Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1897,
Den Umstand, dafs in Frankreich bei Tonnen und Feuerschiffen. außer-
ordentlich selten Kettenbrüche eintreten, schreibt der Verfasser der sorgfältigen
Vorprüfung und den häufigen Revisionen der Ketten zu, welche für die Feuer-
schiffe durch das Vorhandensein von Dampf- bezw. Prefsluft - Ankerwinden
wesentlich erleichtert wird. —
Der Verfasser hatte Gelegenheit, auf dem Leuchtthurm von Chassiron und
im Leuchtfeuer-Depot in Paris die Verwendung des Auer-Brenners in Verbindung
mit Pintschschem Fettgas kennen zu lernen. Er beschreibt den Lichteffekt als
geradezu überraschend, verbhehlt sich jedoch nicht die Schwierigkeiten, welche
die Zerbrechlichkeit des Glühstrumpfes der weiteren Ausnutzung entgegenstellt,
sowie den Umstand, dafs die Leuchtkraft bei Nebel mit dem elektrischen Bogen-
licht fast auf der gleichen niedrigen Stufe steht. Auf St. Nazaire sah er das
kürzlich in Betrieb gesetzte permanente Mineralöl-Gruppenblitzfener mit elektro-
motorischem Betrieb, Ville-3s-Martin. Den Antrieb ertheilt ein kleiner Gramme-
Dynamo, die elektrische Kraft liefern 3 bis 4 auf Spannung geschaltete Elemente,
von denen immer eins im Monat ausgeschaltet und erneuert wird. Das Feuer
arbeitete tadellos.
Nach den Ausführungen des Verfassers, denen wir uns anschließen, hat
sich namentlich nach Einführung des elektrischen Lichtes die herkömmliche
Klassificirung der Feuer überlebt. Die französische Leuchtfener-Verwaltung ist
in dieser Beziehung bahnbrechend vorgegangen und giebt in den Verzeichnissen
nur die auf photometrischem Wege festgestellten Lichtstärken der Feuer, je nach
dem Zustande der Atmosphäre. Dazu gefügt ist dann noch die Bezeichnung
„katoptrisch oder dioptrisch bezw. katadioptrisch“, damit der Seemann Weifs, ob
er mit einer unbeständigen, je nach der Entfernung von der Achse in der
Intensität abnehmenden (Reflektor) oder mit einer gleichmäfsig starken Lichtquelle
(Linse) zu thun hat.
Wenngleich dieser Art der Klassifikation der Mangel anhaftet, dafs die
Lichtstärken im Allgemeinen zu hoch angegeben sind, so wird nach Ansicht des
Verfassers dieser Nachtheil dadurch aufgewogen, daß die Angaben an einer
Stelle von demselben Beobachter unter annähernd gleichen Verhältnissen ermittelt
sind und daher einen sehr werthvollen Anhalt für die vergleichsweise Beurtheilung
des Werthes eines Feuers liefern.
Wennschon wir vom praktisch - seemännischen Standpunkt aus auf die
Klassifikation der Feuer weniger Gewicht legen, so können wir doch dem Wunsche
des Verfassers zustimmen, dafs auch im dentschen Reich die Untersuchungen
über den vergleichsweisen Werth der einzelnen Feuer an einer Centralstelle
vorgenommen werden.
Wenn ferner der Verfasser den hohen Stand der Vervollkommnung,
welche das französische Leuchtfeuerwesen schon heut erreicht hat, zum Wesent-
lichen dem Vorhandensein eines einheitlichen Grundgedankens und
systematischer Ausgestaltung desselben zuschreibt, so können wir ihm auch
hierin nur Recht geben und uns seinem Wunsche anschliefsen, dafs auch auf dem
Gebiete der Küstenbeleuchtung im deutschen Reiche sich bald der Charakter
der Einheitlichkeit Geltung verschaffen möge, der sich auf dem Gebiete des
Betonnungswesens bereits so segensreich bewährt hat. M.
„Grundeis“ im Seewasser.
Im Anschlufs an die Beobachtungen von Kapt. Meyer über die Bildung
von sogenanntem „Grundeis“ in der Unterelbe, welche in diesen Annalen (1891,
S. 137 ff., und 1892, S. 297 ff.) veröffentlicht sind, ist eine Aeufserung von Professor
0. Pettersson in Stockholın über Grundeisbildung, und zwar im Seewasser,
um so beachtenswerther, als er, ebenso wie Kapt. Meyer, wirkliche Messungen
der Temperatur (und auch des Salzgehaltes) zur Verfügung hat und sich. nicht
blofs, wie dies früher bei der Erörterung dieses Themas meistens der Fall war,
in allgemeinen Betrachtungen ergeht. Die Messungen sellst stammen freilich
der Hauptsache nach nicht von Pettersson, sondern von Kkman aus. dem,