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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1897.
die Brigg nach dem Boote hin treiben lassen mufs; also zu Ende der Ebbe wird
die Brigg südlicher als zu Anfang derselben liegen.
Stauerrunner kommen oft bis zum Krishna Shoal- Feuerschiff und noch
weiter hinaus und verrichten gern Lootsendienste bis zur Brigg, wofür nichts
berechnet wird, wenn ihr Herr das Schiff zu stauen bekommt. Oft sind auch
Schiffe nach Elephant Point für Order bestimmt, und die Kapitäne nehmen ein
solches Boot an, was sie von der Lootsenstation zur Stadt bringt und, nachdem
sie ihre Order empfangen, wieder ans Schiff setzt. Doch kann man auch an
Bord der Brigg fahren und wird mit dem Lootsen zusammen auf den nächsten
Dampfer gesetzt.
Elephant Point liegt am rechten Ufer des Rangun-Flusses und bildet hier
die äufserste Spitze des festen Landes. Daselbst ist eine Post- und Telegraphen-
station. Als Kuriosum möchte ich erwähnen, dafs die Bank, welche die Spitze
zseewärts umsäumt, mit einer Art Salzwassergras bewachsen ist und grün wie
eine Wiese erscheint.
Reise der deutschen Bark „Elisabeth‘‘, Kapitän D. Brauer,
von Newcastle N. S. W. durch die Torres-Strafse nach Manila.
Am 5. Mai 1892 um 1" 30‘p verliefsen aufserhalb Newcastle der Lootse
und der Schleppdampfer das Schiff, Es wehte ein frischer Süd- bis Südwestwind,
bei dem das Schiff unter Führung aller Segel, eine bedeutende Fahrt machte,
In der folgenden Nacht war der Wind steif, bei böigem regnerischem Wetter,
doch gegen das Ende des Etmals flaute derselbe etwas ab und holte auf Süd.
Bis zum 14. Mai waren frische bis steife östliche Winde vorhanden, welche eine
Fahrt von 8 bis 9 Knoten ermöglichten und das Schiff nach 12,5° S-Br und
149,8° O-Lg brachten. Hier aber fand der so günstige Wind sein Ende, und
am 6* a sprang derselbe, begleitet von heftigem Regen, plötzlich auf Nord, um
bei wieder aufklarender Luft westlich zu holen. Schon am folgenden Tage kam
indessen ein flauer südlicher bis südöstlicher Wind wieder durch, um sich für
die nächsten 10 Tage fast beständig zu behaupten. Das Wetter war im
Allgemeinen gut und die See leicht bewegt oder ruhig. Um 5* 3C° am Morgen
des 19. Mai peilten wir die Bake auf Bramble Cay West (sämmtliche Peilungen
sind mifsweisend) und Darnley-Eiland SSW!/2W. Es wehte zur Zeit ein leichter
Südsüdostwind. Von nun an steuerten wir nur noch nach Peilungen weiter.
Es wehte eine frische südliche Briese bei bezogener Luft. Um G6*20”p wurde
unter Village Eiland auf einer Wassertiefe von 25 m (14 Faden) geankert.
Von diesem Ankerplatze aus peilte die eben genannte Insel Süd und Dove-Eiland
SWzW!/2W. Während der Himmel sich ganz bedeckte, wurde der südöstliche
Wind flau.
Mit Tagesanbruch am 20. Mai lichteten wir unsere Anker und setzten die
Reise fort. Um 8 Uhr abends wurde die Signalstation auf Goode-Eiland passirt
und gegen Mitternacht das Feuer der Proudfoot-Untiefe gesichtet. Um 3 Uhr
morgens am 21. Mai verschwand dasselbe in der Kimme. Die Timor-See wurde
auf westnordwestlichem Kurse durchsegelt. Auf der Weiterreise nahm „Elisabeth“
ihren Weg durch die Molukken-Passage, die Basilan- und die Mindoro-Stralse.
In der Timor-See war ein frischer Südostmonsun vorherrschend, weiter nordwärts
wurde der Wind flauer und unbeständiger, doch hatte er meistens eine günstige
Richtung. In der Sulu-See trafen wir an mehreren Tagen leichte westliche bis
nordwestliche Winde; in der Mindoro-Strafse war der Wiud freilich auch noch
oft westlich, doch fast ebenso häufig südöstlich; auch erlangte er hier eine etwas
gröfsere Stärke wieder, Am 18. Juni um 9 Uhr abends ankerte „Elisabeth“ auf
der Rhede von Manila. Die ganze Reise von Newcastle N. S. W. hatte demnach
eine Dauer von 44 Tagen. Zur Durchsegelung der Torres-Stralse waren, ein-
schliefslich des Aufenthaltes auf dem Ankerplatze unter Village-Eiland, rund
35 Stunden erforderlich gewesen.
Es wäre sehr erwünscht, wenn anstatt der Bake sich auf Bramble Cay
ein Feuerthurm befände. Alsdann würde die Torres-Straßfse, besonders in der