„.. ‚won Hasenkamp: Die Farbe der natürlichen Gewässer, ..... 441
kreisförmige: Oeffnung‘ von. 1.cm Durchmesser, die durch ‚eine: Glasplatte.” ver-
schlossen ‚war. In einer Entfernung. .yon. 1 m .vom, einen ‚Ende war.’ ein «großes
geitliches Fenster angebracht, um die innere Erleuchtung ‚des Wassers beobachten
zu können. Fast unmittelbar nach dem Anzünden der Gasflammen verlor die
kreisförmige Eintrittsöffenung ihre scharfe-Begrenzung:- sie “schiem sich: zu er-
weitern; einige Augenblicke später konnte man sie überhaupt nicht mehr er-
kennen, obwohl. das- Licht: noch, durch _das- Wasser hindurchädrang und es in einem
größeren Querschnitt zu erleuchten schien. Als die Temperaturdifferenzen ‚noch
größer wurden, verdunkelte sich das Wasser mehr und mehr,“ um schliefslich
ganz undurchsichtig zu werden, Man mufs daraus also” schliefsen, .daßs Wasser,
in dem thermische Konvektionsströmungen stattfinden, sich wie ein trübes Medium
verhält, Spring zeigt diese Thatsache noch in‘ bequemerer Weise‘ "mit: einem
vertikal gestellten, unten mit einer Glasplatte verschlossenen Rohr von 2 m ‘Länge,
unterhalb dessen eine weiße Porzellanplatte als Reflektor angebracht ist, ‚die. als
Marke ein Kreuz trägt, das man durch das reine im Rohr befindliche Wasser
deutlich sehen kann. Darauf wurde das Rohr entleert und zur Hälfte -mit
warmem Wasser ‚gefüllt, auf das endlich kaltes bis zur vollständigen Füllung
gegossen wurde. Es bildete sich dann ein. Konvektionsstrom „zwischen - den
beiden Schichten von verschiedener Temperatur, und das Gesichtsfeld trübte ‘sich
bis zum Verschwinden des Kreuzes, ohne jedoch vollkommen dunkel: zu werden,
Die Verringerung der Durchsichtigkeit hörte erst auf, als, Temperaturgleichheit
eingetreten war. Die Folgerungen: aus diesen Versuchen hinsichtlich der- Er-
leuchtung der natürlichen Gewässer liegen auf der Hand: Kin See von reinem
Wasser wird mit blauer Farbe leuchten, sobald in ihm Konvektionsströme‘ statt-
finden; werden diese schwächer, so wird das Wasser mehr ‘und mehr- dunkel
werden, ohne daß eine chemische Aenderung seiner Zusammensetzung 'stattzu-
finden braucht. Dieser Schlufs stimmt mit der Beobachtung überein. . Forel“)
hat gezeigt, dafs das Wasser der Seen im Winter ’durchsichtiger ist als im
Sommer, indem er weiße Platten von 25cm Durchmesser versenkte und -die
Grenzen ihrer Sichtbarkeit bestimmte.‘ Die in Metern ausgedrückten Tiefen, bei
denen die Platte verschwand, waren folgende:
Winter
Sommer
Oktober 10,2 Mai ‚8&.
November 11,0 Juni 6,9
Dezember 11,5 Juli 5,6
Januar 14,6 August 5,3
Februar 15,0 September 6,8
März 154 . Mittel .. 66
April 11,3
Mittel 12,7
Spring erklärt dieses Verhalten dadurch, dafs im Sommer die Tempe-
raturdifferenz zwischen der Oberfläche und der Tiefe gröfser ist als im Winter.
Infolge der Bewegung können die Wasserschichten von verschiedener Dichte nicht
horizontal übereinander geschichtet bleiben, sondern müssen sich vermischen und
Konvektionsströme hervorbringen, die eine Diffusion des Lichtes bewirken.
Die Anwendbarkeit dieser Erklärungsweise hat Spring später?) experi-
mentell festgestellt, indem er die kleinste Temperaturdifferenz bestimmt hat, die
zwischen dem Wasser und seiner Umgebung stattfinden mul, um bei einer ge-
gebenen Dicke der Schicht. Undurchsichtigkeit hervorzurufen. Die Kenntnis
dieses kleinsten Werthes giebt das Mittel an. die Hand. zur Beantwortung . der
Frage, ob sich in der Natur die Bedingungen erfüllt finden, unter denen die
Konvektionsströme eine wirksame Rolle spielen können.
. Zu dem Zwecke wurde an dem Rohre von 26 m Länge und 15 mm Durch-
messer ein senkrechtes Glasrohr von. 1m Länge und 3.mm Durchmesser ange-
schmolzen, in das das Wasser bei Volumvergröfserung durch Temperaturerhöhung
eintreten konnte. Das Volumen des langen Rohres war bei 4° (untere Grenze
der Versuche) 4782 cem und wurde bei 20° (obere Grenze) 4784 ccm, wenn man
) Arch, se. phys, et nat. t. LIX, 1877, Comptes. rendus 84, S. 311.
2) Bull, de l’Acad. roy. de Belgique (3), t, XXXTI, No, 3, S. 256, 1896,
Ann. d. Hydr, etc, 1897, Hoft X.