Das Photographiren auf See.
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aufgehoben. oder :gemildert werden könnte. . Ebenso müssen Abdrücke mit
Sülßswasserlösungen‘ getont und fixirt werden; dann mit Salzwasser gewaschen,
gießt man ‚nochmals zweimal Süfswasser auf‘ dieselben, Also‘ sozusagen gar
keine Ersparnifs. : -
Der Aufnahme bieten sich an Bord keine weiteren Schwierigkeiten, Im
Allgemeinen sei nur erwähnt, dafs gute Momentaufnahmen kräftiges Licht brauchen.
Dabei berücksichtige man die geographische Breite, auf der die Aufnahme statt-
findet. In unserer. Breite exponire man nur im Winter von 10 bis 3 Uhr, im
Sommer von 8 bis 5 Uhr. Die chemische Wirkung des Sonnenlichtes ist abhängig
von ‚der Sonnenhöhe und der Beschaffenheit der Atmosphäre... Je höher ‘die
Sonne, um so kräftiger die Wirkung. Die plastischste Wirkung der aufzunehmenden
Gegend erreicht man. bei einer seitlichen Beleuchtung derselben, selbst bei
grauem Himmel und unsichtbarer Sonne, deren jeweiligen Stand man ja bequemer-
weise vom Kompafs ablesen kann.
Anregung zu Wolkenbeobachtungen seitens der Kriegs- oder
; Handelsmarine.
Den Lesern..dieser‘ Zeitschrift dürfte es genügend bekannt sein, dafs in
der Zeit vom 1. Juli d. J. bis zum 31. Juli des nächsten Jahres an vielen Orten
der Erde ausführliche Wolkenbeobachtungen angestellt werden, und zwar theils
an größeren Observatorien, um besonders genaue Werthe zu erhalten (photo-
grammetrisch), theils an einer grofsen Zahl der gewöhnlichen meteorologischen
Beobachtungsstationen, wo mittels des Wolkenspiegels oder des Nephoskops Zug-
richtung und relative Geschwindigkeit bestimmt werden. So wünschenswerth
nun eine möglichst ausgedehnte photographische Aufnahme der Wolken an sich
ist, so gestaltet sich dieselbe doch in bestimmten Fällen sehr schwierig, ja, sie
kann ganz versagen, wenn man es nämlich mit einer Wolkenform zu thun hat,
die wenig oder gar keine markanten Punkte zur photogrammetrischen Auswerthu.g
darbietet. Diese Schwierigkeiten bieten sich besonders beim Stratus und Nimbus dar,
. An steilen Küsten oder im Gebirge hat-man allerdings oftmals Gelegenheit,
Wolkenhöhen zu bestimmen, indem man an ihrer Höhe nach bekannten Punkten
des Berges. die untere und bisweilen auch die obere Grenze einer Wolke schätzen
kann, So verfuhr man z. B. auf dem Blue Hill Observatory bei Boston, indem
man, wenn das Observatorium in die Wolke eingehüllt war, soweit bergab ging,
bis man ihre untere Grenze erreichte. So einfach aber auch diese Methode er-
scheint, so unsicher wird sie bisweilen. Im letzten regenreichen Sommer hatte
ich während meines Aufenthaltes in Bad Harzburg genügend Gelegenheit, mich
hiervon zu überzeugen. ‘ Wenn .nämlich nach warmem Wetter Regen aus einer
benachbarte Berge einhüllenden Wolke fällt, so nimmt .man nach kurzer Zeit
wahr, wie sich allenthalben infolge Verdampfung an den bewaldeten Bergabhängen
weiße Dampfesäulen entwickeln und bald die untere Grenze der Wolke so ver-
wischen, .dafßs man sie für tiefer hält, als sie wirklich ist. Die Fehler können
hierbei mehrere Zehner von Metern erreichen, ein Betrag, der bei Wolken
(Nimbus) von 300 m (am 7. August 10"a) und 150m (am 22, August 12* a)
relativer Höhe — die Höhe .des Ortes beträgt 250 m — schon bedeutend. ins
Gewicht fällt. .
Eine andere Methode bedient sich künstlicher Lichtquellen und ist daher
von ‚einer bestimmten Oertlichkeit unabhängig. Diese . Methode ist zuerst
1870 von Paul de La Cour in Dänemark angewendet, dann 1872 ‘von
Cleveland Abbe und 1882 unabhängig davon durch O. Jesse weiter ausgebildet
worden. Beobachtungen nach derselben sind meines Wissens nur von Clayton
und Fergusson, (Blue Hill) 18838 bis 1891 in ausgedehnterem Mafse angestellt
worden, ‚während vereinzelte Messungen Strumper in Hamburg 1889 und 1890,
dann der Verfasser zu Berlin 1898: und 1894, sowie neuerdings das Potsdamer
Ohservatorium ausführte: da nur Strumper hierüber bisher berichtet hat, ’)
1) „Meteorolcgische Zeitschrift“ 1889, S. 440; 1890, S. 310.
Anz. d, Hydr. etc., 1897, Heft II.