516 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1897,
1,5 Sm vom Badeort einen guten Ankerplatz, Lothungen, welche zur Kontrole der
in der Karte angegebenen Tiefen vorgenommen wurden, ergaben keine wesent-
lichen Abweichungen von letzteren. Zwei Lothungslinien sind in beiliegender Karte
(siehe Tafel 28) eingetragen, die Tiefen sind in Berücksichtigung einer Fluthhöhe
von 2 m auf Niedrigwasser reducirt. Die in südöstlicher Richtung von Land aus
laufende Lothungslinie ist in der Peilung: Hotelartiges Gebäude mit dahinter-
liegendem grauen Berg in NW!/2W ausgeführt, und ich kann dieselbe für Schiffe,
weiche auf 7 bezw. 8 m Wasser ankern können, als eine gute Peilungslinie zum
Ansteuern des Ankerplatzes bezeichen. Die Tiefen nehmen ganz allmählich ab,
so dafs das Loth einen sicheren Anhalt über die zu erwartenden Tiefen giebt.
Der Ankergrund ist unter Rocky Point Schlick und Mud, weiter südlich
und östlich Sand. Nach der von mir gemachten Erfahrung kann ich den Anker-
grund unter Rocky Point nicht als empfehlenswerth bezeichnen. Beim ersten
Ankern hielt der Anker nicht, sondern schlierte mit loser Kette über den Grund,
so dafs ich mich zu einer Wiederholung des Ankermanövers genöthigt sah.
Einige Hundert Meter weiter nach außen hielt der Anker bei allerdings gleich-
artigem Grunde.
Die auf der Karte verzeichneten zwei Baken (s. a. a. 0, 85.625) an der Mündung
des Yang-ho sind von See aus nicht zu erkennen. Ks sind dies voraussichtlich
nur kleine ins Wasser gerammte Pfähle, welche erst aus allernächster Nähe
sichtbar werden. Zahlreiche Dschunken liegen vor und in der Mündung des
Yang-ho und lassen bereits von Weitem die Lage des Flusses erkennen,
Auf Rocky Point befindet sich ein Feuerthurm. Derselbe ist im Leucht-
feuerverzeichnifs nicht aufgeführt, weil er nicht der Zollverwaltung untersteht.
Er ist viereckig, ungefähr 6m (20 Fufs) hoch und zeigt ein weißes festes Feuer.
Es wird durch einen chinesischen Priester unterhalten, welchem dafür seitens der
dortigen Fischer Abgaben in Gestalt von Fischen entrichtet werden. Die Leucht-
vorrichtung, welche ich selbst in Augenschein genommen, ist in der primitivsten
Weise eingerichtet und giebt dieselbe vielleicht eine Sichtweite von 3 bis 4 Sm.
Nach eingezogenen KErkundigungen soll das Feuer das ganze Jahr hindurch
brennen, doch giebt mir der Umstand, dafs ich mich schon während meines
kurzen Aufenthalts davon überzeugen konnte, dafs es eine Nacht nicht brannte,
berechtigte Veranlassung, die Aussage stark zu bezweifeln.
4. Die Bezeichnung des auf der englischen Karte 598 (Tit. XI, 93) im
Fort Ninghai gelegenen Gebäudes als Pagode ist unrichtig.
Die „Nachrichten für Seefahrer“ 1892, No. 44, berichten zwar noch von
dem Vorhandensein einer Pagode, doch ist das betreffende Gebäude nach ein-
gezogenen Erkundigungen keine Pagode, sondern der Tempel eines Wassergottes.
Porto Grande (St. Vincent) — Rio de Janeiro.
Aus dem Bericht S. M. S. „Gneisenau“, Kommandant Kapt. z. S, HOFMEIER. September—Oktober 1897.
Während des Aufenthaltes in Porto Grande (St. Vincent) vom 13. bis
16. September wehte ein starker Nordostpassat mit heftigen von den Bergen
herunter kommenden Böen. Während der Passat mit durchschnittlich Stärke 4
wehte, erreichten die Böen nicht selten 7, an einem Tage sogar 9. Es stand
infolgedessen ein heftiger Seegang, der zeitweilig ein Anlegen von Booten an
das Schiff unmöglich machte. Ankerplatz: Birds Island SW!/8S, St. Vincent
East Point Sz0'/20.
Die Reise wurde nach den Anweisungen des Segelhandbuches für den
Atlantischen Ozean ausgeführt und die Angaben desselben bestätigt gefunden.
Gleich nach ‚Verlassen von Porto Grande wurde frischer NW—W-Wind getroffen,
der auf etwa 12° N-Br in Stillen und leichte südliche Winde überging, so dafs
die Strecke bis 2° S-Br, wo man den Südostpassat traf, unter Dampf zurückgelegt
wurde. In den Kalmen traf man meist schönes Wetter und nur zweimal Regen
in nicht sehr bedeutenden Mengen zwischen 9° und 6° N-Br. Im Südostpassat
war das Wetter meist schön, die Windstärke 3 bis 4, nur am 29. September auf