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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

van Bebber:. Die Hauptwetterlagen in Europa. 
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Wie aus den vorhergehenden Erörterungen deutlich hervorgeht, knüpfen 
gich unsere Witterungserscheinungen an die Luftdruckvertheilung und deren Um- 
wandlungen. Die Luftdruckvertheilung hat aber eine ausgesprochene jährliche 
Periode, und diese steht in einem direkten Zusammenhange mit unseren Haupt- 
wettertypen. Eine Betrachtung des jährlichen Ganges der Luftdruckvertheilung 
über Europa wird daher hier wohl am Platze sein. 
Die nachfolgende Tabelle giebt nach Hann in anschaulicher Weise die 
Aenderungen in der Luftdruckvertheilung, welche sich im Laufe des Jahres in 
Europa vollziehen. Dieselbe enthält die Luftdruckdifferenzen (im Meeresniveau) 
von ausgewählten Stationsgruppen in den acht Hauptrichtungen der Windrose, » 
Die Hannschen Zahlen sind auf die gleichen Strecken von 20 Aequatorialgraden, 
unter Voraussetzung eines gleichförmigen Gradienten, reducirt. 
Tab. 1. Jährlicher Gang der Luftdruckunterschiede über Europa. 
Richtung 
N-S 
NW-SE 
W-E 
SW-NE 
NNW-SSE 
WSW-ENE|! 
Dez. | Jan. 
Febr. ı 
März 
April 
Mai 
Juni 
| Juli (August! 
Sept. 
| Oxıe. | 
Nor. 
—3,5|— 25 —22 —02 
—7,4|—10.1 —64 —3, 
—2,0 |— 36| —1,4' —0,5 
17 08! 16 17 
—5,4 |- 6,3| —44! —21| —0,9| 00| —| — 101 —12| —3,4| —50| —3,2 
—_02l—_ 14! 0141| 06) 11' 12] 29) 322) 181 —01'-—2,51 —1,5 
NB.. N: St. Petersburg, Upsala, Christiania. — S: Athen, Korfu, Palermo. — NW: Culloden, 
Thorshavn. — SE: Odessa, Konstantinopel. — W: Paris. — E: Czernowitz. — SW: St. Martin a. H., 
Lissabon. — NE: Warschau, Lemberg. 
Der Luftdruckunterschied zwischen WSW und ENE wechselt im Laufe 
des Jahres sein Zeichen und’ ist im Jahresmittel fast Null; der Minderdruck im 
NNW dauert hingegen das ganze Jahr hindurch an und verschwindet im Mai’so 
gut wie ganz. Die Eigenthümlichkeiten der Monate Januar, Mai und Juni werden 
durch die obigen Zahlen gut gekennzeichnet; die Luftdruckvertheilung des Oktober 
nähert sich derjenigen des Januar, dazwischen schiebt sich der November mit 
einer bemerkenswerthen Abschwächung des schon eingetretenen winterlichen 
Charakters, eine Erscheinung, welche weite Verbreitung findet. 
Die beiden folgenden Karten veranschaulichen die Luftdruckvertheilung 
über Europa in den extremen Monaten Januar und Juli (Nebenkärtchen April 
und Oktober). 
{m Januar und überhaupt in den Wintermonaten ist der mittlere Luft- 
druck entschieden am niedrigsten über Nordwesteuropa, in der Gegend von Island, 
am höchsten über Osteuropa. Das’ asiatische Luftdruckmaximum ist in dieser 
Jahreszeit stark entwickelt und erstreckt sich zungenförmig in den europäischen 
Kontinent hinein. Die Folgeerscheinung dieser Luftdruckvertheilung ist ein ent- 
schiedenes Vorwiegen von feuchtwarmen ozeanischen Winden, welche in breitem, 
Jlebhaftem Strome unsere Gegenden überfluthen und welche für Deutschland ge- 
linde Winter bedingen. Zahlreiche Depressionen pflegen in dieser Jahreszeit am 
Nordrande des hohen Luftdruckes in fast ununterbrochener Reihenfolge auf 
längere Zeit nördlich an uns vorbeizuziehen, mildes, feuchtes, windiges Wetter 
in unseren Gegenden bedingend, wobei aber rasche und erhebliche Schwankungen 
im Witterungscharakter gerade nicht selten sind. Zuweilen werden diese normalen 
Verhältnisse in der Luftdruckvertheilung gestört, so insbesondere durch das Er- 
scheinen und Verweilen eines Hochdruckgebietes über West- und Centraleuropa 
sowie durch das Vorhandensein hohen Luftdruckes über Nord- oder Nordost- 
europa. Dann wird die Luftzufuhr vom Ozean her gehemmt oder vollständig 
unterbrochen, nur die Luft aus den nördlichen Theilen des Ozeans hat zu unserer 
Gegend im ersteren Falle Zutritt, und es ergeben sich hieraus Witterungs- 
erscheinungen, wie wir sie oben bereits betrachtet haben. 
1) Vgl. Hann: „Die Vertheilung des Luftdruckes über Mittel- und Südeuropa.“ Hölzel, 
Wien 1887.
	        
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