Meufs: Gleichzeitige Heimreisen deutscher Segler.
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Gleichzeitige. Heimreisen deutscher Segler von der Westküste
Südamerikas.
Im September 1896 traten fast gleichzeitig drei Hamburger eiserne Bark-
schiffe die Heimreise von Iquique an; „Esmeralda“, P. Schober, am 2., „Selene“,
F.. H. Israel, am 4., „Thalia“, A. Behnert, am 5. Sie wurden auf der Reise
überholt von dem eisernen Hamburger Vollschiff „Thekla“, C. Gries, welches
erst am 11. September Iquique verlassen hatte und schon am 3. Dezember nach
einer Reise von 84 Tagen die Höhe von Lizard erreichte, während „Thalia“
nach 87 Tagen am 2., „Selene“ nach 90 Tagen am 3. und „Esmeralda“ nach
99 Tagen am 10. Dezember dort eintraf. Wie die Zusammenstellung des mittleren
Verlaufes der Reisen von den Salpeterhäfen nach Kap Horn und weiter nach
dem Kanal im „Segelhandbuch für den Stillen Ozean“ (Seite 720). ergiebt, über-
schritt „Esmeralda“ die mittlere Reisedauer von 98 Tagen für den Abfahrts-
monat September um einen Tag, während die übrigen Schiffe kürzere Zeit
brauchten. Die „Thekla“ erwies sich auf der Heimreise als bester Segler von
den vier Schiffen.
Nach den auf der Wache bei gleichen geschätzten Windstärken durch-
schnittlich gut gemachten Distanzen, stellte sich das Verhältnifs folgendermaßen:
Gegen „Thekla“ gewinnt (-+) bezw. verliert (—) auf der Wache in
Seemeilen
beim Wind raumschoots bakstags - vor dem Wind
„Selene“ +01 —23 . +11 . +17
„Esmeralda“ —3,4 —3,3 — 1,0 +05
„Thalia® — 5,5 — 3,7 —22 +0,25
„Thalia“ bleibt also an Durchschnittsfahrt gegen „Selene“ ganz wesentlich
zurück, während „Esmeralda“ etwas schneller als „Thalia“ ist. Wodurch es der
langsameren „Thalia“ gelang, dennoch die „Selene“ zu überholen, wird im
Folgenden zu untersuchen sein.
Es werden nunmehr die einzelnen Reiseabschnitte des Näheren beleuchtet,
wobei „Thekla“, obgleich sie erst später die vorausgesegelten Schiffe einholte,
von Anfang an mitbehandelt wird.
Auf der ersten Hauptstrecke von Iquique bis Kap Horn schnitten:
&_Br
30°
40°
RO°
Kap Horn
„Selene“*
W-Le | Tage
84,5° | 7,5
82,3° | 5,5
82,3° | 5,0
S-Br
56,4°
„Chalia“
| W-Lg | Tage
82,0°
84,1°
32,2°
S-Br
57,6°
7,0
5,85
3
AR
„Esmeralda“
W-Lez | Tage
8360| 9,4
82,3° | 54
83,0°| 5,9
S-Br
57,5°
„Thekla“
- W-Lg | Tage
82,2° | 11,2
935,8° | 46
84,1° | 4,2
S-Br
5750
fr. 1X.) 23,3 jes. 1x.) 22,9 es. 1X. 25,6 [5% | 24.0
. Am 10. verlieren „Selene“, „Esmeralda“ und „Thalia“ den bis dahin nur
leichten Südostpassat, erstere beide in 27° S-Br und 84° bezw. 83,2° W-Lg, letztere
in 26,6° S-Br und 81,6° W-Lg. : „Selene“ und „Esmeralda“ überschritten am 11. vor-
mittags den 30° S-Br, erstere nach 7,5 Tagen, letztere, die unter Land zwei Tage
durch Stille und Flaute aufgehalten wurde, nach 9,4 Tagen, während „Thalia“ mit
7,0 Tagen am selben Nachmittage folgt. Während „Thalia“ nur bis 82° W von
Land abgegangen ist, hat „Selene“ den 84. Längengrad westwärts überschritten
und „Esmeralda“ denselben fast erreicht. „Esmeralda“ geräth am 12, in 31,5° S-Br
und 83° W-Lg in eine Depression, welche. mit stürmischen Südwestwinden,
Stärke 8-10, . das Vorwärtskommen des Schiffes: namentlich am 13.—14. stark
beeinträchtigte. Die am 12. nur wenig nördlich von „Esmeralda“. stehende
„Selene“ kam erst am 18. in.34° S-Br und 83° W-Lg, nachdem sie am 12, schon
Aun. d. Hyar. ete., 1897, Heft XIL