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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1897. 
Der Bau der Korallenriffe ist im Allgemeinen der gewöhnliche. An 
das schmale lebende Riff, welches schroff bis zu 10 bis 20 Faden (18 bis 37 m) Tiefe 
abfällt, schliefst sich ein mehr oder weniger breites flaches Feld an, das aus den 
von der Brandung losgerissenen, gerollten und dann wieder zusammengekitteten 
Trümmern besteht. Weiter dem Lande zu wird der Boden von Korallensand 
gebildet und dieser an den Ufern durch die Wellen in dünenartigen Wällen an- 
gehäuft. Zwischen dem lebenden Riff und dem Land-ist ein breiter, wenn auch 
flacher Kanal vorhanden. Man würde also die Riffe der Seychellen den Barriere- 
riffen zuzuzählen haben; indessen würde es falsch sein, aus dieser Bezeichnung 
zu schliefsen, dafs die Form, wie bei vielen anderen Barriereriffen, durch eine 
positive Strandlinien- Verschiebung entstanden ist. Denn im Gegensatz zu der 
bisher allgemein herrschenden Ansicht, dafs die Seychellen eine Senkung nicht 
nur durchgemacht haben, sondern noch in dieser Bewegung begriffen sind, konnte 
durch Auffindung von gehobenen Korallenriffen auf fast allen besuchten Inseln 
festgestellt werden, dals eine entgegengesetzte Bewegung stattgefunden hat, und 
es ist wahrscheinlich, dal sie noch fortdauert. Der Betrag der Bewegung konnte 
zwar nur bis zu 25 m Höhe mit Sicherheit festgestellt werden; doch läfst die 
Lagerung vieler Reste an Granitblöcken, nämlich bald unterhalb, bald auf der 
dem Meer abgewandten Seite, den Schlufs zu, dafs die Blöcke mit den Resten 
aus gröfserer Höhe herabgekommen sind, der Betrag der Hebung also bedeutender 
gewesen ist. Da auch auf Aldabra anstehender Korallenkalk bis zu 15 m Höhe 
gefunden wurde, so scheint diese Bewegung ein grofses Areal im westlichen Theil 
des Indischen Oceans umfafßst zu haben. 
Verschiedene kleinere Inseln, so bei Mahe und Praslin, sind erst in neuerer 
Zeit mit den gröfseren in Verbindung getreten, und an verschiedenen Stellen 
liefse sich heute ohne grofse Schwierigkeiten dem Meer weiteres Land ab- 
gewinnen. 
, Das Klima ist ausgezeichnet; es ist, wie bei der Lage nicht anders zu 
erwarten ist, ein typisches Seeklima. "Trotz der Lage der Inseln nahe dem 
Aequator ist die Hitze in den meisten Monaten durchaus erträglich, wenn auch 
die gleichmäfsige Wärme auf die Dauer erschlaffend wirkt. Die mittlere Jahres- 
temperatur beträgt 27 bis 29° C., die Jährliche Schwankung 10 bis 12° C., die 
tägliche 6 bis 7° U., die niedrigste Temperatur ist in den tieferen Theilen 23° C., 
auf den Bergen 20° C., die höchste Temperatur in den meisten Monaten, 
besonders während der Zeit des Südost- und Nordostmonsuns, also vom Juni bis 
zum Oktober und vom Dezember bis zum April 29° bis 31° C.; nur in den 
Monaten April und Mai und November, in der Kalmenzeit, kann sie bis zu 
35° C. steigen. 
Die Regenzeit ist der Sommer, besonders die Monate Dezember bis zum 
April. Auf den meisten Inseln fällt im Winter kein oder nur wenig Regen; 
dagegen erhalten die centralen Gebiete von Mahe und ebenso Silhouette infolge 
ihrer hohen Berge und der starken Bewaldung auch im Winter ziemlich reichliche 
Niederschläge, jedenfalls trocknen die Flüsse niemals aus. Man kann auf Mahe 
die Tage zählen, wo der Morne Seychellois nicht wenigstens für einige Stunden 
von einer Nebelkappe bedeckt wäre. Selten sind heftige Gewitter, Die Summe 
der Niederschläge betrug 1895 2500 mm. 
Die langen, heftigen Regen können unter Umständen dem Lande gefährlich 
werden, indem durch sie grofse Bergstürze verursacht werden. An mehreren 
Stellen kann man die Spuren: in Haufen von Blöcken und ins Meer vorspringenden 
Landzungen, die von herabgeschwemmter Erde, nicht von Laterit oder Korallen- 
sand, gebildet sind, erkennen. Auch der in der Literatur erwähnte Cyklon vom 
Jahre 1862 hat richts mit einem solchen zu thun; es ist vielmehr nur ein starkes 
Unwetter gewesen, welches oberhalb der Stadt einen Bergsturz bewirkt hat, der 
durch seine Block- und Schlammmassen viele Häuser und Menschen ver- 
nichtet hat. Auch zu meiner Zeit fand ein solches Unwetter statt, welches 
ähnlichen, wenn auch nicht so grofsen Schaden anrichtete. 
Dem guten Klima entsprechend sind die Gesundheitsverhältnisse 
ebenfalls gute. Malaria ist fast unbekannt, Dysenterie, Anämie und andere in 
den Tropen überall vorkommende Krankheiten häufiger und leider auch Lepra. 
Auf der Insel Curieuse, welche zur Isolirung der Leprakranken bestimmt ist, 
habe ich zwar nur vier von dieser Krankheit befallene Personen gesehen: doch
	        
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