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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

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Annalen. der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1897, 
Pendel, welches ganze Sekunden schlug, auf einer massiven Bohle von 6 Zoll Dicke, 
welche zwischen zwei Mauern eingemauert war, schwang, also ein Mitschwingen nicht 
stattfinden konnte, was auch durch das Anbringen eines feinen Libellenapparates 
noch Kkonstatirt werden konnte. Bei den nach gegenwärtigen Anschauungen 
nicht unerheblichen Anfangsschwingungsweiten des Pendels, welche ich anzuwen- 
den genöthigt war, ist dagegen das Gleiten der Schneiden auf den Achatunter- 
lagen nicht gänzlich ausgeschlossen, jedoch sind die hierbei in Betracht kom- 
menden Beträge zu klein, als dafs sie zur Krklärung der erwähnten Differenzen 
dienen konnten. Beobachtet wurde dasselbe nicht. 
Andererseits stimmten die zahlreichen Beobachtungsreihen, welche zum 
Theil unter verschiedenen Verhältnissen ausgeführt worden waren, nach der 
Reduktion so vollständig unter eivander überein, dafs eine Erklärung der 
Differenz, die ja bei allen in gleichem Sinne und gleichem Betrage zu fiuden 
war, nur durch Fehler der Korrektion des Mafsstabes gegeben werden konnte. 
Dafs ich, nachdem ich diese Thatsache erkannt, von einer Veröffentlichung Ab- 
stand nahm und meine ganze Sorgfalt darauf verwendete, die Vergleichung des 
Mafsstabes in strengster Weise und au verschiedenen Normalorten durchzuführen, 
wird Jeder begreiflich finden, der sich der grofsen Arbeit einer absoluten Pendel- 
längebestimmung unterzogen hat. 
Im Nachfolgenden soll ein Bericht über das erstattet werden, was ich im 
Interesse des angestrebten Zweckes durchzuführen für nothwendig erachtete. 
Vorher mufs daran erinnert werden, dafs die Vergleichung der Normalmafse 
verschiedener Länder untereinander erst möglich wurde, als durch die Einrich- 
tung der Kaiserlichen Normal-Aichungs-Kommission in Berlin und des „Institut des 
poids et mesures“ in Breteuil Stellen geschaffen worden waren, welche 
authentische Vergleiche verschiedener Mafsstäbe auszuführen in der Lage sich 
befanden. Und auch dann befand sich die Vergleichung ınit den englischen 
Normalstäben unerachtet der eingehenden Arbeiten von S. Hassler!) ziemlich 
im Dunkeln, was erst nach der oben angeführten Einrichtung und dem An- 
schlusse Englands an dieselbe aufgeklärt werden konnte. 
Es wurde schon erwähnt, dafs die Vergleichung des Pendelmafsstabes mit 
den „standard bars“ des geodätischen Bureaus in Melbourne Resultate ergab, welche 
nicht ohne Weiteres angenommen werden durften, wenn nicht eine erhebliche 
Unsicherheit in die Endergebnisse hineingetragen werden sollte. Diese erste 
Vergleichung blieb daher zunächst aufser Acht und sollte aber sobald als möglich 
eine Verifikation erfahren. Im August des Jahres 1869 bot sich eine Gelegenheit 
durch die Güte des Herrn Geheimrath Foerster dar, den Mafsstab Lohmeyer 
mit dem Haupt-Normalmeter der Kaiserl. Normal-Aichungs-Kommission No. 1605 
zu vergleichen, Die Ergebnisse waren von den früher in Melbourne erzielten so 
abweichend, dafs es nothwendig erschien, die Vergleichung in eingehendster 
Weise vom Dezember 1869 bis Januar 1870 durch die Güte des Herrn Geheim- 
vath Foerster und mit demselben Haupt-Normalmafsstabe ausführen zu lassen. 
Hier ergaben sich abermals nicht unerhebliche Differenzen gegen die früher dort 
ausgeführte Vergleichung, so dafs es nun unabweisbar schien, auch im „Standard 
Office“ in London die Konstanten des Mafsstabes Lohmeyer zu ermitteln. Durch 
die Güte meines hochverehrten Gönners Sir Edward Sabine und des 
damaligen Chefs des Standard Office, Herrn A. W. Chisholm wurde es mir in 
vergleichsweise kurzer Zeit möglich, nachdem ich selbst dieserhalb im Mai 1870 
nach London gereist war, eine Vergleichung mit den Royal standard bars zu 
erhalten. Diese Vergleichung gab einen etwas niedrigeren Werth als die in 
Berlin ausgeführten, zeigte aber unwiderleglich, daß die in Melbourne ausge- 
führte unmöglich zutreffend sein konnte. Der Unterschied war auch so beträcht- 
lich, dafs man eine Molekularveränderung des Mafsstabes, woran anfänglich gedacht 
worden war, zu dessen Erklärung nicht annehmen konnte. Um aber in jeder Ilin- 
sicht sicher zu gehen, wurde abermals im Jahre 1872 von der Normal-Aichungs-Kom- 
mission eine Vergleichung mit dem zum Oefteren genannten Haupt-Normalmafsstab 
1605 ausgefürt. Das Ergebnils war nahezu identisch mit jenem von 1869/70. Als 
Professor Peters der Jüngere im Jahre 1869 mit demselben Apparate, welchen 
ich zur Pendelbestimmung in Melbourne benutzt hatte, auch eine Bestimmung 
S. HMassler, Comparison of weights and measures, Washington, 1832.
	        
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