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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1897
15 Tagen von 40° N-Br, sie ist also von „Thalia“ ausgekreuzt worden um fast
24 Stunden.
Nach der Zusammenstellung auf Seite 844 des „Segelhandbuches für den
Stillen Ozean“ hat „Thalia“ von der Linie nach Lizard eine Mittelreise gemacht,
„Selene“ das Mittel um fast 3 Tage über-, „Thekla“ unterschritten.
Die polare Grenze des Nordostpassates liefs sich nicht mit auch nur an-
nähernder Genauigkeit feststellen, da bei allen Schiffen, mit Ausnahme vorn
„Esmeralda“, der Uebergang ganz allmählich erfolgte.
Wir geben im Folgenden noch eine Zusammenstellung der drei Haupt-
reise-Abschnitte.
„Selene“ „Thalia“ „Esmeralda“ „Thekla“
Iquique — Kap Horn. . 23,5 22.9 25,6 24,0
Kap Horn— Linie. 2... 27,7 27,7 28,6 26,0
Linie — Lizard. ........ 392 36,6 44,7 33,6
Gesammtreise Iquique— Lizard 90,2 87,2 98,9 . 83,6
Die eingangs aufgeworfene Frage, wodurch es „Thalia“ gelang, die
schnellere „Selene“ zu schlagen, beantwortet sich zum Theil dadurch, dafs „Selene“
bei stärkerem Wind entschieden nicht so viel Segel vertrug als „Thalia“, in der
Hauptsache aber durch das Verhalten beider Schiffe im Nordostpassat.!') Während
„Thalia“ möglichst nahe beim Wind nur Nord zu machen strebt, hält „Selene“
voller weg und verliert so die günstigeren Windverhältnisse, welche „Thalia“
weiter östlich findet, so dafs diese allein zwischen 30° bis 40° N-Br 1,5 Tage
gegen „Selene“ gewinnt, Wie die von Anfang an östlichere Stellung „Thalia“
auch vor dem Kanal begünstigt, ist weiter oben gezeigt worden.
Das Vollschiff „Thekla“ hat auf dem Wege von Iquique bis zur Linie
gegen „Esmeralda“ 4 Tage gewonnen, gegen „Selene“ einen Tag und mit
„Thalia“ sich gleich gehalten. Es hatte von Iquique bis 30° S-Br grofsen Zeit-
verlust, den sein besseres Segeln bis Kap Horn nahezu wieder einbrachte;
zwischen 30° bis 20° S-Br im Atlantischen Ozean rührt der Verlust vermuthlich
daher, dafs „'Thekla“ zu weit östlich ging.
Den Gewinn brachte „Thekla“ auch erst die letzte Reisestrecke, wo sie
infolge der gewählten viel östlicheren Route, obgleich sie auf derselben durch-
schnittlich leichtere Winde antraf als ihre westlicheren Mitsegler, und ihrer
überlegenen Schnelligkeit schneller vorwärts kam als diese.
Ks gewann (+) verlor (—) Tage:
„Thekla“ gegen „Chalia“ gegen
N-Br „Thalia“ „Selene“ „Selene“
09—10° + 0,02 + 0,25 + 0,23
10° —20° + 2,25 + 1,88 — 0,42
20°—30° + 2,14 + 2,81 + 0,67
30°—40° — 0.15 + 1,35 + 1,50
40°—Lizard — 1,062) — 0,57% -+ 0,49
Linie—Lizard + 4,20 + 5,67 + 2,47
Aus dieser Zusammenstellung ergiebt sich der Vortheil, welchen eine
östliche Route im Nordostpassat gegenüber einer westlichen im November bietet,
ein Beweis für die Richtigkeit des im „Segelhandbuch für den Stillen Ozean“,
Seite 843 im zweiten Absatz, Ausgeführten, das auch noch durch das Verhalten
der eisernen Hamburger Bark „Atalanta“, J. M. Kröger, belegt werden möge.
„Atalanta“ hatte die Linie am 10. XI. 1896 in 29° W-Lg geschnitten, am 15. nach
5,2 Tagen 10° N-Br in 30° W-Lg, am 21. nach 6 Tagen 20° N-Br in 32° W-Lg.
Von hier verfolgte sie denselben Weg wie vor ihr „Thekla“, recht nach Norden,
überschritt am 25. nach 4 Tagen 30° N-Br in 29° W-Lg und bekam am 26. in
34° N-Br Nordnordwest- bis Westsüdwestwind, der am 29. und 30. auf SW und
SO zurückdrehte. Mit diesen Winden passirte sie am 30. nach 5 Tagen 40° N-Br
in 21° W-Lg und erreichte, nachdem am 1, XII. in 43° N-Br und 19° W-Lg
wieder Nordwestwind eingesetzt hatte, am 8. nach 8,5 Tagen die Höhe von
Lizard. Vom 2. bis 6. XII. hatte „Atalanta“ drei sehr schwere Weststürme
N” Vgl. „Segelhandbuch für den Stillen Ozean“, S. 841, letzter Absatz, und „Segelhandbuch
für den Atlantischen Ozean“, S. 553.
2 Beim Kreuzen verloren (siehe oben?.