Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1897,
Das Wetter war vom 15. März bis Anfang Mai ziemlich beständig, eine
frische Seebriese wechselte mit einer mäfsigen Landbriese ab, und nur an einigen
Tagen stellte sich Regen ein. Von Anfang bis Mitte Mai hingegen war das
Wetter sehr veränderlich, was mit dem Uebergang des Winters zum Sommer
erklärt wurde. In der Zeit von Juni bis November soll das Wetter jedoch
wieder recht beständig sein. Fluth und Ebbe wechseln regelmäfsig miteinander
ab. Erstere erzeugt auf der Barre vor der Flufsmündung eine sehr kabbelige
See, sie verändert häufig ihre Stromrichtung und erlangt eine Geschwindigkeit
von 4 bis 5 Knoten. Diese Thatsachen sind von den ein- und ausgehenden
Schiffen in Betracht zu ziehen. Bei der Spitze Bellacas hat der Gezeitenstrom
nur noch eine mittlere Geschwindigkeit von 1,5 Knoten.
Das Trinkwasser in Bahia wird von Brunnen geliefert. Da die Brunnen
aber nicht tief sind und daher nur wenig Wasser enthalten, so geben die Ein-
wohner ungern davon an Schiffe ab. Das Flufswasser ist 5 bis 6 Sm oberhalb
Bahia, von woher wir unseren Bedarf holten, trinkbar. Die gewöhnlichen Schiffs-
bedürfnisse sind in Bahia nur in beschränktem Mafse zu bekommen und erstrecken
sich auf frisches Fleisch und etwas Früchte, jede Woche einige Male. Es ist
am Platze eine kleine Dampfsägemühle vorhanden. Durch die im Bau befindliche
Eisenbahn nach Quito wird Bahia eine gröfsere Bedeutung erlangen.
Zu den Stürmen des westlichen Theiles des Südatlantischen 0ceans.”
/Hierzu Tafel 2.)
Von E, KNIPPING.
Die Grundlage der folgenden Bemerkungen bilden Auszüge aus Beob-
achtungen über 252 Stürme, die den an der Seewarte in zwei Jahren, vom
1. August 1894 bis zum 31. Juli 1896, eingegangenen Segelschiffstagebüchern
über den ganzen Südatlantischen Ocean entnonimen wurden. In höheren Breiten
als 30° S-Br wurden nur orkanartige Stürme (B. ]1 oder 12) genommen, unter-
halb 30° S-Br alle Stürme von Windstärke 8 an.
Fünf schwere, in den Prüfungshüchern besonders erwähnte Stürme zwischen
35 und 46° S-Br wurden noch mitbearbeitet, die No. 55, 65, 120, 128, 140 in
der Tafel zwischen (). Sieht man von ihnen ab, so vertheilen sich die 252 anderen
Stürme auf folgende Anzahl von Reisen:
Kap Horn. + +0. { Cm DS Kap der Guten Hoffuung t ala 195
Ostküste Südamerikas unter- { Ausreisen 13 Ostküste Südamerikas ober- m 22
halb 307 S-Br Neimreisen 11 halb 30° S-Br Heimreisen 23
Hierbei sind Ausreisen um Kap Horn mit Anlaufen der Ostküste wie eine
einfache Ausreise um Kap Horn gerechnet, ebenso als Heimreise um das Kap
der Guten Hoffnung die wenigen Reisen vom Kap nach Rio de Janeiro etc., wo-
durch das Verhältnifs der Stürme zu den Reisen nur ganz unwesentlich geändert
wird. Ein Vergleich der Anzahl der Reisen mit jener der Stürme auf Tafel 2
zeigt die auffallend geringe Zahl von schweren Stürmen auf Reisen um das Kap
der Guten Hoffnung westlich von 20° O-Lg.
Tabelle 1 und Tafel 2 geben eine Uebersicht über die Vertheilung aller
ausgezogenen Stürme nach Zeit und Ort, Tabelle 2 für das zu besprechende
westliche Gebiet nach Breitenzonen. Ks ergiebt sich aus einem Vergleiche beider,
dafs nur 12 Fälle in die Mitte des Oceans östlich von 20° W-Lg und in den
Osten fielen; 8 davon traten in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung, 4 auf
Ausreisen nach dem Indischen Ocean auf. Die anderen 245 Fälle vertheilen
sich auf Ausreisen nach der Ostküste Südamerikas oder um Kap Horn und Heim-
reisen von da. Folgende Punkte, in der Tafel 2 durch Linien verbunden, um-
schliefsen, mit ein paar Ausnahmen, die Sturmbeobachtungen auf den Heimreisen:
557 8, 60° W: 52-8, 60° W; 308, 37° W; 12° 8S, 31° W; 12-8, 277 W3; 417 5,27 W; 35° 8, 54° W.
) Vgl. „Sevelhandbuch der Seewarte für den Atlantischen Ocean“, S. 272 ff,