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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1897,
5 Ein Maximum von über 775 mm liegt über Finnland und erzeugt in
Wechselwirkung mit einer Depression jenseits der Alpen in unseren Gegenden
schwache Winde aus vorwiegend östlichen Richtungen, unter deren Einflufs die
Temperatur in Deutschland stark herabgeht. Das Wetter ist, wie es in den
meisten Fällen in dieser Jahreszeit der Fall ist, trübe, aber ohne nennenswerthe
Niederschläge.
, Im Sommer verhalten sich bei dieser Wetterlage die Witterungs-
erscheinungen ganz anders als im Winter, wie aus der Wetterkarte vom
17. Juni 1896 (Fig. 7) ersichtlich ist. Ein barometrisches Maximum von mäfsiger
Höhe lagert über der mittleren Ostsee, schwache östliche Winde bei fast wolken-
losem, trockenem und ungewöhnlich warmem Wetter verursachend, welches bis
zum 17. Juni anhält, an welchem Tage der Einflufßs der Depression im Nord-
westen sich nach unseren Gegenden ausgebreitet hat. Das Nebenkärtchen zu
Fig. 7 veranschaulicht die Temperaturvertheilung am 15. Juni. Hierbei sei noch
bemerkt, dafs die Nachmittagstemperaturen an diesem Tage vielfach 30° erreichten
oder überschritten.
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Fig. 3. Wetterkarte vom 3. Dezember 1896, 8ha, Nebenkarte vom 3. Dezember, Temperatur.
IV. Der vierte Wettertypus wird veranschaulicht durch die Wetterkarte
vom 3. Dezember 1896 (Fig. 8). Ein Hochdruckgebiet, vom Nordwesten kommend,
liegt über dem westlichen Russland gegenüber einer tiefen Depression auf dem
Ozean westlich von den Britischen Inseln und ruft lebhafte südöstliche Winde
über Deutschland hervor. Das Wetter ist kalt, namentlich in den östlichen
Gebietstheilen, wo die Temperatur bis zu 14° unter dem Gefrierpunkt herab-
geht. Eine zusammenhängende Schneedecke ist nicht vorhanden. Am 7. Dezember
tritt unter dem Einflusse einer über der Nordsee lagernden Depression in Deutsch-
Jand gröfstentheils wieder Thauwetter ein.
Das Nebenkärtchen zu Fig. 8 zeigt die Temperaturvertheilung am
3. Dezember 8a,
Ganz anders liegen bei dieser Wetterlage die Temperaturverhältnisse in
der wärmeren Jahreszeit, wie die Wetterkarte vom 16. Juni 1896 (Fig. 9) nach-
weist. Im ganzen Bereich des barometrischen Maximums, welches an der deutsch-
russischen Grenze liegt, ist das Wetter bei schwacher Luftbewegung fast
Wolkenlos, während nach dem Westeuropa überdeckenden Depressionsgebiete
hin die Bewölkung zunimmt. Die Temperatur liegt in den deutschen Küsten-
gebieten 2° bis 6!2°, im Binnenlande 1° bis 5° über dem Mittelwerthe. Gewitter
kommen am 16. Juni nur vereinzelt, dagegen am 17. zahlreich vor, an welchem
Tage das Maximum sich nach dem Schwarzen Meere hin entfernt, und die De-
pression im Westen ihren Einflufs ostwärts nach Deutschland ausbreitet.