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Aunalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1897.
worauf ich noch zurückkomme, während über meine Messungen nur eine kleine
Notiz vorliegt,') so ist es wohl gestattet, kurz darüber Folgendes mitzutheilen:
Bei dem Nachtgewitier am 19. Juni 1893 wurde eine tiefgehende Wolke (fracto-
nimbus) von dem Lichte der elektrischen Lampen des Anhalter Aufsenbahnhofes,
die ich von der Wohnung aus in 350 m Abstand sehen konnte, scharf beleuchtet;
den Höhenwinkel bestimmte ich wiederholt zu 12°, während ich selbst 11 m
über dem Erdboden stand. Daraus folgt eine Wolkenhöhe von 74 + 11 = 85m.
Nimmt man einen Winkelfehler von + 3° an, so schwankt die Höhe zwischen
66 und 105 m, Daß hei den gelblich-grauen Wolkenfetzen unter der eigentlichen
Gewitterwolke so niedrige Höhen vorkommen, habe ich zu verschiedenen Malen
aus der parallaktischen Verschiebung unzweifelhaft feststellen können.
Der zweite Fall betraf einen Strato-cumulus. Am 27. Januar 1894 beob-
achtete ich von der Wohnung aus (15 m über Strafe) von 6'/2 bis 7% p eine
intensive, gut begrenzte Röthung des Himmels, die stets 5 Minuten andauerte,
um nach gleich langer Pause wieder zu beginnen. Ich bestimmte immer die
Winkelhöhe des sich zuerst röthenden Fleckes, um so den Scheitelpunkt des Ortes,
wo zur Feier des Tages (Geburtstag des Kaisers) bengalisches Feuer abgebrannt
wurde, möglichst genau zu erhalten; aufserdem wurde noch die Winkelhöhe des
nächsten und entferntesten Randes der gerötheten Fläche gemessen.
Durch Umfrage stellte ich fest, dafs auf einem bestimmten Gebäude im
Innern der Stadt genau in der angegebenen Zeitfolge 14 Centner bengalischen
Feuers abgebrannt wurden; der Abstand beträgt 1825 m. Ich fand:
61h pP
6h 50 p
7h 20m pp
Zeit
x m Wolkenhöhe
Winkelhöhe (rund}
221/49 750 m
24° 810 m
259 850 ın
Der Durchmesser der ganzen Fläche betrug rund 1200 m. Das Wachsen der
Höhe dürfte mit der Wetterlage zusammenhängen; der Himmel war um 6’ p mit
Strato-cumulus zu %/i0 bedeckt, um 7!/1" p begann es vorübergehend aufzuklaren.
Der Zweck der Mittheilung dieser beiden Beobachtungen ist einmal der,
zu zeigen, wie selbst scheinbar so fern liegende Ereignisse, wie die Illumination
zu Kaisers Geburtstage, der Meteorologie dienstbar gemacht werden können, und
zweitens die Brauchbarkeit dieser Methode gerade für solche Zwecke darzulegen,
wo die Photogrammetrie versagen mulfs, nämlich bei dem Studium der Wolken nachts.
Nahezu alle Messungen sind bei Tage angestellt worden, und wir wissen bereits
Manches über den täglichen Gang der Bewölkung für die Zeit zwischen Sonnen-
aufgang und Sonnenuntergang, nichts aber für die Nachtstunden. Gerade hier
kann nun seitens der Marine eine werthvolle Hülfe mittels der folgenden, von
Strumper vorgeschlagenen vereinfachten Abbe- und Jesseschen Methode für die
meteorologische Forschung geleistet werden. Das Verfahren der Messung ist genau
das von mir oben befolgte, der einzige Unterschied besteht darin, dafs der helle
Lichtfleck an den Wolken durch einen Scheinwerfer erzeugt wird. wie er ja
jetzt auf vielen Schiffen vorhanden ist.
Strumper schlägt in seiner zweiten Mittheilung vor, man solle dem Licht-
strahl LW eine solche Richtung geben, dafs er mit dem Horizont LF einen Winkel
von 45° bildet, denn dann ist WF= LF=bhb. Steht nun der Beobachter B so,
dafs die Richtung Beobachter—Lichtquelle (BL) mit der Richtung Lichtquelle ——
Wolkenfuflspunkt (LF) einen rechten Winkel einschliefst, so ergiebt sich sofort:
h = vr tg a
wo & = WBL und d = BL leicht gemessen werden können, Strumper empfiehlt
statt der Messung von « die schwierigere von £& = FBL, wodurch allerdings die
Höhe sich etwas einfacher ergiebt, weil WF — FL = h ist:
h=— de-toe
„Nature* 1894, 5. 95.