38 Annalen der Bydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1897.
suchen; und aufserdem werden die Stromkarten des vorhergehenden und des
nachfolgenden Monats sehr werthvolle Fingerzeige geben.“
Jeder, der mit dem Problem der Meeresströmungen sich näher befafst hat,
und zwar nicht von theoretischen Gesichtspunkten aus, sondern in praktischem
Studium der wirklichen, auf. See zur Beobachtung kommenden Schiffsversetzungen,
wird dem Inhalt dieser angeführten Zeilen gern beipflichten.‘)
Eine recht eingehende Betrachtung dieser Stromkarten des Indischen
Oceans ist auf das Dringendste den nicht eben seltenen Stubengelehrten zu
empfehlen, welche in jedem Jahre mit „neuen“, aber in Wirklichkeit meist recht
alten Theorien der Entstehung der Meeresströmungen auftreten; wenn man sieht,
wie von Monat zu Monat, zumal auf nördlicher Breite, mit den allmählich sich
total verändernden Windverhältnissen auch die Grundzüge der vorwiegenden
Wasserbewegungen durchaus und in ganz entsprechender Weise sich verändern, so
kann man sich nur immer wieder wundern, dafs das Verhältnifs von Ursache und
Wirkung zwischen dem Luftocean und der Wasseroberfläche nicht allseitig
anerkannt wird. |
Wegen Raummangels kann auf den Inhalt der einzelnen Karten leider
nicht eingegangen werden; es ist dies auch in dieser Zeitschrift kaum nothwendig,
da der ganz ungemein billige Preis (7 sh.) unserer Ansicht nach jeden
Kapitän veranlassen sollte, den äufserst nützlichen Atlas anzuschaffen und
selbst also sich sachlich zu orientiren; denn. — wir wiederholen es — der Atlas
ist für den Gebrauch an Bord ganz vorzüglich eingerichtet,
Hier soll nur noch ein nahe liegender Vergleich der zwei in dem „Atlas
der Seewarte“ befindlichen Stromkarten mit den entsprechenden englischen Strom-
karten gezogen werden.
Zwischen den Stromkarten der Wintermonate (Dezember bis Februar)
bestehen nicht unerhebliche Differenzen, wobei allerdings zu beachten ist, dafs
in dem deutschen Kartenwerk die Stromvorgänge . von drei Monaten in ein
gemeinsames Bild zusammengezogen sind, während auf den englischen Karten
jedem Monat ein Blatt gewidmet ist. Die Unterschiede finden sich hauptsächlich
auf nördlicher Breite.
Der deutsche Atlas zeichnet im Arabischen Meer und auch für die
Bai von Bengalen ein meist kräftiges Strömen des Wassers nach NW in der
östlichen Hälfte dieser Meeresbecken, nach SW in deren westlicher Hälfte, als
Trift des Nordostmunsuns, welche nur bis 4° N-Br ungefähr ihr Gebiet hat,
während schon unter 2° N-Br, wenigstens von 55° O-Lg an ostwärts, der östliche
Gegenstrom beginnt. Im Golf von Aden sind ferner nach der deutschen Quelle
die Versetzungen sehr schwach nach SW, und im Golf von Oman besteht ein
schwacher Kreislauf des Wassers im Sinne der Uhrzeigerbewegung.
Ziemlich viel anders ist das Bild im englischen Atlas: im Arabischen
Meere (nördlich von 10° N-Br) herrschen westliche und südwesiliche schwache
Versetzungen (selten mehr als 24 Sm in 24 Stunden), welche gerade nach dem
Aden-Golf zu kräftiger werden. Zwischen Sokotra und Kap Guardafui läuft das
Wasser nach NW, unter der Insel sind häufig östliche Gegenströme. Im Golfe
von Oman ist ein gut ausgeprägter Kreislauf des Wassers vorhanden, und zwar
setzt unter der Küste von Belutschistan und Persien der Strom nach WNW, unter
der arabischen Küste nach 0SO, also entgegengesetzt der Uhrzeigerbewegung;
das Gleiche gilt in abgeschwächtem Grade vom Persischen Golf. Von Bombay
nach Colombo gehend, hat man unter der Küste erst für eine Distanz von
wenigstens 300 Sm südlichen Strom, dann Gegenstrom aus SO, indem man dann
erst, südlich von 10° N-Br, oft erst auf 5° N-Br, in das Bereich der allgemeinen,
nach Westen gerichteten Strömung des Monsuns gelangt, welche sehr kräftig
an der Südküste Ceylons zu fliefsen pflegt (bis zu 60 Sm) und bis zum Aequator,
nach der afrikanischen Küste hin aber bis 1° bis 2° S-Br sich ausdehnt.
Erst auf südlicher Breite findet man während der Zeit des Nordostmonsuns
(von Januar ab) den östlichen Gegenstrom; auf nördlicher Breite ist der östliche
Gegenstrom in der Weise, welche die Karte der Seewarte giebt, nur etwa im
November vorhanden und stellenweise auch im Dezember; es sind diese nord-
hemisphärischen Ostströme aber offenbar Reste der allgemeinen Ostströmung
\ S. z. B. „Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin“, 1593, 8. 77,