4166 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Nuvember 1897.
welcher S. M. S. „Kaiser“ zu Anker lag, als gröfster Ebbstrom in der dritten
Stunde der Ebbe 3 Sm angegeben. Durch mehrfache Messungen wurde aber ein
solcher von 4,9 Sm am zweiten Tage nach Vollmond festgestellt. Ebenso war
der Fluthstrom erheblich stärker, nämlich statt 1°/4 Sm 3 Sm. In der Karte
Tit. XI, No. 57 (Brit. Adm.-Karte No. 1199), ist ferner für die Nordküste von
Tshangtau. immer eine Hafenzeit von 10" 14” angegeben. Da die Mond-Meridian-
Passage am Ort für den 15. Juni 1897 12% 30” war, so würde sich daraus die
Hochwasserzeit für den 16. Juni früh auf 10* 44” berechnen. In der That
schwoite das Schiff aber erst um 9 Uhr auf Fluth, und als es den Ankerplatz
um 11% 40” verliefs, lief noch volle Fluth und begleitete das Schiff, durch-
schnittlich 2 bis 3 Sm mitsetzend, bis zu den Volcano-Inseln. Aus diesen Beob-
achtungen läfst sich ableiten, dafs die Hafenzeit für die Nordküste erheblich
größer, mindestens 12 Uhr, sein mufs.
Vielleicht ist die Angabe in der Karte auf eine Verweehselung mit der
Notiz in dem „China Sea Directory“ 1894, Theil III, Seite 365, zurückzuführen,
dafs die Hafenzeit an der Westeinfahrt des Hafens von Tshangtau 10®* 44°
wäre, was auch mit den früheren Beobachtungen S. M. S. „Kaiser“ übereinstimmt.')
2. Reise von Tshangtau nach Tinghai.
S. M. S. „Kaiser“ verliefßs Tshangtau am 16. Juni 11* 40"a und ankerte
in Tinghai um 4* 47” p.
a) Wind und Wetter. Das Wetter war am 16. Juni durchweg klar
und sichtig, der Barometerstand normal, der Wind vormittags ENE, Stärke 1,
nachmittags herrschte leichte südsüdöstliche Briese.
b) Stromverhältnisse. In den Gewässern nördlich von Taishan und
den Volcano - Inseln setzte der Strom stärker; als zu erwarten war, 2 bis 3 Sm
statt 1,5 Sm. Südlich von Volcano - Insel, zwischen dem Feuerthurm und dem
Blackwell-Pafs, lief die Fluth noch etwa 1 bis 1'/2 Stunden über die in der Karte
angegebene Hochwasserzeit von Volcano hinaus. Im Blackwell- Pafßs setzte die
Ebbe zwei Tage nach Vollmond mit 5,2 Sm nach Süden; die in der Karte für
diese Durchfahrt angegebene Zahl von 8 Sm Strom wird daher wohl nur unter
ganz aufßserordentlichen Verhältnissen zu erwarten sein.
Innerhalb des Tshusan - Archipels entsprachen die Stromverhältnisse den
Angaben der Bücher und Karten.
c) Sonstige Bemerkungen: 1. Der in der Karte Tit. XI, No. 60
(Brit. Adm.-Karte No. 1124), Dumb-bell-Insel genannte, der Insel Ya-do-dong
nördlich vorgelagerte Felsen besteht nicht aus einem, sondern aus zwei deutlich
getrennten Felsen.
2. Im Allgemeinen kann die Durchfahrt nördlich von Taishan auch für
die tiefgehendsten Schiffe empfohlen werden; es setzt daselbst weniger Strom
als in dem Kui-san-Pafs südlich von Taishan; auch der für tiefgehende Schiffe
brauchbare Seeraum ist bedeutend gröfser als in den sehr engen und theilweise
durch Unterwasserfelsen behinderten Durehfahrten südlieh von Taishan.
Hydrographische Beobachtungen während der Reise
S. M. S. „Falke“, Kommandant Korv.-Kapt. Krieg, von Sydney
über Auckland nach Apia und Sydney. April— Juni 1897.
Beim Verlassen von Sydney am 22. April 4”p regnete es bei schwachem
Südwestwinde sehr heftig. Die Luft war diesig. Trotz des ablandigen Windes
wurde vor dem Hafen eine auffallend hohe, von SO laufende Dünung angetroffen,
die einen Südoststurm in Aussicht stellte. Schon nach zwei Stunden frischte der
Wind auf, ging über Süd auf SE herum und erreichte um 11" p Stärke 8 bis 10.
Bis 12 p des nächsten Tages wehte der Wind in dieser Richtung und Stärke,
Vgl. Annalen 1897. Heft 3. 5. 97. D. RB.