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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Neumayer: Zur Geschichte der Pendelbeobachtungen. 
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der Pendellänge in Altona, wo früher schon die Gravitationskonstante ermittelt 
worden war,!) vorgenommen hatte, schien es mir wichtig, zu einer späteren 
Epoche abermals eine Vergleichung des Mafsstabes Lohmeyer auszuführen, um 
jede Annahme einer Molekularveränderung im Laufe der Zeit ausschliefsen zu 
können, was im Jahre 1880 von der Normal-Aichungs-Kommission und mit dem- 
selben Haupt-Normalmafsstab geschah. Das Ergebnifs dieser Vergleichung ist 
nahezu identisch mit jenem von Chisholm aus dem Jahre 1870. Es schien mir 
bei dieser Sachlage nicht möglich, zu einem definitiven Entschlufs bezüglich 
der anzuwendenden Korrektion zu kommen, und verzichtete ich damals darauf 
in der Hoffnung, dafs es möglich werden würde, in einigen Jahren abermals eine 
Vergleichung auszuführen, um die Korrektionen des Mafsstabes endgültig festzu- 
stellen. Im November 1895 wurde denn auch der Mafsstab Lohmeyer der 
Normal-Aichungs-Kommission wieder übergeben und durch Herrn Dr. Stadthagen, 
Mitglied der Normal-Aichungs-Kommission, eine abermalige Vergleichung mit dem 
Haupt-Kormalmafs 1605 und mit der Bronzekopie des Urmalfses B, bei den 
Temperaturen 10°, 16°, 23° und 30° C. strengstens durchgeführt. Das Ender- 
gebnifs stimmte mit der Vergleichung aus dem Jahre 1869/70 sehr gut überein. 
Alle Vergleichungen wurden auf 58,0° Fahr. reducirt, und ergaben sich, 
wenn man die Vergleichung von Melbourne aus dem Jahre 1864 ganz aufser 
Acht läfst, folgende Differenzen: 
Gruppe aus der 2, Vergleichung . . . - 447 u 
Gruppe aus der 3. u. 5. Vergleichung + 459 46 
Gruppe aus der 4. Vergleichung . . — 437 4 
Gruppe aus der 6. Vergleichung . A 437 u 
Gruppe aus der 7. Vergleichung . —- 442 u 
Das Mittel aus allen Vergleichungen = + 444,4 u 
und aus den Abweichungen vom Mittel +— 268w 
Es ergiebt sich aus diesen Vergleichungen, dafs daraus ein Gang, etwa 
abhängig von der Zeit, nicht nachweisbar ist, die Differenzen vielmehr sich aus 
Beobachtungsfehlern, bezw. aus Unsicherheiten in den Einstellungen u. 8. w. ergeben 
müssen. Diese Unsicherheit liegt in einigen Mängeln des Pendelmafsstabes be- 
gründet. Diese Mängel mögen in folgender Weise definirt werden: Zunächst 
sei erwähnt, daß die Striche direkt auf Bronze gezogen und nicht bestimmt 
genug begrenzt sind, so dafs ihre Schärfe nur für eine ungefähr zehnfache Ver- 
größerung ausreicht. Ferner zeigt der Stab eine Krümmung mit einer Pfeilhöhe 
von etwa 0,5 mm, und zwar in dem Sinne, dafs die Theilfläche konvex ist, so 
daß unter bestimmter Auflagerung des Mafsstabes eine Unsicherheit von 0,02 mm 
nicht ausgeschlossen ist. Es läfst sich natürlich nicht mehr sagen, ob diese 
Krümmung ursprünglich vorhanden war oder im Laufe der Zeit sich erst heraus- 
bildete?) und ob die Auflagerung beim Vergleichen in allen Fällen die gleiche, 
oder verschieden war. Eine Unsicherheit innerhalb der angegebenen Grenzen ist 
daher nicht gänzlich ausgeschlossen, jedoch kann als ein der Wahrheit sehr nahe 
kommendes Endergebnifs angenommen werden, dafs der Pendelmafsstab Loh- 
meyer bei 58° Fahr. eine Länge von 1000-445 mm hat und auch wohl von 
Anfang an hatte. Würde man die ursprüngliche Vergleichung zur Bestimmung 
der Pendellänge herangezogen haben, so würde sich dieselbe zu 992,8641 mm 
ergeben haben, während sie nach der letzten Vergleichung 992.9178 mm, auf 
das Meeresniveau reducirt, beträgt, Es beweist dies zur Genüge den von mir 
gleich zu Anfang aufgestellten Satz, dafs in der Unsicherheit der Mafsver- 
gleichung die Hauptauelle dafür zu suchen ist, dafs Pendelbeobachtungen als Mittel 
zur Bestimmung der Figur der Erde in der Werthschätzung sehr heruntergegangen 
waren. Wenn das aber, wie in dem vorliegenden Beispiele gezeigt, in den 
letzten 30 Jahren, wo man doch sehr viel für die Vergleichung der Maßstäbe in 
allen Kulturländern gethan hatte, geschehen konnte, um in wie viel höherem 
Grade mul dies in jener Zeit gewesen sein, wo Pendelbeobachtungen häufig und 
an verschiedenen Orten der Erde ausgeführt worden sind, sagen wir in der 
ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. ; 
1) Im Sept., Oktober 1828 von Sabine. 
2, Jedenfalls wurde sie bei früheren Untersuchungen nicht konstatirt.
	        
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