Grossmann: Einige Sätze über das Verhalten von 'Thermometern. - 491
sicht neben einer richtig gehenden Taschenuhr mit Sekundenzeiger verlangen,
sind gewiß Viele berufen, hier durch eigene Experimente zur Förderung unseres
Wissens beizutragen. Jedenfalls wird aber die Beschäftigung mit dem Thermo-
meter in dem angeregten Sinne an sich Befriedigung hervorrufen müssen durch
den leicht gewährten Einblick in das so einfach verlaufende gesetzmäfsige
Treiben der auf- und absteigenden Flüssiykeitssäule.
Vertonungen.
Auf Tafel 26 giebt die Direktion zwei Vertonungen, welche mit den
meteorologischen Journalen eingereicht sind:
; 1. Von Kapt. Schoemaker, Führer des Schiffes „Carl“: Trinidad (Süd-
atlantischer Ozean) in $S'4O rw. in 22 Sm Abstand.
2. Von Kapt. J. H. Stage, Führer des Schiffes „J. C. Glade“: Maupiti
(Gesellschafts-Inseln) in SO0'/20 rw. in 12 Sm Entfernung.
Die Bestimmung der Deviation bei unsichtigem Wetter.
Anwendung der Methode: „Peilung eines entfernten Gegenstandes“ auf
kürzere Entfernungen bei Berücksichtigung‘ der Peilungsänderungen im Drehkreis
eines Schiffes von Strich zu Strich.
Die Bestimmung der Deviation ist eine den vorhandenen Einrichtungen
sowie den örtlichen und den Wetterverhältnissen entsprechend verschiedene. Bei
klarem sichtigen Wetter stehen dem Beobachter mehrere Wege und Methoden
zur Ermittelung des magnetischen Azimuts offen. Ist die Luft jedoch bei trübem
nebligen Wetter sehr unsichtig, wie es an unseren deutschen Küsten im Winter-
halbjahr und besonders in den Morgen- und Abendstunden der kurzen Tage oft
der Fall ist, so scheidet die Mehrzahl der Methoden aus, weil bei ihnen eine
größere Sichtweite des zu peilenden Gegenstandes vorausgesetzt wird. Dieser
Uebelstand ist durch Errichtung von Deviationsbaken-Systemen in den grofsen
Ausrüstungshäfen beseitigt. Ein solches Bakensystem läfst hinsichtlich seiner
Geeignetheit. und Zweckmäfsigkeit wenig zu wünschen übrig, ist jedoch wegen
der Kostspieligkeit seiner Herstellung und dauernden Unterhaltung auf einige
grofse Kriegshäfen beschränkt. Für die übrigen Häfen, welche kein Bakensystem
oder dem ähnliche Einrichtung besitzen, würde bei sehr unsichtigem Wetter die
Methode der gegenseitigen Peilungen übrig bleiben. Letztere ist jedoch sehr
umständlich, in ihrer Ausführung beschränkt und macht aufserdem mehrere Beob-
achter erforderlich.!) Die Derviationsbestimmung auf Dampfschiffen, unabhängig
von Peilungen durch Kreislauf des Schiffes rechts und links („Annalen der Hydro-
gräphie etc.“ 1886, Seite 411) ist zwar vollständig unabhängig vom Wetter und
zelbst bei Nebel ausführbar, dieselbe erfordert aber außer der zweimaligen
Drehung viel Nebenarbeiten für den Beobachter und wird ihrer Natur nach sich
vortheilhafter zur Kontrole der Deviation empfehlen. |
Die Kompafßsregulirung mit darauf folgender Deviationsbestimmung beschliefst
in der Regel die Ausrüstung des in See gehenden Schiffes, Für Ausrüstungs-
häfen ist es daher von Werth, diese Aufgabe in möglichst kurzer Zeit auch bei
unsichtigem Wetter, wenn die gebräuchlichen Methoden versagen; lösen zu
können. Es wird deshalb auf die Möglichkeit hingewiesen, die gebräuchliche
Methode „Peilung eines entfernten Gegenstandes“ auf näher gelegene Objekte
anzuwenden, wenn man die Peilungsänderungen, des Drehkreises eines Schiffes in
Rechnung zieht.
1) Wenn die in dem Werke „Der Kompafs an Bord“, S. 105, gegebenen Anweisungen
beachtet werden, so ist diese Methode leicht ansführbar und nicht umständlich. Zwei Beobachter
sind allerdings immer nothwendie. D. Red.