Schott: Dritter Beitrag zur Hydrographie des St. Lorenz-Golfes,
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Richtungen einnimmt (siehe oben Station „C“). Die freilich stark im Einzelnen
verdeckte Tendenz des Wassers, nach Westen zu fließen, erklärt Dawson
vielleicht mit Recht durch das Bedürfnifs der Kompensation für die an der Neu-
fundlandseite nach NO gehende Strömung; man gelangt dann‘ zu einer Art
Kreislauf, in einem der Uhrzeigerbewegung entgegengesetzten Sinne, für den
nordöstlichen St. Lorenz-Golf; denn auf der Strecke zwischen ‘‘
Heath Point und Kap Whittle hat das Wasser, besonders natürlich
in den tieferen Schichten, eine Tendenz, nach Süden und Südosten zu setzen,
wie wir oben bei der Specialbesprechung von Station „A“ sahen; Kapt. Macauly
fügt hinzu, dafs die Schiffe zwischen Heath Point und Kap Whittle durch Nord-
westwinde viel stärker nach Süden getrieben werden‘ als. durch Südostwinde
nach Norden. Ve
Dicht unter dem Ostende von Anticosti freilich geht ein Ueberschufs von
Wasser nach Westen (siehe Stationen „B“ und „H“), so dafs man annehmen
kann, dafs ein Theil des von Kap Whittle her kommenden Wasserquantums in
die Gaspe-Straße mit Westnordwestrichtung hineinbiegt, Ersatz für das an der
Gaspe-Küste südwärts strömende Wasser bringend, der andere Theil aber nach
Süden weiter geht.
_ Fafst man alle diese einzelnen Ergebnisse zu einem Gesammtbilde zu-
sammen, so ergiebt sich die in unserer Kartenskizze eingetragene Cirkulation;
doch sei nochmals betont, dafs in diesen Richtungen nur die „Tendenz“
des Wassers zum Ausdruck kommt, eine Tendenz, die häufig genug
durch anders gerichtete Bewegungen verdeckt und gehemmt wird,
zumal an der Oberfläche. ;
Soviel ist auch durch die neuen Aufnahmen des Jahres 1896 wiederum klar
geworden, dafs eine — wie die alte Theorie wollte — durchgehende kalte Strömung
aus dem Atlantischen Ozean durch die Belle Isle - Strafe zur Cabot-Straßse und
wieder hinaus zum Atlantischen Ozean sicherlich nicht existirt; es ist ferner be-
achtenswerth, daß, soweit die Beobachtungen schliefsen lassen, die Gesammtheit
der beschriebenen Bewegungen nicht in gröfsere Tiefen als höchstens 50 oder
60 Faden (90 bis 110 m) hinabreichen, dafs man also die noch tiefer gelegenen
Wassermassen des St. Lorenz-Golfes im. Wesentlichen als bewegungslos sich vor-
stellen darf.
Neues Signalsystem für Sturmwarnungen an der chinesischen Küste.
Das Observatorium von Zikawei bei Shanghai ist den Seefahrern durch
Einrichtung eines Zeitballes in Shanghai, seine zahlreichen und gründlichen Unter-
suchungen über die Stürme und das Wetter in den chinesischen und benachbarten
Meeren, sowie die Einrichtung von Sturmsignalen bekannt. Unter den Seeleuten,
die an der chinesischen Küste fahren, haben die verschiedenen Direktoren mit
Erfolg eine Anzahl von freiwilligen Mitarbeitern zu werben verstanden, die, mit
guten Instrumenten ausgestattet, regelmäfsig Beobachtungen aus See einsenden, die
in Zikawei bearbeitet werden. Diese Arbeiten sind theils als Veröffentlichungen
von Zikawei, theils als solche der Meteorologischen Gesellschaft in Shanghai er-
schienen. Aufser vielen Untersuchungen über die Sommerstürme (Taifune) sind
auch mehrere Abhandlungen über die Winterstürme erschienen. Ueber diese
Arbeiten ist von Zeit zu Zeit in diesen Annalen berichtet worden, zuletzt im
Jahrgang 1896, Seite 427, unter: „Taifun-Zugstrafsen im fernen Osten, No. 1.
Am Südende der Formosa-Straße vorbei“,
Vom 1. Januar 1898 an wird nun das frühere Sturmsignalsystem an der
chinesischen Küste durch das folgende, der Direktion der Seewarte mit der Bitte
um möglichst weite Verbreitung zugegangene ersetzt werden.
Bemerkungen zu den Tabellen.
1. Diese durch die Telegraphen-Gesellschaften übermittelten Telegramme
werden mit denselben Zahlen an den Semaphorstationen der die Warnungen er-
haltenden Häfen wiedergegeben werden. Die Buchstaben und Zahlen sind die
des internationalen Signalbuches bezw. des Marryatschen Signalsystems,
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