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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Der englischen Verwaltung, die ihrerseits der Regierung auf Mauritius unterstellt 
ist, sind dann noch weiter die Amiranten, Aldabra, Cosmoledo, Farquar und 
einige andere kleine Inseln zugetheilt, die meist nicht dauernd bewohnt sind 
und nur als Kokos-Plantagen, Guano-Lager oder als Fangstätten für See- 
schildkröten Bedeutung haben. 
Die Seychellen im engeren Sinn erheben sich auf einer submarinen Bank 
von 10 bis 40 Faden (18 bis 73m) Tiefe, welche gegen die Amiranten rasch bis 
zu 1500 bis 2000 Faden (2740 bis 3660 m) Tiefe abfällt. Wie die Untersuchung 
gezeigt hat, bilden sie einen einheitlichen Komplex, und, von Einzelheiten ab- 
gesehen, sind die Verhältnisse auf allen Inseln so sehr dieselben, dafs sie 
gemeinsam besprochen werden können. 
Im Gegensatz zu Mauritius und Reunion, welche vulkanischen Ursprungs 
sind, und zu dem Chagos-Archipel im Norden, Amiranten, Aldabra und anderen 
kleinen Inseln, welche im Süden zwischen den Seychellen und Madagaskar liegen 
und korallinischen Ursprungs sind, sind die Seychellen ganz von Granit aufgebaut. 
Diese Zusammensetzung verleiht den Inseln einen bestimmten Charakter und ist 
schon bei äufserer Betrachtung leicht erkennbar. Die Höhen der Gebirge sind 
meist abgerundet oder von Blockmassen, die oft das Aussehen von Ruinen zeigen, 
gekrönt. Die Abhänge bauen sich in hohen Terrassen auf; schroffe Wände, 
die vertikal und horizontal zerklüftet erscheinen, kastell- oder mauerartig oder 
in anderen phantastischen Formen aufgethürmte oder stark überhängende und 
zum Absturz neigende Massen treten dem Wanderer überall in den Gebirgen 
entgegen. Weiter ist der gröfste Theil des Landes von den tieferen bis zu den 
höchsten Theilen mit Granitblöcken jeglicher Form und Gröfse bedeckt, oft, 
z. B. auf der Insel Silhouette, liegen die Blöcke so dicht neben und übereinander, 
dafs man den Boden nicht erkennen kann. So hinderlich die Blöcke der 
Pflanzung sind und so viel Boden sie auch der Kultur entziehen, so sind sie 
doch auch wieder von grofsem Werth, indem sie die Abschwemmung der frucht- 
baren Erde durch die starken Regen verhindern. 
Was dem Granit ein ganz eigenartiges Aussehen verleiht, das sind die 
Rillen, welche die meisten Blöcke und senkrecht abfallenden Wände mehr oder 
weniger tief durchfurchen. Sie können senkrecht oder schräg verlaufen; im 
letzteren Falle kann man aber sicher sein, dafs der Block beim Absturz eine 
Verlagerung erfahren hat, und oft läfst sich schon ein neues Rillensystem, das 
senkrecht verläuft, feststellen. Diese Rillen sind durch das Wasser bewirkt, und 
zu ihrer Vertiefung mögen die mit dem Wasser herabgestürzten Quarzkörner 
beigetragen haben. 
Wo die von der Vegetation entblöfßsten Massen weniger stark geneigt 
sind, findet man eine Absprengung von Platten. 
Als Verwitterungsprodukt des Granits findet sich überall die sogenannte 
„rothe Erde“ oder der Laterit; nur dort, wo die alten Wälder noch erhalten 
sind, bedeckt eine dicke .Humusschicht den Boden. 
Im centralen und nördlichen Gebiet von Mahe, und ebenso auf Silhouette, 
erheben sich die Gebirge schroff aus dem Meer und erreichen im Mon Plaisir 
auf Silhouette und in den Trois Freres, im Mt. Harrison, Mt. Simpson und anderen 
eine Höhe von 800 bis 850 m und im Morne Seychellois auf Mahe. eine solche 
von fast 1000 m. In den übrigen Theilen von Mahe und ebenso auf den anderen 
Inseln sind die Berge niedriger und, abgesehen von einigen ins Meer vor- 
springenden Ausläufern, sind ihnen weite Ebenen vorgelagert, deren Boden von 
Korallensand gebildet wird; oft ist es der Fall, dafs unter diesem Sand sich 
Bänke von steinhart verkittetem Korallensand befinden, die eine Dicke von */a m 
bis zu fast 2 m besitzen können und bei der Pflanzung von Kokospalmen erst 
durchschlagen werden müssen, 
Die steilen Küsten und weiter besonders die fast alle Inseln, besonders 
die Buchten in mehr oder weniger grofsem Bogen umgürtenden Korallenriffe 
machen die Inseln schwer zugänglich. Die kleineren Inseln sind nur von kleinen 
Schiffen und auch von diesen nur mit grofßser Gefahr zu erreichen; nur zwischen 
der Nordspitze von Mahe und St. Anne lassen die Riffe eine KEinfahrt in ein 
größeres Bassin frei, welches auch für gröfsere Schiffe tief genug ist und durch 
einen langen Steindamm mit dem Lande verbunden ist. 
Brauer: Die Seychellen auf Grund eigener Anschauung. 
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