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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1897.
Süd bis Ost durch das Land geschützt und allein gegen Norden offen, so dafs
aur bei heftigen Nordwinden See in die Bai hineinläuft, Auf den Riffen steht
bei steifen Winden fortwährend Brandung, welche sich oft erst dicht vor den
Schiffen bricht, die nur etwa 30 m vom Riffe entfernt liegen. Der Hafen zwischen
den Riffen ist ein kreisförmiges Bassin von etwa 3 Kablig. im Durchmesser.
Aus der von den beiden Gebirgswänden gebildeten Schlucht weht der
Passatwind mit einer grofsen Stärke über die Ebene hinweg, gewöhnlich mit der
Stärke 8, und macht den Aufenthalt an diesem Platze zu einem unangenehmen.
Es fällt in der Regel schwer, mit einem mit vier Ruderern bemannten Boot ans
Land zu kommen.
Zum Beladen der Schiffe mit Zucker — dem alleinigen Ausfuhrartikel —
dienen grofse viereckige Leichter, welche 60 bis 70 Tonnen tragen. Diese
werden vermittelst einer Leine, die durch einen Steertblock läuft, welcher an
dem dem Lande zunächst liegenden Schiffe befestigt ist, bis zu diesem von einer
Dampfmaschine, die auf dem Lande steht, und von dort weiter nach dem zu
beladenden Schiffe von 15 bis 20 Mann gezogen,
Für ein mit guten Ankern und Ketten versehenes Schiff ist dieser Platz
während des Sommers sicher; nur in der Zeit der Südweststürme (Konas), welche
von Dezember bis April auftreten können, ist dieses nicht der Fall. Der Süd-
westwind weht von hinten auf das Schiff, und wenn die hinteren Trossen brechen
sollten, wird dasselbe herumschlagen, unfehlbar auf das Riff treiben und zum
mindesten eine Havarie erleiden.
Der Lootse, ein Halbweifser, welcher gut englisch spricht und mit be-
wundernswürdiger Kaltblütigkeit selbst bei heftigem Winde mit dem Schiffe ein-
segelt, kommt demselben 2 bis 3 Sm aufserhalb des Hafens in einem Walboot
entgegen und weils sehr gut mit einem gröfseren Segelschiffe umzugehen. Beim
Einsegeln muß man gute Leinen auf Deck klar halten, besonders vorn, von
denen eine, sobald das Schiff bis zu der Boje aufgeschossen ist, an derselben
befestigt wird.
Bei der Ansegelung des Hafens dient in einer gröfseren Entfernung die
schon erwähnte niedrige Ebene und in der Nähe der Küste das etwas landein-
wärts gelegene Spreckelsville als eine gute Landmarke. Letzteres ist kenntlich
an sieben eisernen Schornsteinen nahe bei einander. Man halte sich dabei luv-
wärts (östlich) vom Hafen, etwa 3 Sm vom Lande entfernt, und steuere west-
wärts längs der Küste auf denselben zu, vermeide das Riff und heifse rechtzeitig
die Lootsenflagge. Der Lootse wird daraufhin östlich vom Hafen das Riff in
seinem Boote kreuzen und an Bord kommen.
Da, wie schon gesagt, nur Platz und Festmachebojen für vier Schiffe vor-
handen sind, so kommt es vor, dafs, wenn die anwesenden Schiffe diese Zahl
erreicht haben, ein ankommendes Schiff so lange draufsen kreuzen muls, bis ihm
eins der ersteren Platz gemacht hat, was ihm durch ein internationales Flaggen-
signal bekannt gegeben wird. Das Aussegeln ist für ein Raaschiff kaum aus-
‘ührbar und wenigstens gefährlich. Um in See zu gehen, mufßs man so lange
warten, bis der Dampfer „Claudine“ der Wilder Company, der jeden Mittwoch
and Sonnabend Kabhului anläuft, hier anwesend ist, und sich von demselben aus-
schleppen lassen. Hierzu eignen sich am besten die frühen Morgenstunden, in
denen der Passatwind flau ist. Um 10 Uhr vormittags setzt dieser kräftig ein,
bleibt so während des Tages, um gegen Abend schwächer zu werden.
Die Unannehmlichkeiten des Hafens werden den Schiffsführern durch die
Liebenswürdigkeit des Herrn Berg, Geschäftsführers der Eisenbahn und des
Leichterbetriebes der Herren Wilder & Co., eines Deutschen, erträglich gemacht.
Derselbe thut alles Mögliche, um besonders den deutschen Kapitänen ihren Auf-
enthalt in diesem Orte zu einem angenehmen zu gestalten.
Für das Liegen an den Moorings (Bojen) wird den Schiffen in den ersten
10 Tagen 1 Cent, in der übrigen Zeit '/2 Cent für die Tonne berechnet; der
Arbeitslohn beträgt 1 Doll. 50 Cents den Tag, der Ballast kostet, längsseits des
Schiffes gebracht, 1 Doll., von dort abgeholt %/4 Doll. die Tonne von 1000 kg,
und das Trinkwasser 1 Cent die Gallone. Man mufs die Wasserfässer an das
Land schicken, was ziemlich zeitraubend ist, und thut deshalb am besten, von
Honolulu, wohin man immer zuerst kommt, so viel Trinkwasser als möglich mit-
zubringen und hier nur seinen Bedarf zu ergänzen.