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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1897.
Aufnahmen der Seefahrer, wie beispielsweise Ansegelungs- oder sonstige Küsten-
punkte, sind ja so wichtig und wissenschaftlich werthvoll, dals das Verderben
einer jeden Platte, zumal durch geringfügige Versehen, sehr zu bedauern ist,
Schon bei der Beschaffung des Materials berücksichtige man dessen Ver-
wendung auf See. Der Vorrath an Platten stamme von ein und derselben Fabrik.
Der Berufsseefahrer hat nicht die Zeit, sich in die Eigenthümlichkeiten ver-
schiedener Fabrikate einzuarbeiten, thut also gut daran, sich mit einem vertraut
zu machen, es ist dies mit wesentlicher Zeit- und Geldersparnifs verbunden,
Bestimmte Apparate können an dieser Stelle nicht empfohlen werden.
Für den Gebrauch auf See kann aus erklärlichen Gründen nur ein Apparat mit
Momentverschluls in Frage kommen. Als solche sind sehr zu empfehlen
sogenannte Hand- oder Detektiv-Kameras. Der grofsen Anzahl dieser Kon-
struktionen ist gemeinsam das Magazin, eine Abtheilung, in die man eine
größere Anzall von Platten, 12 bis 24 Stück, einlegen kann. Für den Gebrauch
an Bord insofern praktisch, als das Einlegen von Platten bei grober See sehr
mühselig, mitunter geradezu unmöglich ist.
Die sogenannten Teleobjektive dienen dazu, sehr weit entfernte Gegen-
stände aufzunehmen, sind in der Hauptsache eine Verbindung von Fernrohr und
Objektiv. Sie sind leider an Bord kaum zu gebrauchen, da bei der geringsten
Erschütterung ein total unscharfes Bild entsteht, aufserdem Aufnahmen nur bei
ganz klarer Witterung möglich sind.
An Bord besonders wichtig ist eine richtige Aufbewahrung der Platten und
des Apparates. Man spare keine Mühe, erstere kühl und vor Allem trocken auf-
zubewahren; in der stets feuchten Seeluft kann die Gelatineschicht der Platten
geradezu verfaulen, ebenso zersetzen sich alte Platten leicht. Die Wirkung von
Hitze, Kälte, Feuchtigkeit auf Holz, Leder, Gummi, also auch auf den Apparat,
ist ja jedem Seemann zur Genüge bekannt.
Sehr grofse Schwierigkeiten verursacht die Beschaffung der so nöthigen
Dunkelkammer an Bord, zumal auf Segelschiffen. Am besten nimmt man dazu
unter Deck befindliche, wenig benutzte Räume, wie Proviant-,') Segel- oder
Lampenkammer, Beim Arbeiten in ersterer achte man übrigens sorgfältig darauf,
dafs durch die Bewegungen des Schiffes keine Flüssigkeiten auf den Proviant
abtropfen, so ist z. B, der sogenannte Quecksilberverstärker äufserst giftig. Dieser
wird vielfach gebraucht, um Platten, die zu kurz belichtet oder entwickelt sind,
zu verstärken. Ein sehr häufig vorkommender Fehler. Die Lampe bezw, Laterne
mit rothem Cylinder oder Scheibe soll nur gebraucht werden, nachdem das Glas
spektroskopisch geprüft worden ist. Nur im üäufsersten Nothfalle entschlielse
man sich, das Licht der Backbordlaterne zu gebrauchen,
Man entwickle nur, wenn das Schiff ruhig liegt und, wenn irgend angängig,
nie am Tage. War es nicht möglich, die Entwickelung sofort nach der Aufnahme
zu machen, so nehme man die Platten aus dem Apparat und schütze sie vor
jeder Lichteiuwirkung durch KEinschlagen in Papier und Wiedereinlegen in die
ursprünglichen Kartons. Dabei stets Schichtseite auf (ilasseite. Unter keinen
Umständen Zeitungspapier dazwischen, da die einzelnen Buchstaben sich auf der
Schicht abdrucken. Wer noch nie in einem Schiffsraume bei bewegter See
entwickelt hat, versuche es erst mit zwei, drei Platten. Das stundenlange
Arbeiten bei so mangelhafter Beleuchtung, bei dem ein gelegentliches Aufstehen
oder Sichbewegen unmöglich ist, hat schon Leuten Uebelsein verursacht, die
solche Anfälle seit Jahrzehnten nicht mehr kannten. (Insofern zu berücksichtigen,
als es nicht angeht, den einmal angefangenen Entwickelungsprocefs abzubrechen.)
Mitunter hält es schwer, die nöthige Menge süfsen Wassers, an Bord
bekanntlich ein beschränkter Artikel, für photographische Zwecke zu opfern.
Jedenfalls braucht man soviel davon, dafß es sich lohnt, gelegentlich Regen-
wasser aufzufangen. Beim Gebrauche ist darauf zu achten. daß es ungefähr
Zimmertemperatur hat.
Ks bietet keinen Vortheil, mit Seewasser zu arbeiten. Die im Seewasser
enthaltenen Magnesium-, Natrium-, Brom- und Jod-Salze wirken als starke Verzögerer
beim Entwickeln. Es wäre noch festzustellen, ob durch bedeutende Vermehrung
der Alkalien im Entwickler die verzögernde Wirkung der betreffenden Salze
— Die Benutzung der Proviantkammer dürfte jedenfalls auszuschliefsen sein. Anm. d. Red.