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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Brauer: Die Seychellen. auf Grund eigener Anschauung, 
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soll die Zahl bedeutend größer. sein, nach den Angaben glaubwürdiger Personen 
sogar mehr als 10 Procent der ganzen Bevölkerung ausmachen. 1872 haben 
Pocken, die von Reunion eingeschleppt worden sein sollen, besonders unter der 
schwarzen Bevölkerung viele Opfer gefordert. / 
Die guten Gesundheitsverhältnisse haben aufser in der Lage auch in dem 
guten Wasser ihren Grund. Die Flüsse — auf Mahe nicht weniger wie 133 — 
kommen in starkem Gefälle, oft herrliche Kaskaden bildend, vom Gebirge herab, 
und da das Wasser über Granitblöcke und Quarzsand fliefst, so ist dasselbe ohne 
Gefahr zu ‚trinken, zumal auch die Temperatur 23 bis 24° beträgt, Darm- 
erkrankungen also nicht zu befürchten sind. Nur in den südlicheren, Theilen 
von Mahe und auf vielen Inseln ist das Wasser ungesund, indem hier, besonders 
in der regenarmen Zeit, die Flüsse, welche die weiten Ebenen durchfließsen, 
nicht die Kraft haben, die von den Wellen aufgeworfenen Sandwälle zu durch- 
brechen, und‘ sich in den Ebenen ausbreiten und grofse Sümpfe bilden, Da 
meist. auch noch brackiges Wasser durchsickert, so ist das Wasser ungeniefsbar, 
während das. in Bambusleitungen von den Bergen hergeleitete Wasser warm und 
fade ist. Dysenterien und leichte Fieber treten in diesen Gegenden häufiger auf. 
Infolge der gleichmäfsigen Wärme, der grofsen Feuchtigkeit und des guten 
Bodens hat sich eine ungemein üppige Vegetation entwickelt. 
Die‘ Küstenstriche, besonders die weiten Ebenen, sind fast überall mit 
Kokospalmen besetzt. Die Abhänge bis zu 300 bis 350 m sind meist der alten 
Wälder völlig beraubt, und ‚an vielen Stellen bedeckt nur Gras und Buschwerk 
diese Theile, an anderen, besonders auf Mahe, sind an die Stelle des. Waldes 
Kulturpflanzen getreten, so Kakao, Vanille, Kaffee, Bananen, Ananas, Bataten, 
Maniok, Goyave (Aphloia), Orangen, Citronen, Zimmet, Brotfrucht, Gewürznelken; 
weiter finden sich .T’erminalien, Casuarinen, Bambus und andere mehr. Von den 
alten Wäldern, welche einst die ganzen Inseln bedeckt haben, finden sich gröfsere 
Reste nur noch im centralen Gebiet auf Mahe und auf Silhouette und Praslin, 
Glücklicherweise sind dieselben jetzt zum grofsen Theil im Besitz der Regierung, 
und durch strenge Gesetze ist ihre völlige Zerstörung unmöglich gemacht. Aus 
der Fülle der Pflanzen, welche’ diese herrlichen Wälder zusammensetzen, mögen 
nur einige, dem Wanderer am meisten‘ auffallende hervorgehoben werden. An 
erster Stelle wären zu nennen die Kapuzinerbäume (Syderoxylon), deren Stämme 
oft einen Umfang von 5 bis 6 m haben, die bis zu 50 m ihre mächtige Krone 
erheben, und deren Laub den Wäldern eine graugrüne Färbung verleiht. Das 
Holz ist besonders für Schiffsbauten sehr geschätzt. Weiter sind folgende Bäume, 
die ebenfalls gutes Bauholz liefern, zu nennen: Bois de Natte (Imbrecaria), Bois 
rouge (Wormia ferruginea), Bois de table (Heritiera Httoralis), Bois. de fer 
(Diptero carpus), Bois des Montagnes (Campanosperma seychell.), Bois Tatamaka 
(Calophyllum inophyllum), Bois noir (Abbizzia lebbek) und andere. Hier treten 
Pandanus (P. seychellarum und P. multispicatus) mehr in den Vordergrund, dort 
wieder sind Palmen, darunter nicht weniger wie fünf eigenthümliche Arten 
(Deckenia nobilis, Nephrosperma Vanhouttena, Rocheria melanochoetus, Ver- 
schaffeltia splendida, Stevensonia grandifolia) und Baumfarne (Cyathea seychellarum) 
die herrschenden Bäume. Aus der grofsen Zahl von kleineren Pflanzen seien 
neben Orchideen, Lianen, Farnkräutern aller Art, die oft grofse Wiesen bilden, 
besonders die wilde Vanille, die durch den Mangel an Blättern der Kkultivirten 
Vanille zwar nachsteht, durch die schöne, grofßse weiße Blüthe diese aber über- 
trifft, und Nepenthes genannt, die ich allerdings nur auf den höchsten Bergen 
von Silhouette angetroffen habe, und in deren Kannen ich außer vielen todten 
Arthropoden auch auffallenderweise lebende Moskito-Larven gefunden habe. 
Eine besondere Besprechung verdient endlich der stolzeste Baum der 
Seychellen, ‘der kaum seinesgleichen wieder finden dürfte, die Wunderpalme 
Coco de mer (Lodoicea Seychellarum). Während die eigenthümlichen grofsen 
Doppelfrüchte bereits im 16. Jahrhundert im Indischen Ocean treibend gefunden 
und als Kuriositäten und Heilmittel hoch geschätzt und theuer bezahlt wurden, 
sind die Pflanzen selbst erst im vorigen Jahrhundert bekannt geworden. Man 
sieht einzelne Exemplare: jetzt zwar auf den meisten gröfseren Inseln; will man 
aber von der Palme ein richtiges Bild gewinnen, so: mufs man sie in ihrer 
Heimath aufsuchen; und diese sind nur die beiden‘ Inseln Praslin und Curieuse, 
und. auch auf diesen kommt sie nur noch auf vanz beschränktem Gebiet vor, so
	        
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