458 Annalen der Hydrographie ünd Maritimen Meteorologie, Oktober 1897.
verlässigkeit die Umwandlungen der einen Wetterlage in die andere voraus-
zusehen, so wäre die Wettervorhersage auf mehrere Tage voraus gegeben, und
gerade diese Wettervorhersage ist es, welche am meisten den praktischen Be-
lürfnissen entsprechen würde. Um aber eine solche Beurtheilung vornehmen
zu können, ist es vor Allem nöthig, dafs man die jeweilige Wetterlage über
Europa kennt und die Aenderungen verfolgt, welche sich in möglichst kurzer
Zeit in der Wetterlage vollziehen. Das Material hierzu ist auch dem grofsen
Publikum zugänglich; es sind die täglich von den meteorologischen Instituten
und von gröfseren Zeitungen herausgegebenen Wetterkarten und dann die
tabellarischen Wetterberichte, welche durch zahlreiche Zeitungen veröffentlicht
werden und welche zur Konstruktion der Wetterkarten ohne Weiteres benutzt
werden können. Andererseits sind es die lokalen Beobachtungen, welche uns
wichtige Aufschlüsse geben, zu beurtheilen, wie sich die allgemeine Wetterlage
in der nächsten Zeit ändert. Die Beobachtungen des Luftdruckes, des Windes,
der Wärme, der Himmelsansicht und ihrer Aenderungen sind für diese Beurtheilung,
sofern sie an die grofsen atmosphärischen Bewegungen angelehnt werden, hier
von hervorragender Bedeutung.)
Was der Nutzbarmachung der Witterungskunde in hohem Mafse noch
fehlt, ist ein Verständnifs der Grundlage der ausübenden Witterungskunde beim
grofsen Publikum. Zur weiteren Verbreitung dieses Verständnisses und zur
Verwerthung desselben für das praktische Leben ist hauptsächlich diese Arbeit
geschrieben worden. Ist ein solches Verständnifs erzielt, dann werden auch die
mannigfachen Vorurtheile, welche der Entwickelung der Witterungskunde so
sehr geschadet haben, nach und nach schwinden.
Reisen deutscher Dampfer nach dem Ob und Yenisei,
Eine Uebersicht über diese Fahrten giebt Herr Dr. Lindeman in den
„Deutschen Geographischen Blättern“ (Band XX, Heft 1 und 2, Seite 93 ff.) aus
Anlafs des Hinscheidens des verdienten Kapts. Eduard Dallmann, der am
23. Dezember v. J. in Blumenthal im Alter von 67 Jahren verstorben ist.
Dallmann hatte in den Jahren 1850 bis 1872 als Steuermann und Schiffsführer
im Stillen Ocean dem Walfange und dem Tauschhandel mit den Eingeborenen
auf Schiffen verschiedener deutscher Rheder obgelegen. Es war die Zeit des
in diesen Annalen 1893, Seite 65, von Kapt. Hegemann geschilderten Wal-
fanges in diesen Gewässern, der in Honolulu sein Hauptquartier hatte. Nach
kurzem Aufenthalt in der Heimath verlegte Dallmann 1873/74 sein Arbeits-
gebiet nach den Süd-Shetlands und nach Grahamsland. Die Namen: Hamburger
Hafen, Kaiser Wilhelm-Inseln, Rosenthal-Inseln, Bismarck-Strafse, Petermann-,
Friedburg-, Elisabeth-Insel, Dallmann-Bai und Gofsler-Insel auf den Karten der Süd-
Shetlands- und Orkney-Inseln sind bleibende Zeugen seiner dortigen Thätigkeit.
Während diese Reise zwar geographische Ergebnisse in den gemachten Entdeckungen
erzielte, lieferte sie nur unbedeutende Fangergebnisse, so dafs Dallmann 18574
in die Heimath zurückkehrte, nach neuer Thätigkeit verlangend.
Diese bot sich ihm bald, da Nordenskiölds glücklich vollführte Fahrten durch
las Karische Meer nach der Mündung des Yenisegi eine deutsch-russische Gesell-
schaft zur Eröffnung einer Handelsschiffahrt zwischen Bremen und Nord-Sibirien
ins Leben gerufen hatten. Der bekannte Förderer der auf eine direkte Handels-
verbindung zwischen Europa und Nord-Sibirien gerichteten Unternehmungen,
Sibiriakoff, lief schon 1877 ein Schiff zur Fahrt von der Weser nach dem
Yenisei ausrüsten. Die Führung dieses, Schiffes, des Dampfers „Irazer“ von
158 Registertonnen Tragfähigkeit, übergab Sibiriakoff unserem Dallmann,
und die Fahrt verlief schnell und glücklich. Den 24. Juli verliefßs der „Frazer“,
oeladen mit Tabak, Zucker und Maschinen, Bremerhaven und nach Ergänzung
des Kohlenvorraths in Hammerfest, diesen Hafen des nördlichen Norwegens. am
+) Vgl. van Bebber: „Die Wettervorhersage“ 1891 und „Die Beurtheilung des Wetters
auf mehrere Tage voraus“ 1896. beide bei Enke. Stuttgart.