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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Neumayer: Zur Geschichte der Pendelbeobachtungen, 
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möglich auszuführen. Auch für die hinsichtlich der Konstruktion des Pendels zu 
ergreifende Entschliefsung war der Rath meines hochverehrten Freundes Peters 
bestimmend, Nach seiner Ansicht mußte man danach trachten, die von Bessel 
nach Beendigung seiner berühmten Beobachtungen vorgeschlagene Einrichtung 
des Reversionspendels zu wählen.!) Danach war das Bohnenberger-Katersche 
Reversionspendel so zu konstruiren, daß es vollkommen symmetrisch gestaltet 
war und die Gleichzeitigkeit der Schwingungen in beiden Lagen nicht durch ein 
verschiebbares Gewicht, sondern durch symmetrisches Kürzen der Enden der 
Pendelstange bewirkt wurde. Es wird später darauf zurückgekommen werden 
und sei hier nur erwähnt, dafs sich Prof. Peters der Mühewaltung der Angaben 
im Einzelnen der Konstruktion, welche von dem bekannten Mechaniker‘ Julius 
Lohmeyer in Hamburg ausgeführt wurde, unterzog; unterdessen war ich bereits 
an dem im Jahre 1858 in Melbourne errichteten Observatorium thätig. Anfang 
der 1860er Jahre gelangte das Lohmeyersche Pendel mit Mafsstab in meine 
Hände; die Beobachtungen wurden im Jahre 1863 in den Monaten Juli bis Ok- 
tober in Montpellier Terrace in der Nähe des Observatoriums in Melbourne von 
mir ausgeführt. 
Zur Geschichte der Pendelbeobachtungen zurückkehrend, ist es von beson- 
derer Bedeutung, dafs Ende der sechziger Jahre durch den bekannten Geodäten 
Prof. Dr. Philipp Fischer in Darmstadt an der Hand des sämmtlichen damals 
vorhandenen Materials die Bedeutung der Pendelbeobachtungen für Unter- 
suchungen über die Gestalt der Erde nachgewiesen und darauf gedrungen wurde, 
aufs Neue in ausgedehnterem Mafßse Pendelbeobachtungen auszuführen. Die in 
diesem Werke niedergelegten Untersuchungen sind von bahnbrechender Bedeu- 
tung, und mufs für Fischer das Verdienst beansprucht werden, diesen wichtigen 
Gegenstand wieder in die richtigen Wege geleitet und zur allgemeinen Aufnahme 
geführt zu haben.?) 
Nach meiner Rückkehr von Australien im September 1864 hatte ich das 
Glück, bei meinem verehrten Freunde Peters in Altona eine Anzahl hervor- 
ragender Geodäten kennen zu lernen und mit ihnen über die Wichtigkeit von 
Pendelbeobachtungen zu sprechen, wobei meine, während der Beobachtungen in 
Melbourne gemachten Erfahrungen sich von einigem Werthe erwiesen, Kurze 
Zeit nachher tagte in Berlin die Europäische Gradmessungs-Kommission (im 
Oktober 1864), welche Pendelbestimmungen nunmehr wieder durch deren Auf- 
nahme in das allgemeine Arbeitsprogramm zu dem : einstigen Ansehen verhalf. 
Wie man dabei verfuhr, welche Fehlgrife — namentlich in Beziehung auf die 
Konstruktion und Stabilität der Instrumente — in der Folge gemacht wurden, 
gehört nicht hierher, und gehe ich nun zu dem eigentlichen Gegenstand meines 
heutigen Vortrages über. 
Sobald alles Erforderliche für die Berechnung der Beobachtungen vor- 
bereitet und eingehende Besprechung über den dabei zu befolgenden Weg 
verabredet worden war, wurde unverzüglich an die Reduktion der Beob- 
achtungen geschritten. Diese Arbeit wurde unter Prof. Peters’ und meiner 
Leitung von dem verstorbenen Astronomen Dr. H. Oppenheim ausgeführt und 
wareh in ihren wesentlichen Resultaten zu Ende des Jahres 1867, also zur Zeit 
des Erscheinens des Fischerschen Werkes, beendet. Das Studium dieses inter- 
gssanten Buches regte in mir die Zweifel an, das Ergebnifs meiner Beobach- 
tungen müsse, da es allzu erheblich von den theoretischen Deduktionen abwich, 
mit einem Fehler behaftet sein, der seinem Wesen nach zu entdecken war. Da 
der Aufstellungsort in Monpellier Terrace tadellos war, Erschütterungen und 
rasche Temperaturwechsel nicht stattfinden konnten vermöge der Konstruktion 
des Beobachtungszimmers, die Koincidenzuhr durch elektrische Verbindung mit den 
Uhren der Sternwarte stets kontrolirt werden konnte und im Uebrigen auch von 
vorzüglicher Qualität war, so konnte nach meinem Ermessen der Fehler nur in 
der Vergleichung, bezw. in der genauen Kenntnils des zu den Vergleichungen 
benutzten Mafsstabes liegen. Dabei ist zu erwähnen, dafs das Mitschwingen des 
Stativkopfes des Pendelapparates dadurch gänzlich ausgeschlossen war, dafs das 
1 „Untersuchungen über die Länge des einfachen Sekundenpendels von F, W. Bessel. (Be- 
sonders abgedruckt a. d. Abhandl, der Akad. zu Berlin von 1826, $ 31, Seite 96 und £.) 
21 Untersuchungen über die Gestalt der Erde von Dr. Philipp Fischer. Darmstadt 1868, 
Ann. d. Hvdr. ete.. 1897. Heft XI
	        
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