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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1897.
Die Fläche, welche im Somwer 1896 des Näheren untersucht wurde, ist
ungefähr so grofs wie die des Englischen Kanals; die transatlantischen Dampfer
queren sie auf einer fast graden Linie, welche Heath Point (Anticosti) und die
Belle Isle-Strafse verbindet; die Stationen A, B, C, D, E und H liegen alle ganz
in der Nähe dieser Dampferroute.
Alle Richtungsangaben in den folgenden Zeilen sind magnetisch,
die Variation schwankt zwischen ungefähr 29° W-Lg (bei Anticosti) und 34 bis
35° W-Lg (bei der Belle Isle-Strafse).
Im Allgemeinen ist das Ergebnifs für den nordöstlichen "Theil des
St. Lorenz-Golfes das zu erwartende, wenn man sich erinnert, dafs nach den
Aufnahmen in der Belle Isle-Strafse vom Jahre 1894 dort nur Gezeitenbewegungen
gefunden worden waren.!) In dem Gebiet zwischen dieser Meerenge und Anticosti
sind die Strömungen zu allen Jahreszeiten aufserordentlich veränderlich in der
Richtung, weniger in der Stärke, die immer eine mäfsige ist von */2 bis (sehr
selten) 1 Knoten in der Stunde. In dem Theile des Golfes, welcher nach der
Gaspe-Küste, St. Paul und der Cabot-Strafse zu liegt, ist, wie wir sahen,“) um-
gekehrt die Richtung des fließfßsenden Wassers vergleichsweise recht konstant,
dagegen die Schnelligkeit sehr veränderlich. Wir beginnen, Dawsons Bericht
folgend, mit Station „C“, auf welcher der Dampfer „Lansdowne“ im Ganzen
176 Stunden‘ lang verankert war, einmal in den letzten Tagen des Juli, und
sodann Mitte August nochmals.
Es ergab sich, dafs die Oberflächenströmung auf der Höhe von Kap
Whittle im Ganzen nach westlichen Richtungen setzte; jedoch kommen unter
dem Einflusse der Gezeit und des Windes schliefslich Bewegungen nach fast allen
Himmelsrichtungen vor. Im Juli wurden während 61 Stunden, welche 5 Tiden
von Hochwasser zu Hochwasser einschlossen, 3 Rundläufe der Stromrichtung
von SO über West nach NO beobachtet;- es wird daraus, - dafs die Periode der
Gezeit eine andere ist als die des Stromumlaufs, klar, dafs es sich nicht direkt
um Gezeitenströme handelt, aber die Regelmäfsigkeit des Wechsels der Strom-
richtung ist auf Gezeiteneinflufs zurückzuführen. Die zuerst erwähnte Tendenz
des Wassers, nach Westen zu fliefsen, zeigte sich erst in der Summe aller Beob-
achtungen und besonders in der Unterströmung von 20 Faden (36,6 m) Tiefe an.
Summe der Geschwindigkeiten (in Knoten) an Station „C“ in
der Tiefe 20 bis 30 Faden (36,6 bis 54,8 m):
nach
swl w |xw| x |xo[| o | so
08 | 03 | 1,6 | 23 | 18 | 11 | 12 | 04
Auf Station „A“, welche halbwegs zwischen Kap Whittle und dem Ostkap
von Anticosti liegt, nahın während der 130 stündigen Beobachtungszeit der Strom,
wie bei „C“ nach rechts (mit dem Uhrzeiger) über die Kompafsrose drehend,
fast alle Richtungen an, doch ist auch hier ein Uebergewicht deutlich, schon in
der Oberflächenströmung, und zwar für die Bewegungen nach Süden,
Die Stationen „B“ und „H“ liegen nahe beieinander auf der Höhe des
Ostkaps, und zwar „B“ in einer Entfernung von 24 Sm von demselben, „H“ in
einer solchen von nur 13 Sm. Aufenthalt vor Anker: 180 Stunden. Die Ober-
Aächenströmung hatte noch ungefähr den gleichen Charakter wie bei „A“ und „C“,
doch veränderte sich hier die Stromrichtung unter Umständen auch in einer der
Uhrzeigerbewegung entgegengesetzt verlaufenden Weise, auch kamen zweimal
plötzliche Wechsel zwischen Ost- und Westrichtung vor. Unter Beziehung auf
die Gezeiten von SW-Point läfst sich sagen, dafs drei Stunden vor und nach
Niedrigwasser der Unterstrom im Ganzen nach NO und Ost setzt (wechselnd
zwischen NzW und 0SO), drei Stunden vor und nach Hochwasser aber nach SW
und West (wechselnd zwischen Süd und NW). Hier hat also die Unterströmung,
im Gegensatz zu der Situation bei „A“ und „C“, wirklichen Gezeitencharakter,
Z
Siehe I. Bericht in dieser Zeitschrift, 1596, S. 225 ff.
Siehe II. Bericht in dieser Zeitschrift, 1897, S. 118 f.