Meyer: Das Verhältnife der Dampfschiffahrt zur Segelschiffahrt. ”
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selben jede Schiffsgattung etwa. die Hälfte betrug. Dem Raumgehalte nach ‚wären
am Anfange der Periode 44% Segler und 56°. Dampfer, während am Ende
derselben die Segler nur noch 14,2% ausmachten und die Dampfer auf‘ 85,8°/0
gestiegen waren. Diese letzten Zahlen decken sich fast genau mit: dem trans.
atlantischen Verkehr von Hamburg für dasselbe Jahr. . ;
Obwohl in der Zeit von 1875 bis 1880 noch eine Zunahme im Segelschiffs-
verkehr stattfand, die wohl zum Theil aus den. oben angeführten Gründen der
nicht vollständigen Statistik resultirt, so ist doch andererseits während der letzten
15 Jahre der Segelschiffsverkehr der Zahl nach. um über 18°, dem Raumgehalte
nach um etwa 25% zurückgegangen, während sich in derselben Zeit der Dampf-
schiffsverkehr der Zahl nach um 237°/o, dem Raumgehalte nach um 265°%o ver-
größert hat. ;
Aus den Tabellen 6 und 7 geht hervor, dafs die Abnahme im Segelschiffs-
verkehr vorwiegend auf das Ostseegebiet fällt, ähnlich wie auch die. deutsche
Rhederei sich nach den Bestands-Tabellen gestaltet. Hier erreichte am Schlusse
der Periode der Dampfschiffsverkehr der Zahl nach bereits 55,3%, dem Raum:
gehalte nach 87,4%, während im Nordseegebiet gleichzeitig der Zahl nach erst
45,3%, dem Raumgehalte nach 85%. Dampfschiffe. verkehrten. . Wie aus den
Bestands-Tabellen ersichtlich ist, so geht auch aus’ den Verkehrstabellen hervor,
daß die Dampfschiffe durchschnittlich viel größer sind als die Segelschiffe.
Für den Verkehr des Nordseegebietes kommen vor allen Dingen die vielen
kleinen Küstenfahrzeuge in Betracht, die an den Küsten der Provinzen Schleswig:
Holstein und Hannover sowie des Grofsherzogthums Oldenburg verkehren, ferner
aber auch der ausgedehnte Schleppschiffsverkehr von Hamburg und Bremen, die
verhindern, dafs der Dampferverkehr soweit überwiegt wie im Ostseegebiete,
Obwohl die Zahlen für die grofsen Gebiete sich noch sehr ähnlich sind, so
weichen doch die einzelnen Küstengebiete erheblich voneinander ab. Der Zahl
nach verkehrten in Hamburg 73,9% Dampfschiffe gegen nur 29,3°% Dampfschiffe
in der Provinz Hannover. Dem. Raumgehalte nach 92,7°0 Dampfschiffe in
Pommern gegen 66,3% in Hannover. Noch eklatanter ist der Unterschied, wenn
man die 20 Haupthäfen vergleicht, wie die Tabelle 9 zeigt. Hier steht der
Hafen Swinemünde obenan mit 91°%o nach Zahl und 100 °%o nach Raumgehalt im
Dampfschiffsverkehr, während Harburg nach Zahl nur 18°, nach Raumgehalt
51% Dampfschiffsverkehr aufweist. .
Während im Ganzen eine stetige Zunahme des Dampfschiffsverkehrs 'nach-
weisbar ist, der sich, mit Ausnahme des Rheingebietes und Oldenburgs, auch noch
für jedes einzelne Küstengebiet ergiebt, so findet man doch nach Tabelle 9, dafs
bei den einzelnen Häfen recht erhebliche Schwankungen während der: letzten
fünf Jahre vorkamen, die wohl hauptsächlich auf örtliche Verhältnisse zurück-
zuführen sein dürften. Es ergeben sich einerseits verhältnifsmäfsige und auch
wirkliche Abnahmen im Dampfschiffsverkehr, denen andererseits ganz abnorme
Zunahmen gegenüberstehen. Flufsregulirungen, Hafenbauten und Verlegung von
Geschäften dürften vornehmlich der Grund dieser grofsen Unregelmäfsigkeiten sein.
Wie bereits erwähnt, spielt als Faktor des Segelschiffsverkehrs die Schlepp-
schiffahrt im Nordseegebiet bereits eine nicht unbedeutende Rolle. ‘Direkte
Beweise dafür giebt uns die Statistik leider nicht, doch läfst sich aus ihr ein
indirekter Nachweis führen. Der Verkehr zwischen Hamburg und Bremen z. B.
wird ausschliefslich durch regelmäfsig fahrende Schleppschiffe hergestellt. Nun
giebt die Statistik den Verkehr der deutschen Schiffe zwischen den einzelnen
Staaten an, aus der man ersieht, daß in Hamburg von Bremen angekommen
sind 702 Schiffe mit rund 169000 Tons Raumgehalt, in Bremen von Hamburg
angekommen 704 Schiffe mit ebenfalls rund 169 000 Tons Raumgehalt. Rechnet
man in beiden Fällen den achten Theil dieses Raumgehaltes für die zum Schleppen
verwendeten Dampfer, so bleiben für die Schleppschiffe etwa. 150 000 Tons Raum-
gehalt übrig, also mehr als die Hälfte von den in Bremen ünd Bremerhaven: zu-
sammen angekommenen Segelschiffen mit rund 273 0U0 Tons, Wenn man von
diesem Gesammtraumgehalte der Segelschiffe den Raumgehalt der Schleppschiffe
in Abzug bringt, so bleiben für die eigentliche Segelschiffahrt nur 123 000:Ton8
Raumgehalt übrig, welches vom Gesammtverkehr der beiden bremischen Häfen
weniger als 8% ergiebt. Vom hamburgischen Seglerverkehr ist eine noch
größere Anzahl vom Raumgehalt in Abzug zu bringen, denn von diesem Hafen
Aun. d. Hydr. etc., 1897, Heft XI.