auf die energischen Vorstellungen des
früheren Direktors des botanischen Gartens auf Mauritius, Horne, hin die
englische Regierung das eine Thal auf Praslin und ebenso Curieuse ganz in ihren
Besitz gebracht hätte und die anderen Bäume durch sehr strenge Gesetze
schützte.
Im Gegensatz zu der üppigen Vegetation ist die Fauna arm zu nennen,
indessen ist sie wegen der grofsen Zahl eigenthümlicher Formen sehr interessant.
Die wenigen Säugethiere, Hirsche, Flughunde, eine Igelart, sind von Mauritius
eingeführt; Ratten und Mäuse sind außer auf der Insel Aux Fregates in großer
Zahl vorhanden, und besonders die ersteren sind eine große Plage, indem sie
fast jede Kakaoernte vernichten und auch dem Kaffee grofsen Schaden zufügen.
Von den Vögeln sind nicht weniger als 13 Arten den Inseln eigenthümlich; von
den Reptlien sind außer Eidechsen, Geckonen, Chamaeleonten und nicht giftigen
Schlangen besonders die grofsen Landschildkröten (Testudo elephantina), die auf
Aldabra ihre eigentliche Heimath haben, zu erwähnen; man trifft noch Riesen-
exemplare an, welche eine Schildlänge von 1*2 m haben. Unter den Amphibien
sind beachtenswerth Rana mascareniensis, Megalixalus sechellensis, Arthroleptis
sechellensis, und besonders die Cöcilien (Hypogeophis rostratus und alternans).
Eigenthümlich ist die Armuth an auffallenden und auf Bäumen lebenden Insekten
und anderen Wirbellosen; die meisten — und die Zahl der Arten ist verhältnifs-
mäfig grofs — leben am Boden unter Blättern,
Wenn auch die Fauna nicht reich ist, so lehrt sie doch ohne Weiteres,
dafs sie der Rest einer alten Fauna eines einst größeren Landgebietes vorstellt.
Ob die Armuth nur der Zerstörung der Wälder durch den Menschen und durch
Brände zuzuschreiben ist oder ob sie auch in der Geschichte der Inseln begründet
ist, mufs noch die Bearbeitung des Materials lehren.
Es wurde vorher schon erwähnt, dafs die Inseln bei ihrer Entdeckung
unbewohnt, und dafs Kreolen von Mauritius und Reunion vor etwa 150 Jahren
die ersten Ansiedler gewesen sind. In der Mitte dieses Jahrhunderts hat die
englische Regierung Neger von der Mozambique-Küste als Arbeiter kommen
lassen. Neben den Kreolen, Negern und Mischlingen finden sich dann noch
einige Europäer, Engländer, Franzosen, Schweizer und Portugiesen und weiter
Chinesen und Inder als Krämer. Die Zahl der Einwohner beträgt etwa 17000
bis 18 000.
In der ersten Zeit scheinen die Kreolen nur die Schätze der Inseln,
besonders die Wälder, ausgebeutet und weiter auch Seeräuberei getrieben zu
haben, wozu die Inseln wegen ihrer schweren Zugänglichkeit vorzüglich geeignet
waren. Seit der Besitznahme durch die Engländer wird hauptsächlich Plantagen-
Wirthschaft getrieben. Zuerst wurden Kokospalme und Zuckerrohr am meisten