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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1897. 
als kubischen Ausdehnungskoefficienten des Glases 0,0000262 nimmt. Da das 
Wasser sich im Verhältnifs von 1: 1,001751 bei der Temperaturerhöhung von 
4° auf 20° ausdehnt, so wird sein Volumen bei 20° 4790 ccm; die scheinbare 
Ausdehnung ist also 6ccm, die in dem engen Rohr eine Höhe h = WISE 
= 849 mm einnehmen, so dafs jeder Temperaturgrad Te = 53 mm in dem engen 
Rohr entspricht. 
Nun tritt völlige Dunkelheit ein, wenn man Wasser von 20° in das Rohr 
von 4° einführt; sie dauert an, so lange das Wasser bei seiner Zusammenziehung 
im engen Rohr sinkt; bei 30 mm über seinem schliefslichen Sande tritt zuerst 
ein Lichtschimmer auf. Daraus folgt, dafs die kleinste Temperaturdifferenz, die 
Dunkelheit hervorbringen kann, Ze =— 0,57° ist, bei einer Dicke der Schicht 
von 26 m. 
Diese kleine Differenz ist durchaus von der Ordnung der Temperatur- 
änderungen, die in den natürlichen Gewässern vorkommen. Sie läfst begreifen, 
dafs die Farben des Wassers in den von der Sonne bestrahlten Partien anders 
sein müssen als in den im Schatten einer Wolke oder eines Gebirges befindlichen. 
Wasser, das der Sonnenstrablung ausgesetzt ist, erscheint leuchtender nicht allein 
durch die stärkere Lichtwirkung, der es ausgesetzt ist, sondern auch, weil es 
schliefslich weniger transparent wird als das im Schatten befindliche. Differenzen 
von derselben Gröfse finden statt, wenn der Wind ungleichmäfsig über der 
Wasseroberfläche weht, indem durch die Verdunstung die Temperatur sinkt und 
die Intensität der Konvektionsströme abnimmt; das Wasser erscheint durch- 
sichtiger, d. h. weniger leuchtend. Es erklären sich so die verschiedenen Fär- 
bungen, die man auf der Oberfläche der Seen und Meere bemerkt und die in 
gewisser Weise die Richtung des Windes bezeichnen. 
Spring ist übrigens weit davon entfernt, die von ihm gegebenen Er- 
klärungen als die ausschliefslich richtigen hinzustellen. Er bemerkt in dieser 
Hinsicht:!) „Die bei dem Studium der Seen beobachteten Erscheinungen sind, 
wie fast alle Naturerscheinungen, nicht so einfach, wie man zu glauben geneigt 
sein könnte; sie sind das Ergebnifs mehrerer Faktoren, die jeder für sich studirt 
werden müssen, wenn man im Stande sein will, ihre Gesammtheit zu verstehen. 
Es ist durchaus nicht meine Absicht, die Thatsachen, die ich beobachtet habe, 
als solche hinzustellen, die die sonst allgemein angenommenen Erklärungen aus- 
schließen; ich möchte sie einzig und allein als eine Ergänzung unserer Kennt- 
nisse hinsichtlich der Frage der Erleuchtung und der Farbe des Wassers be- 
zeichnen.“ 
Die Hauptwetterlagen in Europa. 
Von Prof. Dr. W, J. VAN BEBBER, Abtheilungsvorsteher der Deutschen Seewarte.?) 
Der Hauptzweck dieser Arbeit ist ein doppelter: zunächst soll sie eine 
allgemeinere Verbreitung des Verständnisses der Witterungserscheinungen in 
unseren Gegenden auf Grundlage der täglichen synoptischen Wetterkarten an- 
bahnen und dann eine Anleitung zur Beurtheilung der jeweiligen und der zu er- 
wartenden Witterung in gemeinverständlicher Darstellung geben, damit Jeder in 
Stand gesetzt werde, die von den verschiedenen Instituten und Zeitungen heraus- 
gegebenen Wetterberichte und Wettervorhersagen nutzbarer zu machen und sich 
ein eigenes begründetes Urtheil über den Verlauf der Witterungserscheinungen 
bilden zu können. 
4) Bull. de PAcad. roy. de Belgique (3), t. XXXI, No. 2, S. 109. 
3) Die ausführliche Arbeit mit Zahlenmaterial befindet sich in „Das Wetter“ bei Otto Salle, 
Berlin, Jahrg. 14, 1897, Heft 6, 7 und 8. Vgl. auch van Bebber: „Typische Witterungserscheinungen“ 
in „Aus dem Archiv der Seewarte“, Jahrg. V, No. 3, und Jahrg. IX, No. %.
	        
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