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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1897, 
$rübes Medium sein würde, das die kürzeren Lichtwellen nicht absorbirt, was 
der Beobachtung widerspricht. Diese Absorption ist im Gegentheil, wie Brücke‘) 
und Spring selbst nachgewiesen haben, um so charakteristischer, je feiner die 
Trübung ist. 
Diese Widersprüche veranlafsten Spring,?) die Annahme Tyndalls und 
Sorets experimentell zu kontroliren und zunächst zu ermitteln, ob sich‘ die 
Gegenwart fester Theilchen in Wasser nachweisen lälfst, das mit der gröfsten 
Sorgfalt gereinigt und so viel wie möglich von der umgebenden Luft abge- 
schlossen ist. Er ging dabei von dem Gedanken aus, dafs sich eine Trübung 
eines als rein geltenden Wassers bei einer hinreichenden Dicke der Schicht be- 
merkbar machen mufs, wenn auch eine Schicht von 5 bis 10m noch vollkommen 
klar erscheint. 
Für diesen Zweck wurden auf einem geeigneten Gestell zwei Röhren von 
26m Länge aufgestellt, die nach Bedarf so zusammengesetzt werden konnten, 
dafs sie eine Flüssigkeitsschicht von 52m Dicke darstellten. Sie waren aus 
Röhren von 2m Länge hergestellt, die durch Kautschukverbände vereinigt waren. 
Das benutzte Wasser war in einem Platinapparate nach der Methode von Stas 
unter Beobachtung aller Vorsichtsmafsregeln destillirt und zeigte in der Schicht 
von 26 m Dicke ein sehr reines dunkles Blau. Die Absorption war So Stark, 
dafs das freilich nur schwache Licht eines bedeckten Dezembertages nicht mehr 
die Flüssigkeit durchdringen konnte; bei heiterem Himmel oder bei Anwendung 
eines Gasglühlichtes dagegen war die Beobachtung leicht. Ein am vorderen 
Ende des Rohres angebrachtes Fadenkreuz erschien ebenso deutlich, wie wenn 
das Rohr leer war, natürlich aber viel weniger hell, Das destillirte Wasser 
enthält also keine fremden Theilchen in solcher Menge, dafs sie seine Transpa- 
venz bei einer Schicht von 26 m verringern können. 
Zur Untersuchung der inneren Erleuchtung des Wassers brachte Spring 
in der die Röhre umschliefsenden schwarzen Papierhülle Oeffnungen an, die eine 
Beobachtung von der Seite gestatteten. Bei Beleuchtung mit dem Gasglühlicht 
zeigte sich das Wasser in der That erleuchtet, aber nur bis auf 2 m Entfernung 
von der Lichtquelle; die ganze übrige WYlüssigkeitssäule von 24 bis 25 m Länge 
blieb vollkommen dunkel. Spring schließt daraus, dafs die innere Erleuchtung, 
d, h. die seitliche Reflexion des eingedrungenen Lichtes, nicht ausschliefslich 
durch suspendirte Theilchen bewirkt wird. Die Intensität der Erleuchtung ist 
zo grofs, dals das Wasser nicht den Grad von Transparenz hätte zeigen können, 
den es thatsächlich besafs, wenn wirklich suspendirte Theilchen die seitliche 
Reflexion bewirkt hätten. Aufserdem kann man auch schwerlich annehmen, dafs 
sich diese Theilchen gegen die Lichtquelle hin koncentrirt hätten, um so eine 
nur oberflächliche Erleuchtung hervorzubringen. Es liegt daher der Gedanke 
nahe, den Ursprung der Erleuchtung in einer durch Temperaturdifferenz bewirk- 
jen physikalischen Heterogenität zu suchen, da ja gerade die Wärmestrahlen 
der Lichtquelle nicht weit in das Wasser als adiathermanes Medium eindringen 
können. Zur näheren Untersuchung dieser Frage wurde das Rohr geleert und 
geraume Zeit sich selbst überlassen, um es in Temperaturgleichgewicht mit der 
Umgebung zu bringen. Es wurde alsdann mit Wasser von 16° gefüllt, während 
seine eigene Temperatur nur 4° betrug. Es zeigte sich das erwartete Resultat: 
das Wasser war fast vollkommen undurchsichtig. Nach einiger Zeit begann es 
sich von Neuem zu klären, um nach Verlauf einiger Stunden seine ursprüngliche 
Durchsichtigkeit wieder anzunehmen. Bei einer hinreichend dicken Schicht be- 
wirken also kleine Temperaturdifferenzen, dafs das einfallende Licht nicht mehr 
in gerader Linie das nun heterogene Medium durchsetzt; es erleidet Reflexionen 
und Brechungen, indem es von einem Punkt zu einem anderen von verschiedener 
Dichte gelangt, und erreicht nur schwer das Auge des Beobachters. Eine 
schwächere Schicht erfordert demnach, um denselben Widerstand zu leisten, eine 
entsprechende Zunahme der "Temperaturdifferenzen zwischen den verschiedenen 
Partien des Wassers. Zur Prüfung dieser Folgerung wurde ein Zinkrohr be- 
nutzt von 3 cm Durchmesser, dessen Länge nur 6m betrug und das durch unter- 
gesetzte Gasflammen erhitzt werden konnte. Die Grundflächen hatten je eine 
) Pogg. Ann, LXXXVII, S. 363. 
* Bull. de l’Acad. roy. de Belgique (3), XXXI, No. 2, N. 94, 1896.
	        
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