Tchio (Neu-Kaledonien).
zu steigen. Als ich tags vorher am Abend abreiste, war noch kein Anzeichen
eines Sturmes vorhanden. -
Für gewöhnlich . wechseln See- und Landbriese ziemlich regelmäfsig,
jedoch scheint es, als wenn zur Zeit der Springtiden die Seebriese für einige
Tage vollständig die Herrschaft hat, während die Landbriese gänzlich ausbleibt;
wogegen zur Zeit der tauben Tiden die Landbriese für einige Tage recht frisch
ist, ja mitunter den ganzen Tag weht und die Seebriese ausbleibt. Die Seebriese
ist Jedoch nicht so stark, dafs das Beladen des Schiffes dadurch aufgehalten
würde. —
Nachdem die Ladung Nickelerz übergenommen und verstaut war, wurde
am 24. Mai morgens mit. der Landbriese die Reise angetreten. Der Lootse
brachte das Schiff bis eben aufserhalb des Tchio - Pafs, von wo wir gegen den
Südostwind aufzukreuzen begannen.
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Das Verhältniis der Dampfschiffahrt zur Segelschiffahrt.
Nach der Statistik des Deutschen Reiches bearbeitet von Kapt. H. MEYER.
Im Januarheft dieses Jahrganges ist in dieser Zeitschrift der Gang der
transatlantischen Segelschiffahrt deutscher Nationalität während des letzten Viertel-
jahrhunderts behandelt nach den Eingängen der meteorolugischen Journale bei
der Seewarte sowie das Verhältnifs der transatlantischen Segelschiffahrt zur Dampf-
schiffahrt nach der hamburgischen Statistik für das Jahr 1895. Dafs diese Arbeit
kein vollständiges Bild giebt über den Gang und Stand der Segelschiffahrt sowie
über ihr Verhältnifs zur Dampfschiffahrt, ist in dem Artikel erwähnt. Es dürfte
sich daher empfehlen, dieses Bild zu vervollständigen, und die nachstehende
Arbeit ist dem Zwecke gewidmet, . ;
Die Zusammenstellungen sind nach den neuesten Veröffentlichungen des
Kaiserlichen Statistischen Amtes gemacht, und zwar:
1. nach dem Bestande der deutschen Kauffahrteischiffe am 1. Januar 1896,
2. nach dem Seeverkehr in den deutschen Hafenplätzen im Jahre 1895.
Zu dem ersten Abschnitt, nach dem Bestande der deutschen Handels-
marine, sei bemerkt, dafs die hierunter angeführten Zahlen einer strengen Kritik
nicht Stand halten. Zu den Schiffen der Handelsmarine sind in dieser ‚Statistik
alle Schiffe gezählt, die in den Schiffsregistern als Seeschiffe verzeichnet stehen,
ginerlei welchen Zwecken sie dienen; ob dem Handel, der Fischerei oder dem
Vergnügen. Die Fischerfahrzeuge und Lustschiffe dürften beide nicht als Handels-
schiffe gezählt werden, weil sie weder Transporte von Gütern nöch von Personen
nach den üblichen Begriffen ausführen; sie müfsten daher folgerichtig von. den
Veröffentlichungen, die die Handelsflotte betreffen, ausgeschaltet oder nöthigen-
falls in besonderen Anhängen veröffentlicht werden. Die Fischerfahrzeuge, an
der Nordsee eine erhebliche Anzahl, wurden früher nicht unter den Handels-
schiffen aufgeführt, und Lustschiffe gab es in Deutschland kaum; es sind deshalb
strenge Vergleiche zwischen jetzt und früher nicht ohne nähere Kenntnisse dieser
Verhältnisse möglich.
Ferner seı erwähnt, dafs der Bestand der Segelschiffe dadurch erheblich
vergröfsert erscheint, dafs jedes Schiff, das kein Dampfschiff ist, als. Segelschiff
gezählt wird, einerlei, ob es Masten und Segel hat oder nicht. Es giebt,
namentlich in Hamburg und Bremen, eine grofse Anzahl von Schlepp- und
Leichterschiffen, die nie Segel führen, sondern stets geschleppt werden und
daher, den veränderten Schiffahrtsverhältnissen entsprechend, von den Segel-
schiffen getrennt und als besondere Schiffsgattung aufgeführt werden mülsten.
Durch Nichtberücksichtigung dieser Umstände sind selbst Autoritäten zu sehr
anfechtbaren Schlüssen gelangt.
Endlich sei noch erwähnt, dafs durch die am 1. Juli 1895 eingeführte
neue. Schiffsvermessungsordnung der Raumgehalt. der Schiffe verkleinert. erscheint.
Da am 1. Januar 1896 bereits ein erheblicher Theil der Schiffe neu vermessen
war, so stellt sich, in Zahlen ausgedrückt, der Raumgehalt in Registertons
netto um etwa 60000 Tons niedriger als nach der früheren Vermessung. Der