320 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1897.
Zuge abgenommen hatte, peilte das Feuer von Hueneme Point NOzN in ungefähr
8 Sm Abstand. Um 4 Uhr morgens peilten wir dieses Feuer in Nz0!%20. Die
ganze leichte Briese war inzwischen umgelaufen nach NE, und als die Sonne am
Morgen des 8. August aufging, herrschte Windstille. Diese hielt an, bis um
10 Uhr morgens leichter Seewind durchkam, der nachmittags allmählich auf-
frischte. Steuerten dabei längs der Küste nach Peilungen und Lothungen. Um
4 Uhr peilte Point Duma NNW etwa 4 Sm entfernt von uns. Um 6'42 Uhr
kürzten Segel, um die Fahrt des Schiffes zu ınäfsigen, weil Santa Monica und
auch die grofse Pier von Port los Angeles in Sicht waren. Um 7%1 Uhr nach-
mittags ankerte „Christine“ in 15,5 m (8!/2 Faden) Wassertiefe in der Nordnord-
westpeilung vom äufsersten Ende der langen Brücke. Kurze Zeit, bevor dies
geschah, war ein Schleppdampfer in die Nähe des Schiffes gekommen, um seine
Lootsendienste anzubieten. Der Kapitän nahm sie aber nicht an, weil schon
gleich darauf geankert wurde.
Während des bis zum 21. August dauernden Aufenthaltes der „Christine“
in Port los Angeles war das Wetter ziemlich beständig. Tagsüber wehte bei
hellem warmen Wetter die aus West bis WSW kommende Seebriese in Stärke 2
bis 4. Sie pflegte zwischen 9 und 10 Uhr morgens einzusetzen, um dann bis
gegen Sonnenuntergang, zu welcher Zeit sie allmählich an Stärke abnahm, zu
herrschen. Zwei Stunden nach Sonnenuntergang war es gewöhnlich ganz still.
Ringsum in der Kimm und an den Bergen hingen dann häufig dichte Nebel-
bänke, und nachts thaute es häufig ziemlich stark. Vereinzelt kamen auch
während der Nacht oder gegen Morgen östliche schwache Landwinde durch,
welche aber nur von kurzer Dauer waren. Die vorerwähnten Peilungen sind
mifsweisende.
Bemerkungen über den Hafen von Pointe des Galets
auf der Insel Reunion.
Das von Kapt. A. Scheepsma geführte Bremer Vollschiff „Adolf“ be-
fand sich am 31. Mai 1897, 37 Tage später als Saigon verlassen worden war,
in Sicht von der Nordküste von Reunion. Es wurden dort um 4 Uhr morgens
das Leuchtfener von Pointe des Galets rechtweisend SW*%/4S und gleichzeitig
Bel-Air S0!20 gepeilt. Nachdem das Schiff dann den ganzen Vormittag in
Stille steuerlos getrieben hatte, gelang es, bei der nachmittags durchkommenden,
leichten westlichen Briese sich dem Hafeneingange zu nähern. Um 2 Uhr wurde
der „Adolf“, der Quarantäne halber unter Lootsen- und Schleppdampfer-Hülfe,
an einer vor dem Hafen liegenden Boje festgemacht.
Der Hafen von Pointe des Galets, an der Nordwestseite der Insel
Reunion gelegen, ist, wie Kapt. Scheepsma’ weiter anführt, ein richtig ge-
grabenes Dock, welches mit schweren Geldopfern angelegt worden ist. Er
bat nur den grofsen Nachtheil, daß er zu hart an der See liegt, und da
draufsen kein Ankergrund ist, laufen die Wellenbrecher kaum über die
Strandlinie hinaus. Wenn nun im Winter die Umläufer im Passat stattfinden, so
entsteht durch die westliche Dünung ein bedeutender Grundsog im Hafen, wo-
durch die Schiffe an der Kaje schwer zu halten sind. Stahl- und Hanftrossen
sind gar nicht zu gebrauchen, Manilatrossen schon eher. Das einzig gute
Material ist aber Kokostauwerk, wovon die beiden dort anlaufenden franzö-
sischen Dampferlinien stets viele Trossen, bis zu 10 Zoll im Durchmesser hal-
tende, fertig liegen haben. Für Schiffe, die solche Trossen nicht besitzen, liefert
sie die Dockbehörde; diese läfst sich aber für jede Trosse täglich 50 Franks Miethe
zahlen. Sonst sind alle Einrichtungen nach europäischer Art angelegt. Die
Entlöschung geht sehr schnell vor sich, die Dockbehörde nimmt die Ladung in
Empfang, auch liefert sie den Ballast, und Reparaturen am Schiff, die über
Wasser sind, werden ebenfalls von derselben ausgeführt. Der Wasserstand wird
auf 7,3 m (24 Fuls) gehalten.