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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Die Witterung an der deutschen Küste im Dezember 1896. 
A7 
Milde und kalte Witterung wechselten ungefähr wochenweise mit einander 
ab, so dafs warme und kühle Tage durchschnittlich etwa gleich häufig vorkamen; 
da aber die Temperatur stets nur um Weniges zu hoch, mehrfach aber erheblich 
zu tief lag, so mufste sich ein zu niedriges Monatsmittel ergeben. Am Morgen 
lag die Temperatur am 1., 8. bis 14., 26. bis 29. und 31. über den normalen 
Werthen, am 2. bis 7. und 16. bis 23. darunter. In ihrem Verlaufe zeigten die 
Morgentemperaturen ein Sinken bis zum 3. oder 4., an den meisten Stationen 
traten die niedrigsten Temperaturen des Monats ein, und nur vereinzelt folgte 
späterhin noch eine Reihe von ähnlich kalten Tagen. Nachdem die Morgen- 
temperaturen am 7. oder 8, wieder nahezu die Werthe vom Anfang des Monats 
erreicht hatten, blieben sie bis zum 15. hoch, dann folgten vom 16. bis 19. 
kältere Morgen, zumal am 19., wo im Osten strenge Kälte herrschte. Wieder 
stieg die Temperatur rasch an und lag schon am 20. morgens dem Gefrierpunkt 
wieder benachbart, um dann, abgesehen von kleineren Schwankungen, bis zum 
27. oder 28. langsam anzusteigen, worauf am 29. und 30. nochmals. vorüber- 
gehend eine Erniedrigung eintrat. Während die Temperatur an der Nordsee 
nicht unter — 6° sank, kamen östlich von der Oder Frostiemperaturen unter 
10°, in Memel als niedrigste Temperatur — 17° vor. 
Die Schwankungen der Temperatur von Tag’ zu Tag erreichten stellenweise 
sehr grofse Werthe, Aenderungen um mehr als 10° erfolgten in Neufahrwasser 
vom I. zum 2. um —14,5°, vom 6. zum 7. um +14,1° und vom 19, zum 20, 
um -+12,3°, in Memel vom 1. zum 2. um —16,2°° und vom 18. zum 19. 
um — 12,1°. 
Abgesehen von der östlichen Ostsee am 1. und der westlichen Ostsee am 5. 
hatte die Küste bis zum 6. vorwiegend trockenes, die Nordsee vielfach nebeliges, 
die Ostsee meist heiteres Wetter. Weiterhin erfolgten fast täglich Niederschläge, 
ausgenommen, wenn von geringfügigen Niederschlägen abgesehen wird, an der 
Nordsee am 17., 18, und 22. bis 25. und an der Ostsee am 17., 22. bis 25,, 
28. und 29. Sehr ergiebige (20 mm übersteigende) Niederschläge fielen am 7. 
in Wismar (21), am S. in Wittower Posthaus (23), am 10. in Munkınarsch (22) 
und am 11. in Tönning (21). Die Nordseeküste hatte vom 6. ab sehr häufig, 
stellenweise fast täglich Nebel; über die ganze Küste ausgebreiteter. Nebel herrschte 
am 10. bis 13., während an der Ostsee sonst nur noch am 9., 19., 25., 28. 
und 31. ausgebreiteter Nebel auftrat. Gewitter wurden nicht beobachtet. 
Stürmische südwestliche Winde, Stärke 8 und vereinzelt 9, wehten in der 
Nacht vom 26. zum 27. an der Nordsee und westlichen Ostee, sowie über 
kleinerem Gebiete an den mittleren Theilen der Küste am 21., an der nördlichen 
Nordsee am 30. und im Osten am 1., 16, 17. und. 30. 
Durch Häufigkeit des Vorkommens traten überall die Winde aus südlichen 
Richtungen, meist die Südost-, in schwächerem Grade die Süd- und Südwestwinde 
hervor, während die Windrichtungen aus WNW—NNE selten beobachtet wurden. 
Zu Anfang des Monats herrschte milde Witterung an der Küste, bei 
nordwestlichen Winden; ein Hochdruckgebiet erstreckte sich, SSE—NNW ge- 
richtet, über die Mitte Europas, während Depressionen im Westen und Osten 
lagerten. Als das Gebiet hohen Druckes ostwärts fortschritt, traten am 2. süd- 
östliche Winde ein, die bis zum 7. anhielten und kaltes Wetter bedingten. 
Die im Westen liegende Depression breitete sich über ganz Europa aus; ein 
tiefes Minimum durchschritt am 5. und 6. vom Kanal her kommend England 
und verschwand dann nordwestwärts, während ein nachfolgendes Minimum am 
6. und 7. vom Kanal her durch Nordwestdeutschland nach der südlichen Ostsee 
vordrang. Hier erhielt sich ein Gebiet niedrigen Luftdruckes am 8. bis 10., 
zunächst als Ausläufer in Verbindung stehend mit dem die britischen Inseln 
bedeckenden Depressionsgebiet, während der Luftdruck über Südeuropa stieg, 
80 dafs südwestliche Winde wehten, die Niederschläge und Erwärmung herbei- 
ührten. 
Das milde Wetter hielt auch noch am 11. bis 14. und zum Theil auch 
am 15. bei Winden aus östlichen Richtungen an, die durch hohen Luftdruck 
über Nordeuropa hervorgerufen wurden, da die Winde oceanischen Ursprunges 
waren. Ein über der Nordsee liegendes und sein Gebiet über Nordwestdeutschland 
ausdehnendes Minimum bedingte nämlich in Verbindung mit hohem Druck über 
dem Süden des Kontinents die. Zufuhr oceanischer Winde nach der Mitte des
	        
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