Der gegenwärtige Stand des französischen Leuchtfeuerwesens,
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I. Bei Nacht: Dampfmotoren und Hauptwelle in Betrieb. Die Haupt-
welle treibt mittelst Hülfswelle .die zu 4 genannte Hülfsdynamomaschine, von
welcher aus durch periodische Stromimpulse das Luftventil der Sirene bedient wird.
H. Bei Tage: Dampfmotoren und Hauptwelle nicht in Betrieb. Der
unter 5 genannte Luftmotor Megy wird mit komprimirter Luft aus den Luft-
akkumulatoren des Maschinenhauses in Gang gesetzt und treibt die Hülfsdynamo.,
Der mit dieser erzeugte Strom setzt nach Ausrücken der Arretirvorrichtung die
mit der Sirene verbundene Gewichtsrotationsmaschine (Uhrwerk mit Fallgewicht)
in Gang. Sobald diese richtig arbeitet, was durch das Gehör festzustellen ist,
wird der Hülfsdynamo und Luftmotor abgestellt und der elektrische Betrieb. in.
der unter I beschriebenen Weise aufgenommen, wenn Dampf auf und die Haupt-
welle in Gang ist.
Die raffinirte Weise, wie die Betriebsbereitschaft der. Sirene hierdurch
sichergestellt erscheint, erregt in: dem Verfasser Zweifel, ob nicht durch die
Anhäufung so zahlreicher, komplicirter und empfindlicher Mechanismen, welche
sehr hohe Anforderungen an die Intelligenz und technische Fertigkeit des
Betriebspersonals stellen, zu weit gegangen und die Betriebssicherheit nicht
zefährdet sei, welchem Zweifel wir uns anschliefsen. Ueberdem wird durch
die Verbindung von Luft- und Sirenenbetrieb die Oekonomie der Anlage in nach-
theiliger Weise beeinflufst.
Für die übrigen Leuchtfeuer sind Trompeten, auch solche mit schwingender
Stahlzunge, in Gebrauch, die den Sirenen in vieler Beziehung untergeordnet sind.
_ Für Hafeneinfahrten ‚werden im Allgemeinen nur Schallsignale ganz
beschränkter Tragweite — Glocken oder Nebelhörner mit Handbetrieb — ver-
wendet, letztere auch auf Feuerschiffen. > j
Nebelsignalkanonen finden nirgends Verwendung,
B. Leuchttonnen und Feuerschiffe. Die Franzosen haben für Ver-
wendung der Leuchttonnen den Grundsatz aufgestellt: Lieber viele kleine, in
kürzerer Entfernung voneinander verankerte und leicht zu bedienende, als wenige
schwer handliche Tonnen, dem man wohl ohne Weiteres zustimmen darf.
Es waren zur Zeit 100 Gasleuchttonnen in Gebrauch, deren Lichtstärke
and Sichtweite nichts zu wünschen übrig lief. Zur Herstellung des rothen und
grünen Lichtes wurden auffallend helle Glasfärbungen verwendet.
Der Verfasser hebt besonders hervor, dafs infolge der Form, Aufhängung
and Verankerung der Tonnen dieselben selbst in Strom von 2,2 bis 28 Sm
Geschwindigkeit sich in fast vertikaler Stellung befanden. Die Kettenlänge
beträgt in Flufsmündungen oder auf Strom das Zweifache, in See das Dreifache
der Wassertiefe. Die Ketten sind steglos und im ersten Falle aus zwei, im
letzten aus drei Längen zusammengesetzt.
Gastonnen und Blinklicht sind nür vereinzelt verwendet, da die Tonmnen-
Schwingungen grofs genug seien, um jedes derartige Licht als Blinklicht erscheinen
zu lassen.
Die günstigen Erfahrungen mit den Gastonnen haben zu dem bisher voll-
ständig geglückten Versuch geführt, ein Feuerschiff ohne Wärter auf dem
Pläteau de Rochebonne auszulegen. - Es hat 80,9 cbm Deplacement, 14,5 m Länge,
6,6 m gröfte Breite und einen Konstruktionstiefgang von 1,675 m. Das Schiff
'st aus Eisen gebaut, mit einem starken Mittel- und zwei Seitenkielen versehen
und durch zwei Schotten in drei Räume getheilt. Auf einem Militärmast trägt
es 10m über Wasser die kardanisch aufgehängte Optik, im mittleren Raum den
Gasbehälter. Auf dem gewölbten Deck ist auf einem 3m hohen Gerüst eine
Glocke fest angebracht, die nach unten durch eine durchlochte Platte geschlossen
ist, auf welcher eine Kugel sich frei bewegt und dadurch, dafs sie bei der ge-
ringsten Bewegung des Schiffes gegen den Glockenrand rollt, einen Anschlag
hervorbringt, Das Schiff ist in 48 m Wasser mit einem 3000 kg schweren
Ankerblock und 170m Kette verankert. Es wird monatlich einmal angelaufen
zur Revision und zur Auffüllung der Gasbehälter. Es kostet 70 000 Fres,
_ Zum Ersatz für die nicht mehr als ausreichend befundenen älteren Feuer-
schiffe ist ein neues mit Oelgasblitzfeuer für Auer-Licht und 3 Mann. Besatzung
eingerichtetes Feuerschiff von 18,5 m Länge kürzlich fertiggestellt für den Preis
ron 90000 Fres. und sollte demnächst zum Versuch ausgelegt werden.